Ein Garten für alle Sinne

Der Sprockhöveler:Ein Garten für alle Sinne

Viele zieht es jetzt in die warmen vier Wände. Aber Martin Blaßl und Susanne Sperber sind täglich in ihrem Garten. Auch im Herbst ist dort viel zu tun.

Weinreben, Kräuter, Apfelbäume, eine bunte Blumenpracht und mittendrin Stute Conny – hinter dem urigen Fachwerkhaus an der Wuppertaler Straße öffnet sich eine grüne Oase. Sie ist das Reich von Martin Blaßl und Susanne Sperber. Und hier gibt es auch im Herbst noch reichlich zu tun. „Bis zum ersten Frost wächst immer noch etwas“, so der Sprockhöveler. „Erst dann wird abgeräumt.“

Der Umgang mit Lebensmitteln ist für die beiden Hobbygärtner deutlich mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Martin Blaßl war viele Jahrzehnte Koch aus Leidenschaft. Im Schwarzwald geboren stand Blaßl in vielen gehobenen Küchen hinter dem Herd, unter anderem auf Gut Höhne in Mettmann. So sehr der Gastronom seinen Beruf auch liebte – irgendwann verspürte er den Wunsch nach einem geregelten Arbeitsleben, das ihm Zeit für die Familie lässt. Und so verbrachte er die letzten 25 Jahre seines Berufslebens als Küchenchef in der Mensa der Uni Wuppertal und bescherte dort den Studenten einen Wandel vom Eintopf zu frischer Küche.

Die Leidenschaft für Frische ist dem Koch erhalten geblieben. Bis heute steht er gern in der Küche und erprobt neue Gerichte, verfeinert, schmeckt ab und interpretiert Altes neu. Essentiell ist immer die Qualität der Zutaten. Und die ist im eigenen Garten einfach unübertroffen. Immer an seiner Seite ist Lebensgefährtin Susanne Sperber. Beide lernten sich auf Gut Höhne kennen. Sie auf der Suche nach einer kreativen Aufgabe als Ausgleich zum damaligen Beruf – er als ihr Ausbilder.

Chemie kommt den beiden nicht ins Haus. Gedüngt wird ausschließlich mit Kompost. Und der scheint den teilweise auch exotischen Pflanzen äußerst gut zu bekommen. Allein im Gewächshaus baut das Team Blaßl/Sperber 20 verschiedene Sorten Tomaten an. Sie alle, darunter auch die violette Amethyst Jewel, haben ihren eigenen Charakter und Geschmack.

Auch im Kürbisbeet finden sich ungewöhnliche Sorten. Neben dem Muskatkürbis, – „einer der schmackhaftesten“, wie Martin Blaßl findet – und Golden Pumpkin – „dessen Schale kann man trocknen lassen und anschließend als Schälchen verwenden“ – wächst auch die armenische Tigermelone. Die handtellergroßen gelb-grünen Bällchen verströmen einen einzigartigen Duft und „schmecken zuckersüß.“ Sogar eine Bananenpalme wächst auf der rund 600 Quadratmeter großen Anbaufläche.

Während viele Gärten inzwischen schon einen recht trostlosen Eindruck machen, schaukeln an der Wuppertaler Straße noch unzählige bunte Blüten im Wind. „Sie bieten nicht nur Nahrung für Insekten“, so Blaßl, „sie sind alle essbar und werden als Dekoration genutzt. Das Auge isst ja bekanntlich mit.“ Der Garten ist allerdings viel mehr als Herstellungsort für Nahrungsmittel. „Es ist ein Erleben mit allen Sinnen“, so Susanne Sperber, die inzwischen als Psychologin arbeitet. „Blumen und Kräuter verströmen ihren Duft, man kann die Farben genießen und es erfüllt einen mit Dankbarkeit und Befriedigung, etwas Selbstangebautes zuzubereiten.“ Und: „Die Natur hilft in schweren Lebenssituationen. Tiere und Natur können einem viel beibringen.“ Neben der mentalen Erdung entwickelt das Kochen mit unbehandelten Zutaten die Geschmacksnerven völlig neu: „Die sind bei vielen Menschen völlig kaputt durch überwürzte Fertiggerichte“, so Susanne Sperber.

Das Wissen über den Garten wird auf Facebook und YouTube geteilt
Und so sind die beiden Sprockhöveler stets auf der Suche nach neuen Pflanzen und Rezepten. „Ich tausche mich mit anderen Gartenverrückten aus, tausche Saatgut und probiere einfach mal aus.“ Auch sein Wissen teilt Martin Blaßl sehr gerne auf Facebook oder auf seinem Youtube-Kanal. Und wenn die Pflanzen mal überreichlich Früchte produziert haben, dürfen sich Nachbarn und Freunde gerne ein paar abholen. Auch in grauen Herbsttagen hat der Garten noch reichlich zu bieten: „Im Moment ernten wir noch Kräuter, Fenchel, Bohnen, Kürbisse, Tomaten und Chili. Aber auch Kohl und Grünkohl wachsen noch.“ Auf den Teller kommt dann zum Beispiel Kürbistarte oder mit Hackfleisch gefüllter Mangold. Traurig sind die beiden nicht, wenn der Sommer zu Ende geht: „Auch vertrocknete Blüten haben eine ganz eigene Schönheit. Wenn wir mit offenen Augen durch die Beete gehen, sehen wir immer noch viele Insekten und Vögle, die von den Pflanzen profitieren.“ Der Winter ist kein Ende, finden die beiden. „Er ist vielmehr ein Neuanfang.“ Andrea Bindmann

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TIPPS
Wer einen Blick in den Garten werfen möchte, findet weitere Infos auf Facebook unter www.facebook.com/gartenundkochen/ oder auf Youtube, dort einfach Martin Blaßl eingeben. Dann gibt es sowohl Garten- als auch Rezepttipps zu finden.