Letzte Runde auf den Schienen

Der Sprockhöveler:Letzte Runde auf den Schienen

Das Ende der Saison wird im Dampfbahnclub traditionell mit dem Abdampf-Tag eingeläutet.

Schwarz glänzte die Ibbenbürner Kokskohle in den Eimern am Startpunkt des Dampfbahn-Parcours. Und Aloys Bauerdick, der Vorsitzende des Sprockhöveler DBC, füllte den fossilen Brennstoff immer wieder in seine Lok 99211 ein, die bereitstand, um die großen und kleinen Fahrgäste über das weitläufige DBC-Gelände zu kutschieren. Der 15. September war nämlich der letzte von sechs Fahrtagen, die der rührige Modellbahnclub in dieser Saison veranstaltete.

Und weil im Gegensatz zum vorigen Fahrtag im August die Sonne vom Himmel lachte, war das Publikumsinteresse schon um 11 Uhr recht groß. Die Fahrtage am Rande der Glückauf-Trasse Höhe Beermannshaus haben sich zu einer touristischen Attraktion entwickelt, die auch Gäste aus den umliegenden Städten nach Sprockhövel führt. Die Ersten am letzten Fahrtag nahmen dann auch auf den Bänken des Fahrgastwaggons Platz, ehe Fahrdienstleiter Rainer Münch die Pfeife ertönen ließ und Aloys Bauerdick seine gut gelaunte Fahrgastschar auf dem Bock seines kleinen „Dampfrosses“ mit auf die Kurzreise nahm. Eine besondere Freude war dabei die Fahrt über die von der Stadtsparkasse gestiftete „blaue Brücke Beermannshaus“, von der die Reisenden einen „imposanten“ Blick auf das DBC-Gelände haben.

Aber es waren natürlich auch noch andere Züge unterwegs, denn schließlich wurde der Andrang immer größer, und Schriftführer und Pressesprecher Robert Franz hatte in seinem Aushilfs-Job als Kassierer alle Hände voll zu tun, die vielen Fünfer-Karten zu acht Euro zu verkaufen. Nicht nur Mitglieder des Dampfbahnclubs Sprockhövel lassen ihre meist elektrisch betriebenen kleinen Prachtstücke über die mehr als 600 Meter Schienenstrecke kreisen. Auch Bahnliebhaber und -bastler aus anderen Clubs sind am Beermannshaus zu Gast. So wie Elektromeister Klaus Beckmann aus Hamm, der eine 08-475 Unimat gebaut hatte, die sich in strahlendem Gelb präsentierte.

Für Eisenbahnfans, die gern mal auf fremdem Gelände die Fahrtüchtigkeit ihrer Prachtexemplare testen möchten, und natürlich für die Mitglieder selbst, plant der Club für die kommende Saison die Installation einer Drehscheibe als Parkplatz für die „ruhenden“ Modelle. Eine gute Gelegenheit, den Besuchern ihre kleinen technischen Wunderwerke zu zeigen und zu erklären. Und sich auch mit den Kollegen auszutauschen .„Wir hoffen, dass wir das in den Wintermonaten schaffen. Die ersten Vorarbeiten für die Drehscheibe sind schon gemacht“, so Aloys Bauerdick. Zukunftsmusik, aber auch Anlass zur Vorfreude für die erwachsenen und kleinen Besucher wie den sechs Jahre alten Jasper, der mit Oma und Opa gekommen war und zu den ersten Fahrgästen zählte.

Ein „Routinier“ auf dem DBC-Gelände ist Julian mit seinen dreieinhalb Jahren. „Wir kommen regelmäßig zu den Fahrtagen“, verrät Mutter Konstanze Manz. Ein „wenig“ älter, aber mindestens ebenso begeistert ist Roland Heine (70) aus Wuppertal. Er ist 30 Kilometer von Vohwinkel aus über die Trasse geradelt und musste sich erst einmal stärken. Dazu war unter Baldachin und freiem Himmel ausreichend Gelegenheit: Kaffee, Kuchen, Würstchen, Getränke, alles zu sozialen Preisen, fanden reißenden Absatz. Wobei der Verkaufserfolg so umwerfend war, dass am frühen Nachmittag die Würstchen ausverkauft waren, aber noch weiterer Hunger auf Gegrilltes vom Rost bestand.

Da wusste die gleichfalls anwesende Miriam Venn von der Flüchtlingshilfe Sprockhövel Rat. „Wir haben noch Würstchen bei uns in der Kühlung. Die kann ich Euch zur Verfügung stellen“, so die hilfreiche Nachbarin, und so konnte auch der weitere Appetit gestillt werden. „Das zeichnet die Sprockhöveler Vereine aus: Wir helfen uns gegenseitig“, lobte Robert Franz und sah, wie der Rat „Bumenpflücken während der Fahrt verboten“ auf dem Waggon der BEM-Baldwin vom Bochumer Gast Eberhard Wuttke auch beachtet wurde. Ein launiger Spruch, der allerdings seine Berechtigung hat, wie Wuttke schilderte. „Meine Bahn, die im Original zu den australischen Zucker-Plantagen fährt, hat eine so schmale Spurbreite, dass sie umkippen kann, wenn sich die Fahrgäste zur Seite lehnen.“

Am letzten Fahrtag passierte indes nichts Unangenehmes. Im Gegenteil: „Der Besuch heute hat unsere Erwartungen über troffen“, freute man sich beim Dampfbahnclub Sprockhövel und richtete den Blick schon auf den 19. April 2020, wenn es am Beermannshaus von 11 bis 17 Uhr wieder heißen wird: „Andampfen“, so heißt der Auftakt der sechs Fahrtage, die dann am 20. September 2020 wieder enden werden. Dann mit der neuen Drehscheibe als neuer Attraktion. Friedemann Bräuer