Medizin und Lack für die ganze Welt

130 Jahre in Wuppertal:Medizin und Lack für die ganze Welt

Die Wuppertaler experimentierten früh mit Chemikalien. Daraus entstanden große Firmen wie Bayer und Herberts/Axalta.

Von Tanja Heil

Das Bleicherprivileg gründete den Erfolg des Wupper-Tals. Die Behandlung von Textilien mit Farben und Chemikalien spielte in der Folge immer eine wichtige Rolle im Tal. Else Lasker-Schüler etwa berichtete, wie die Wupper in den verschiedenen Farben schimmerte – je nachdem, wie gerade gefärbt wurde.

Die Aspirin-Tabletten bescherten Bayer einen weltweiten Erfolg. Foto: Bayer AG
Die Aspirin-Tabletten bescherten Bayer einen weltweiten Erfolg. Foto: Bayer AG

So entdeckten der Kaufmann Friedrich Bayer und der Färber Johann Weskott 1863, wie sie den roten Farbstoff „Fuchsin“ synthetisch herstellen konnten. Da die Farbe viel billiger war als natürliche Farbstoffe, wuchs die Nachfrage rasant.

Bayer belieferte bereits in den 1920er Jahren die ganze Welt

Um mitzuhalten, wandelten die Gründer ihre Firma 1881 in eine Aktiengesellschaft um – da hatte das Unternehmen bereits 300 Mitarbeiter. Von Anfang an legten die Elberfelder großen Wert auf Forschung. Carl Duisberg widmete sich nicht nur neuen Farbstoffen, sondern auch Fotochemikalien und Arzneimitteln wie dem 1899 auf den Markt gebrachten Aspirin. Schon vor dem Ersten Weltkrieg belieferte Bayer mit 10 000 Mitarbeitern fast die ganze Welt und verdiente 80 Prozent seines Umsatzes durch Export. 1912 wurde der Firmensitz nach Leverkusen verlagert. Doch das Werk in Elberfeld blieb ein wichtiger Produktionsstandort. Wichtige Erfindungen wie die Polyurethane (Otto Bayer 1937) oder der Einsatz von Sulfonamiden in der Chemotherapie (Gerhard Domagk erhielt dafür 1939 den Nobelpreis) sicherten langfristig den Erfolg.


Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände e. V. – VBU®

Ganz andere Anforderungen an die Sterilität erfüllten die Bayer-Produktionsstätten in den 60er Jahren, wie hier bei der Abfüllung von Penicillin. Foto: Bayer AG
Ganz andere Anforderungen an die Sterilität erfüllten die Bayer-Produktionsstätten in den 60er Jahren, wie hier bei der Abfüllung von Penicillin. Foto: Bayer AG
Schon früh wurden bei Herberts die Lacke maschinell in Dosen verpackt. Heute übernehmen das bei Axalta vollautomatische Maschinen (unten).Fotos: Axalta Coatings Facility
Schon früh wurden bei Herberts die Lacke maschinell in Dosen verpackt. Heute übernehmen das bei Axalta vollautomatische Maschinen (unten).Fotos: Axalta Coatings Facility

Auch andere Elberfelder und Barmer waren an chemischen Prozessen interessiert. Sie experimentierten und forschten, um mit neuen Verbindungen neue Anwendungen zu erschließen.

Herberts erfand neue Lacke und überzeugte durch sein Marketing

Ein wichtiger Vertreter dieser Experimentierfreude war Kurt Herberts. Der 1901 geborene Barmer Fabrikantensohn studierte Chemie und gründete mit 23 Jahren eine eigene Firma, die er drei Jahre später mit der seines Vaters fusionierte. Herberts entwickelte neue Speziallacke, etwa zum Streichen von Kutschen, Lokomotiven oder Fußböden. Neue Technologien – Permanentlacke, Nitrocellulose-Lacke oder spritzfertige Lacke – überzeugen weltweit durch ihre Qualität.

Gleichzeitig legte der Kunstliebhaber und Freigeist Herberts großen Wert auf das Marketing: Er ließ namhafte Künstler – darunter auch von den Nazis verfolgte – Werbebilder entwerfen, etwa Oskar Schlemmer, Franz Krause und Georg Muche. Bekannt ist bis heute seine Villa Herberts, die nun im Skulpturenpark Waldfrieden liegt. In den 90er Jahren erwarb DuPont das Herberts Lackgeschäft, 2013 wurde aus dem Unternehmen Axalta Coating Systems mit weltweiten Niederlassungen und immer wieder neuen Patenten auf verbesserte und innovative Lacke.