Bauen & Wohnen 2/2019

Bauen & Wohnen 2/2019:Bauen & Wohnen 2/2019

Die Trockenheit hat uns gelehrt, unseren Wasserverbrauch zu hinterfragen.

Wochenlange Trockenheit und andauernder Starkregen im Wechsel: Angesichts solcher Naturereignisse fragt sich mancher: Wie kann ich zu Hause vorsorgen? Denn weder zu viel noch zu wenig Wasser ist dort gut. Welche Wege gibt es also, Trinkwasser zu sparen und trotzdem genügend Nass für Haus und Garten zu haben?

„Eine Antwort auf diese Fragen kann die intelligente und nachhaltige Nutzung des Regenwassers sein“, sagt Dietmar Sperfeld von der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung. „Mit einer Regenwassernutzungsanlage kann das Regenwasser sogar im Haushalt Verwendung finden und so wertvolles Trinkwasser ersetzen.“

Solche Anlagen sind nicht nur bei Trockenheit hilfreich, sondern auch bei Starkregen. Denn die Zisterne kann das viele Wasser auffangen. Dieser Effekt ist umso größer, je mehr Hausbesitzer in einem Wohngebiet solche Erdspeicher betreiben. „Günstig ist es, wenn das überschüssige Wasser zusätzlich die Möglichkeit hat, im Boden zu versickern“, sagt Sperfeld. „Dazu darf allerdings nicht allzu viel Bodenfläche versiegelt werden, wie es leider immer wieder geschieht.“

Wie funktioniert eine Regenwassernutzungsanlage?

„Der Regen von der Dachfläche wird gesammelt und über die Regenfallrohre durch einen Filter geleitet. Dann fließt es in einen Erdspeicher, auch Zisterne genannt“, erklärt Andreas Braun vom Zentralverband Heizung Sanitär Klima in Sankt Augustin. Diese Speicher gibt es in verschiedenen Größen. Sie lassen sich unauffällig unter der Garagenzufahrt oder im Garten unterirdisch unterbringen.

Kann jeder so eine Anlage nutzen?

Nicht ganz. „Einige Dachmaterialien sind für das Auffangen und die weitere Nutzung von Wasser im Garten nicht oder nur beschränkt geeignet“, sagt Bernd Kirschbaum vom Umweltbundesamt. So können von Dächern aus Kupfer und Zink zum Beispiel Metallverbindungen abgeschwemmt werden, die schädigend für die Umwelt sind. Auch bei Dächern mit Teerpappe kann die Bitumenabdichtung Biozide freisetzen. Bei solchen Flächen sollte man von einer Regenwassergewinnung also absehen.

Wo kommt das Zisternenwasser im Haushalt zum Einsatz?

Es eignet sich beispielsweise für die WC-Spülung, zum Putzen und zum Wäschewaschen. „Die Trinkwassereinsparung beträgt dadurch etwa 50 Prozent des häuslichen Verbrauchs“, erklärt Sperfeld.

Grundsätzlich gilt: „Regenwasser hat oft die Qualität von Badegewässern, ist also sauber und klar“, sagt Sperfeld. „Kommt es allerdings von begrünten Dächern, kann es leichte Verfärbungen haben, die aber die Qualität nicht beeinträchtigen.“

Brauche ich eine separate Regenwasserleitung im Haus?

Ja. „Wer Regenwasser nutzt, braucht ein zweites Leitungssystem zusätzlich zur Trinkwasserleitung“, sagt Braun. Denn laut der Trinkwasserverordnung muss man sicherstellen, dass es an der Regenwassernutzungsanlage eine Sicherung gibt, die verhindert, dass sich Regenwasser mit Trinkwasser mischt. Diese Leitungen müssen farblich so gekennzeichnet sein, dass offensichtlich ist, dass sie kein Trinkwasser führen. Katja Fischer