Werkzeuge kamen früh aus Cronenberg

130 Jahre in Wuppertal:Werkzeuge kamen früh aus Cronenberg

Erst entstanden mit Wasserkraft betriebene Schmieden auf den Höhen. Daraus entwickelten sich später Großbetriebe.

Von Tanja Heil

Seit dem Mittelalter wurden besonders in Cronenberg Werkzeuge hergestellt. Meist waren es Landwirte, die im Winter Sensen schmiedeten und schliffen. Anfangs wurde auch das Eisen vor Ort verhüttet, später dann aus dem Siegerland per Pferdefuhrwerk herbeigeschafft. Durch die Berglage gab es genügend Wasserläufe, an denen sich Schmiedekotten mit ihren großen Mühlrädern ansiedelten.

Die Nutzung der Wasserkraft war streng reglementiert

Oft reihten sie sich wie Perlen an einer Schnur auf – deshalb musste die Wassernutzung streng reglementiert werden. Laut einer Fabrikkarte von 1802 gab es damals 14 Schleifkotten, 23 Stahl- und Eisenhämmer und zwei Getreidemühlen im Kirchspiel Cronenberg.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts lösten Dampfmaschinen die Wasserkraft ab. Bald darauf wurde auch der mühsame Transport der Kohle per Pferdewagen durch die Eisenbahn erleichtert. 1891 eröffneten die Strecke Cronenberg-Steinbeck sowie die Schmalspurbahn im Morsbachtal zwischen Ronsdorf und Müngsten.

So wie hier Dirk Fromm im Manuelskotten Messer schliff, arbeiteten schon im 19. Jahrhundert die Schmiede und Schleifer. Archiv-Foto: Andreas Fischer
So wie hier Dirk Fromm im Manuelskotten Messer schliff, arbeiteten schon im 19. Jahrhundert die Schmiede und Schleifer. Archiv-Foto: Andreas Fischer

Das bedeutete das Ende vieler kleiner Betriebe in entlegenen Bachtälern, während große Dampffabriken in Bahnhofsnähe immer größere Mengen produzierten. Im Sommer mussten sie manchmal sogar das Wasser zu ihren Fabriken transportieren. Als 1898 das Bergische Elektrizitätswerk Cronenberg seinen Betrieb aufnahm, kauften etliche Fabrikbesitzer auch Elektromotoren für ihre Maschinen. Privathaushalte durften erst 1913 Strom für die Beleuchtung ihrer Häuser erwerben.

Als um 1900 die Gesenkschmiede erfunden wurde, stieg die Produktivität weiter. Die Küllenhahner Firma Wilhelm Pandel etwa stellte 1885 rund 60 bis 70 Hacken her und 1929 bereits 2000.

Carl Gustav Putsch schmiedete bei der Gründung seiner Firma Knipex 1882 im Keller seines Fachwerkhauses gemeinsam mit einem Gesellen und zwei Lehrlingen 120 Kneif- und Hufbeschlagszangen am Tag. Mit der Gesenkschmiede schaffte ein Arbeiter 800. Heute verlassen täglich 45 000 Zangen das Werk.


Wuppertal Bayer

Nach dem Zweiten Weltkrieg führte Karl Putsch moderne Fertigungstechniken ein und erweiterte die Produktpalette. Als 1996 Ralf Putsch in vierter Generation Knipex übernahm, eröffnete er Niederlassungen in Moskau, Chicago, Shanghai und Dubai. Heute gehören auch die Werkzeughersteller Rennsteig-Werkzeuge und Orbis Will zur Firmengruppe mit insgesamt 1600 Mitarbeitern, davon 1100 in Wuppertal.

Im Keller eines Fachwerkhauses begann Carl Gustav Putsch mit der Zangen-Herstellung. Bald schon hatte er viele Mitarbeiter, die in Handarbeit die Zangen schmiedeten. Heute arbeiten in Wuppertal 1100 Mitarbeiter für Knipex in ausgedehnten Werkhallen und Büros.Fotos: Knipex
Im Keller eines Fachwerkhauses begann Carl Gustav Putsch mit der Zangen-Herstellung. Bald schon hatte er viele Mitarbeiter, die in Handarbeit die Zangen schmiedeten. Heute arbeiten in Wuppertal 1100 Mitarbeiter für Knipex in ausgedehnten Werkhallen und Büros.Fotos: Knipex

Um 1900 entstanden viele neue dampfbetriebene Fabriken

Alleine in den ersten elf Jahren des neuen Jahrhunderts entstanden in Cronenberg 25 neue Fabriken und 217 neue Dampfanlagen und Fallhämmer, wie Hinrich Heyken in seinen Beiträgen zur Wuppertaler Stadtgeschichte auf seiner Internetseite schreibt. Hergestellt wurden Werkzeug, Schrauben und Muttern. Bis zum Zweiten Weltkrieg stammten in ganz Deutschland Beile, Äxte und Hacken meist aus Küllenhahn. Trotzdem hatten die meisten Betriebe weniger als zehn Mitarbeiter. Bei einer Berufs- und Betriebszählung 1925 wurden 562 Arbeitsstätten in Cronenberg gezählt, davon 317 in der Herstellung von Eisen-, Stahl- und Metallwaren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten viele Produzenten Schwierigkeiten, wieder Fuß zu fassen. Manche Fabriken waren zerstört, die Beschaffung von Rohmaterialien war schwierig, der Export ins Ausland erst einmal fast unmöglich.

Der Werkzeughersteller Stahlwille hat sein altes Kontor saniert, das nun Historie und Moderne verbindet. Foto: Stahlwille
Der Werkzeughersteller Stahlwille hat sein altes Kontor saniert, das nun Historie und Moderne verbindet. Foto: Stahlwille

Doch da für den Wiederaufbau viele Werkzeuge benötigt wurden, profitierte die Cronenberger Werkzeugindustrie davon. Schnell ging der Trend jedoch zu Großbetrieben statt der kleinen Familienbetriebe. Selbst erfolgreiche Unternehmen wie Carl Bauer – dessen Schrauben in den 70er Jahren mit zum Mond flogen – oder Belzer mit rund 650 Beschäftigten 1960 an der Hastener Straße in der Schraubendreherproduktion mussten ihre Fabriken schließen.

Cronenberger Unternehmen sind heute Weltmarktführer

Andere sind bis heute aktiv und stellen sich den immer neuen Herausforderungen. Carl Baier (Sägen) existiert seit 1935, Klärner (Werkzeuge) seit 1840 und Walter Biertz & Co (Gartenbaugeräte) seit 1875.

Firmen wie der Schraubenhersteller Cleff, Stahlwille (Schraubenschlüssel) oder Joh. Herm. Picard (Hämmer) haben sich zu großen, international tätigen Unternehmen entwickelt. Berning stellt für große Bekleidungsunternehmen Knöpfe und Nieten her.