Wohnen und Arbeiten in Fabrikgebäuden

Bauen & Wohnen 2/2019:Wohnen und Arbeiten in Fabrikgebäuden

Große Grundflächen, hohe Decken und historischer Industriecharme – Lofts sind auf dem Immobilienmarkt äußerst gefragt. In Wuppertal gibt es besonders viele Beispiele für gelungene Entwicklungen.

Bis vor 20 Jahren wurden direkt an der Wupper die bekannten ELBA-Ordner produziert. Nach der Insolvenz der Firma stand das Fabrikgebäude viele Jahre leer, später fanden in der Fertigungsstätte temporäre Kunstausstellungen, Partys oder Flohmärkte statt. Nach intensivem Umbau bietet die ELBA-Fabrik heute außergewöhnliche Arbeitsplätze, auf fünf Etagen sind mehr als 15 Unternehmen angesiedelt. Zwischen Stahlsäulen und Backsteinen hat die Firmengruppe Küpper für jeden Mieter individuelle Räume geschaffen und dem Gebäude verschiedene Gesichter verliehen. Dazu gibt es einen repräsentativen Empfang, Außenflächen direkt an der Wupper, eine hausinterne Gastronomie und Wuppertals größten Coworkingspace.

Während im heutigen ELBA Zukunftswerk „nur“ gearbeitet wird, vereinen die Königsberger Höfe im Stadtteil Wichlinghausen Wohnen und Arbeiten unter einem Dach. An der Wiescher Straße 11 hat die Firmengruppe Küpper einen großen Komplex entwickelt, der zwei Wohnhäuser an der Straße, zwei ehemalige Industrieimmobilien und mehrere kleinere Gebäude dahinter umfasst. Alle Bereiche sind vollständig saniert.

FertighausWelt Wuppertal

„Der Loft-Trend stammt ursprünglich aus New York“, weiß Sophie Blasberg von der Firmengruppe Küpper. Um Geld zu sparen wohnten Menschen in alten Fabriken und richteten die Räume ganz spartanisch ein. „Heute handelt es sich bei Lofts eher um eine luxuriöse Wohnform mit hohen Räumen, weiten Flächen und äußerst viel Platz.“ Alte Fabrikgebäude bieten vielfältige Möglichkeiten für besondere Grundrisse. Würde man diese heute neu bauen, wäre das äußerst teuer. „Das Gleiche gilt für das Material“, betont Sophie Blasberg. „Die Patina einer alten Backsteinmauer beispielsweise ist einzigartig und gibt Räumen eine ganz besondere Atmosphäre.“
        

Der industrielle Charme macht das Wohnen im Loft so beliebt. Foto: GettyImages-1134095260
Der industrielle Charme macht das Wohnen im Loft so beliebt. Foto: GettyImages-1134095260

Die Nachfrage nach Loft-Wohnen ist groß, doch die Entwicklung alter Fabrikgebäude zu modernen Wohn- und Arbeitsumgebungen ist aufwändig. „Wir schauen uns interessante Gebäude im Detail an und setzen uns intensiv mit der vorhandenen Bausubstanz auseinander“, zeigt die Expertin das Vorgehen der Firmengruppe Küpper auf. Dann geht es weiter mit Kostenkalkulation und Konzeption. „Es ist eine große Herausforderung, die alte Atmosphäre zu erhalten, aber den Komfort des modernen Wohnens und eine gute Nutzbarkeit zu erreichen.“ In der Regel muss eine vollständig neue Infrastruktur installiert werden, außerdem sind Auflagen zu Brandschutz und Energieeffizienz zu erfüllen. So entsteht innerhalb der alten Gebäudehülle ein vollständig neuer Lebensraum.

In Wuppertal gibt es noch eine Vielzahl an Fabriken, die sich für den Umbau eignen. „Die Industrialisierung begann in Wuppertal früher als im Ruhrgebiet“, weiß Sven Macdonald von der Wirtschaftsförderung Wuppertal. „Daher sind die Flächen noch kleinteiliger bebaut. Oftmals steht vorne an der Straße das Wohnhaus und dahinter die Shedhallen.“ Diese Räumlichkeiten lassen sich gut entwickeln. „Die ersten Lofts in alten Fabrikgebäuden entstanden bei uns in Wichlinghausen“, blickt Macdonald zurück. „Der Stadtteil zählte damals nicht zu den begehrtesten Wohngebieten, doch der Typus „Loftwohnen zog viele Menschen nach Wichlinghausen.“ Mittlerweile bringen auch die Entwicklung der Nordbahntrasse und des Bergischen Plateaus eine neue Klientel in den Osten Wuppertals.

Bis heute wurden viele Industrieflächen revitalisiert. So bietet die alte Bremme-Brauerei inzwischen schicke Mietlofts, in denen historische Elemente wie Säulen integriert wurden. Edle Warehouse-Lofts mit großen Grundflächen und hohen Decken gibt es auch in Wuppertal Barmen in der ehemaligen Bandweberei Müller&Eykelskamp. Offengelegtes Mauerwerk und unbehandelte Stahlträger erzählen von der langen Geschichte der ehrwürdigen Bauten und sorgen für eine ganz besondere Wohnqualität. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. „Es gibt noch viele Fabrikgebäude, die das Potenzial zu einem modernen Umbau haben“, betont Sven Macdonald. „Und die Nachfrage nach Lofts in Wuppertal ist weiterhin sehr groß.“ Brigitte Bonder