Kirchen in der Thomasstadt

725 Jahre Kempen:Kirchen in der Thomasstadt

Kempen hat viele Kirchen und Kapellen, schön sind sie alle und jede weiß eine andere Geschichte zu erzählen. Die eine ist die Hauptkirche der Stadt, die andere das älteste Gotteshaus. Vier sakrale Baudenkmäler sind besonders erwähnenswert.

Kempen hat viele Kirchen und Kapellen, schön sind sie alle und jede weiß eine andere Geschichte zu erzählen. Die eine ist die Hauptkirche der Stadt, die andere das älteste Gotteshaus. Vier sakrale Baudenkmäler sind besonders erwähnenswert.

Die Heilig-Geist-Kapelle, die nicht mehr kirchlich genutzt wird, liegt im Herzen Kempens nahe dem Buttermarkt.
Die Heilig-Geist-Kapelle, die nicht mehr kirchlich genutzt wird, liegt im Herzen Kempens nahe dem Buttermarkt.

Einmal im Jahr, am Sonntag nach dem Todestag von Thomas von Kempen (25. Juli 1471), begeht der Thomas- Verein in der Propsteikirche St. Mariae Geburt einen Tag zur Erinnerung mit einem Gottesdienst, Vorträgen und einer Führung. Auch das Thomas-Archiv im Kramer-Museum, das unter anderem eine wissenschaftlich betreute Sammlung alter Ausgaben der Nachfolge Christi präsentiert, ist am Thomas- Tag für einige Stunden geöffnet. (Ansonsten ist diese wichtige Anlaufstelle für Fragen zum Leben und Werk des Thomas von Kempen donnerstags von 15 bis 18 Uhr zugänglich). Die Propsteikirche St. Mariae Geburt bildet den Mittelpunkt Kempens und ist schon von weitem zu sehen. Der Grundstein für diese erste steingemauerte Kirche Kempens wurde um das Jahr 1200 gelegt. Die kleine Basilika wurde im 14. Jahrhundert um eine romanische Choranlage und im 15. Jahrhundert um einen Chorumgang erweitert. Nun war die Kirche für Wallfahrtsprozessionen geeignet. Im nördlichen Seitenschiff wurde eine Marienkapelle errichtet. Pilger erkoren Kempen als ihren Wallfahrtsort aus. Im Jahre 1490 war der Kirchenbau in seiner heutigen Gestalt abgeschlossen. Die Kirche beherbergt bedeutende historische Schnitzarbeiten, drei Antwerpener Altäre von 1514, 1525 und 1540 sowie weitere wertvolle Kunstwerke.

Das erste Franziskanerkloster wurde zwischen 1627 und 1630 errichtet. Es ist dem Kurfürsten Clemens August zu verdanken, dass Kirche und Kloster Mitte des 18. Jahrhunderts nach Entwürfen des Würzburger Architekten Balthasar Neumann erneuert und erweitert wurde. Die damalige Innenausstattung (von Altar über Chorgestühl, Kanzel und Orgelempore) ist nahezu vollständig erhalten. Kloster und Kirche blicken auf ein bewegtes Schicksal zurück. Vieles geschah und geschieht hinter den Mauern des 1802 säkularisierten Klosters: Es diente als Militärhospital, königliches Lehrerseminar, landwirtschaftliche Winterschule, Gymnasium, Finanzamt und Kreisverwaltung. Heute beherbergt es das städtische Kramer-Museum, die Stadtbibliothek und das erwähnte Thomas-Archiv und dient als hochgeschätzte Konzertstätte
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Die St. Peter Kapelle ist das älteste Bauwerk Kempens.
Die St. Peter Kapelle ist das älteste Bauwerk Kempens.

Die Krankenhäuser hießen früher fast überall gleich: Hospital zum Heiligen Geist. Sie waren „Gasthäuser“ für arme, kranke Menschen (lat. hospitalis = gastfreundlich) und dienten auch als Altersheime und Herbergen. Stets baute man sie mitten in der Stadt. Auch die Heilig-Geist-Kapelle liegt im Herzen Kempens, sie grenzt an den Buttermarkt. Als ihr Kloster noch in Gründung war, nutzten die Franziskaner die Kapelle zum Gebet. Als die 1421 im spätgotischen Stil erbaute Hospitalskapelle nicht mehr kirchlichen Zwecken diente, beherbergte sie ein Wirtshaus, einen Friseur und die Stadtbibliothek. Zwischen 2005 und 2012 befand sich hier eine religiöse Buchhandlung. Die künftige Nutzung der Kapelle ist derzeit offen.

Die St. Peter Kapelle ist die älteste Kirche und überhaupt das älteste Bauwerk Kempens, ihre Ursprünge liegen um das Jahr 900. Karl der Große soll sie der Legende nach gestiftet und Papst Leo III. soll selbst die Weihe der Kapelle vorgenommen haben. Das erste Gotteshaus an dieser Stelle war wohl ein schlichter Holzbau. Erst 200 Jahre später wurde er durch einen Steinbau ersetzt. Die heutige Kapelle ist aber nicht so alt. St. Peter wurde 1610 vom Blitz getroffen, Turm und Kirchenschiff brannten. Der romanische Sakralbau liegt an der Kreuzung von drei ehemaligen Wegen zu wichtigen Fernhandelsstraßen. Auch trafen an dieser Stelle vier der sechs Kempener Landgemeinden zusammen. Es ist Tradition, zum Kirchweihfest im Juni nach St. Peter zu pilgern.