Treffen mit Husch-Husch

130 Jahre in Wuppertal:Treffen mit Husch-Husch

Walter Caska wuchs in den 30er und 40er Jahren in Barmen auf. Er erinnert sich noch an die Hausierer und Dampflokomotiven.

So erlebte Walter Caska noch Husch-Husch: Mit der Margerine-Kiste unter dem Arm. Foto: Fotomontage von J. Frisch aus dem Stadtarchiv
So erlebte Walter Caska noch Husch-Husch: Mit der Margerine-Kiste unter dem Arm. Foto: Fotomontage von J. Frisch aus dem Stadtarchiv

Von Tanja Heil

Walter Caska hat noch Husch-Husch persönlich erlebt. „Da war eine ganze Horde Kinder dahinter, die ,Husch-Husch’ riefen“, erzählt der 81-Jährige. Der Hausierer, mit seinem typischen Schlapphut und einer Margarine-Kiste unter dem Arm, habe daraufhin drohend seinen Stock erhoben.

Hausierer seien in den 30er und 40er Jahren noch häufig ins Haus an der Sehlhofstraße gekommen, berichtet Caska. Sie boten Nadeln, Nähgarn oder Schnürsenkel an. Am Werth habe es bereits einen „Einheitspreisladen“ gegeben, in dem jeder Artikel 50 Pfennig kostete.

Seine Mutter jedoch kaufte ihre Stoffe und Kurzwaren lieber in einem jüdischen Geschäft. „Der Besitzer hielt uns immer ganz aufmerksam die Türe auf“, erinnert sich Caska, der seine Mutter als Kind oft begleitete. Auch zu Tietz nach Elberfeld seien sie manchmal mit der Schwebebahn zum Einzahkaufen gefahren. Eine zweite und eine dritte Klasse habe es damals gegeben. Einmal musste Caska beim Schaffner zehn Pfennig nachzahlen, weil er versehentlich in die zweite statt dritte Klasse eingestiegen war.

WZ-Leser erzählen: die 30er Jahre

An allen Bahnhöfen habe es damals Wartesäle gegeben, erinnert sich Caska. „Da hingen dann Schilder ,Nicht auf den Boden spucken’.“ Kautabak war in seiner Kindheit bei Männern weit verbreitet. Die meisten Wartesäle seien schlicht mit Holzbänken ausgestattet gewesen. Die Züge wurden noch von Dampflokomotiven gezogen und den Bahnsteig durfte man nur mit einer Bahnsteigkarte betreten, die vorher an der Sperre von einem Bahnbeamten kontrolliert wurde.


Buchhandlung v. Mackensen

Wenn sonntags das Wetter gut war, machte die Familie Caska Ausflüge: Sie wanderte zum Toelleturm und fuhr mit der Barmer Bergbahn zurück. Oder man kehrte bei der Schmeer-Emma an der Sonnenblume auf ein Butterbrot ein oder besuchte zum Kaffeetrinken die Meierei im Fischertal.

Walter Caska und seine Geschwister – damals ließ sich auf den Straßen noch gut spielen. Foto: Walter Caska
Walter Caska und seine Geschwister – damals ließ sich auf den Straßen noch gut spielen. Foto: Walter Caska

Der Rektor verlas Rügen und Lageberichte von der Front

Das erste Schuljahr verbrachte Walter Caska an der Volksschule Gewerbeschulstraße. „Vor Beginn des Unterrichts ließ der Rektor die Schüler auf dem Schulhof klassenweise antreten“, erinnert sich Caska. Er verlas Berichte über die Lage an der Front, danach kam das Strafverzeichnis. Schüler, die sich geprügelt oder etwas angestellt hatten, wurden vor der gesamten Schule gerügt.

Einmal erwischte das auch Caska: Bei der nahen Firma Woll-Jäger lagerten in einer Kiste Garnrollen aus Pappe. „Davon hatten wir uns welche zum Spielen geholt. Da hat sich der Besitzer beim Rektor beschwert.“

Gerne sprangen die Jungen auch auf die offenen Wagen der Straßenbahn und fuhren eine Station mit, ohne zu zahlen, bis sie der Schaffner wütend hinauswarf. Oft spielten die Jungen Murmeln auf der Sehlhofstraße und kratzten dafür die Erde zwischen dem Kopfsteinpflaster weg.


RSM Breidenbach