Das letzte Hemd: Sterbetalar oder Anzug?

Abschied nehmen:Das letzte Hemd: Sterbetalar oder Anzug?

Was darf man eigentlich im Sarg anziehen? Oder muss die Frage eher lauten: Was muss man im Sarg tragen? Wir haben den Krefelder Bestatter Heinzwerner Conen gefragt.

Zecher Bestattungen

Für alles im Leben gibt es eine Vorschrift. Und nach dem Tod sieht die europäische Bestattungsnorm vor, dass man in jedem Fall bekleidet beerdigt werden muss. So nackt, wie man auf die Welt kam, darf man nicht von ihr gehen. Genau genommen gibt es eine Bekleidungs- und eine Sargpflicht. Denn auch wenn man verbrannt werden möchte, geschieht das in einem Holzsarg.

Totenhemd ähnelt einem feineren Nachthemd

Sprach man früher vom letzten Hemd, meinte man das Totenhemd. Ursprünglich wurden Leichname in Leinentücher gewickelt oder eingenäht. Erst im 14. Jahrhundert ging man zu Kleidungsstücken, kittelähnlichen Totenhemden, über. Lange galt der Sterbetalar als angemessene Kleidung für den Sarg. Das Totenhemd ähnelt bis heute optisch einem feineren Nachthemd. In Anlehnung an den Talar eines Priesters sollte der Sterbetalar dem Toten eine würdevolle Ausstrahlung verleihen. Oft waren die Talare schon lange im Besitz eines Menschen. Manch einer bekam sie als Teil der Aussteuer oder als Hochzeitsgeschenk. Auch heutzutage ist die Modellvielfalt groß. Totenhemden gibt es in verschiedenen Farben aus Baumwolle, Seide, Satin, mit oder ohne Spitze, für Damen mit Rüschen und für Herren mit Fliege. Wie Krankenhemden sind sie hinten offen. Das hat seine Gründe: „Wir Bestatter können den Verstorbenen leichter anziehen“, sagt Heinzwerner Conen, der das seit 1886 bestehende Krefelder Familienunternehmen Bestattungen Conen seit 31 Jahren leitet. „Zudem werden Verstorbene im Krematorium noch einmal von einem Amtsarzt untersucht. Auch bei dieser zweiten vorgeschriebenen Leichenschau erleichtert das hinten offene Hemd die Arbeit.“

Das Bestattungsgesetz in Nordrhein-Westfalen macht keinerlei Vorgaben, wie man einen Verstorbenen anzuziehen hat. „Das entscheidet in der Regel die Familie“, sagt Heinzwerner Conen. „Es muss nicht der dunkle Anzug sein. Der Verstorbene trägt zunehmend das, was er auch im Leben gerne angezogen hat. Das können durchaus auch Jeans sein oder das Trikot des Lieblingsvereins.“ Ein guter Bestatter nimmt auf die Wünsche der Hinterbliebenen Rücksicht und achtet auf die Feinheiten. Nackte Beine sind ein „No-Go“, Strümpfe oder Strumpfhosen daher obligatorisch.

Aus ökologischen Gründen Kleidung aus Naturfasern

Generell wird zwischen einer Erd- und einer Feuerbestattung unterschieden. „Es gibt Krematorien, die aus ökologischen Gründen Kleidung aus Naturfasern vorschreiben. Wir arbeiten mit dem Krematorium in Willich zusammen, das über modernste Filteranlagen verfügt. Die Kleidung darf daher aus jedem Material bestehen.“

Aber bei einer Erdbestattung sollte auf Kleidung aus synthetischen Fasern oder Stoffen mit Chemikalien, die praktisch nicht vergehen und das Erdreich belasten, verzichtet werden.


Laubbläser zulässig

Laubbläser mit Verbrennungsmotor verursachen Lärm.

Diese Geräusche müssen auch auf Friedhöfen geduldet werden. Nach einem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Saarlouis gilt das sowohl für Anwohner als auch für Inhaber von Grabstätten und Friedhofsbesucher.

In dem von der Verbraucherinitiative Aeternitas mitgeteilten Fall hatte sich der Kläger sowohl als Wohnungseigentümer in Friedhofsnähe als auch als Inhaber eines Grabnutzungsrechts an das Gericht gewandt.

Seine Klage hatte aber keinen Erfolg: Die Richter verwiesen darauf, dass es nicht wirtschaftlich umsetzbar sei, das Laub von über 600 Bäumen auf dem entsprechenden Friedhof mithilfe von Rechen und Besen zu beseitigen.

Aus dem Grabnutzungsrecht ergebe sich zwar ein Recht auf Ruhe beim Totengedenken. Doch erst bei erheblichen Einschränkungen, die speziell das Grab des einzelnen Nutzungsberechtigten beträfen und nicht dem Friedhofszweck entsprächen, hätten Betroffene Aussicht auf einen Unterlassungsanspruch, argumentierte das Oberverwaltungsgericht in seiner Entscheidung.