Wie Kempen wurde, was es ist

725 Jahre Kempen:Wie Kempen wurde, was es ist

Ein kleiner Abriss der Geschichte der Stadt Kempen.

Der 3. November 1294 – das ist das Datum, das nun den Anlass zu den Feierlichkeiten „725 Jahre Stadt Kempen“ gibt. Die Urkunde, die der Kölner Erzbischof damals ausstellte, war der rechtliche Schlusspunkt eines Prozesses. Die Entwicklung vom Dorf zur Stadt war gelungen.

Der Historiker Friedhelm Weinforth hat die Urkunde aus dem Lateinischen übersetzt, in der diese Sätze entscheidend sind: „Ihnen hatten wir nämlich aufgegeben, dort die Stadt oder das Festungswerk wie von neuem aufzubauen; dies haben sie mit größtmöglichem Eifer, sogar über ihr Leistungsvermögen hinaus ausgeführt. Deswegen gewähren wir ihnen und ihren Erben und anderen Leuten, in welchem Stand sie auch leben mögen oder welcher Herrschaft sie untertan sind, als Einwohnern der genannten Stadt in Kempen im Namen des Herrn das Recht der Freiheit, das in Uerdingen und ebenso den anderen Einwohnern unserer Städte bekanntlich verliehen wurde.“ Hintergrund ist, dass Kempens Landesherr, der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg, 1288 gegen eine Allianz unter Führung des Herzogs von Brabant eine vernichtende Niederlage erlitten hatte. Die Sieger bedrohten nun seine Vormachtstellung am Niederrhein, und er ließ daraufhin die Grenzorte des Erzstifts Köln befestigen. Als nördlichste Bastion hatte Kempen eine besondere Stellung.

Eine historische Ansicht des Buttermarkts
Eine historische Ansicht des Buttermarkts

Kempen war der erste Ort im heutigen Kreis Viersen, dem städtische Privilegien zuteil wurden und es erlebte eine große wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Die beiden folgenden Jahrhunderte waren die große Zeit Kempens. Sakrale Kunstwerke der Propsteikirche und Schätze des Kramer-Museums, aber auch bekannte Namen wie der des Thomas von Kempen zeugen heute noch von dieser Blütezeit, mit der das benachbarte Krefeld lange nicht konkurrieren konnte.

Doch es gab Rückschläge. 1579 verlor die Stadt durch die Pest fast die Hälfte ihrer Einwohner. Im Dreißigjährigen Krieg plünderten die hessischen Besatzer die Stadt und zerstörten sie teilweise. Im 17. Jahrhundert bedeutete zudem der Weggang nichtkatholischer Bürger, darunter fleißige Handwerker und tüchtige Kaufleute, einen Aderlass. Kempen wurde eine stockkonservative, erzkatholische Stadt und dämmerte im Dornröschenschlaf.

Die „Seidenstadt“ Krefeld konnte Kempen den Rang ablaufen. Aber dem Selbstbewusstsein und der Heimatliebe der Bürger des „Königreich Kempens“, wie das KK auf den Autokennzeichen gerne augenzwinkernd übersetzt wird, tut das heute keinen Abbruch. Was Bürgermeister Volker Rübo jüngst beim Fachdialog zur „Modellhaften Analyse und Deutung von Bautraditionen in den historischen Stadt- und Ortskernen in NRW“ sagte, kann so mancher Kempener sicher unterschreiben: „Ich möchte nicht mit Krefeld tauschen.“

Früher wurde auch in Kempen die frische Milch noch in Kannen ausgeliefert.
Früher wurde auch in Kempen die frische Milch noch in Kannen ausgeliefert.

Die Zeit des Nationalsozialismus war auch in Kempen ein dunkles Kapitel, wie der Kempener Historiker Hans Kaiser in seinem zweibändigen Werk „Kempen unterm Hakenkreuz“ detailreich herausgearbeitet hat.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Kempen dringend saniert werden. Und bei den Planungen zur Altstadtsanierung hat man einiges richtig gemacht. Man habe den Menschen Vorrang vor dem Auto gegeben, sagte Bürgermeister Volker Rübo beim Fachdialog. Von 1969 bis 1994 wurden innerhalb der alten Stadtmauern Bausünden beseitigt, Fachwerk- und Patrizierhäuser restauriert und der Autoverkehr weitgehend ausgelagert. So manches alte Haus, stellte Rübo kritisch fest, hätte man durchaus noch erhalten sollen. Der Grüngürtel im Bereich der einstigen Wall- und Grabenanlagen wurde angelegt und die Fußgängerzone entstand, die heute Gastronomie, Geschäfte, Kino und noch mehr bietet, was die Kempener wie die Besucher schätzen.