Spielespektakel für Kinder

Der Sprockhöveler:Spielespektakel für Kinder

Seit 1954 wird am 21. September der Weltkindertag gefeiert. In Sprockhövel fand das Spektakel an der Sporthalle Haßlinghausen statt.

War das ein fröhliches Gewimmel in und vor der Sporthalle in Haßlinghausen am Samstag, 21. September, dem 1954 von den Vereinten Nationen geschaffenen Weltkindertag des UN-Hilfswerks. Die Stadt Sprockhövel und der Stadtmarketing- und Verkehrsverein hatten dazu eingeladen. Spätsommerliches Kaiserwetter herrschte, als Bürgermeister Ulli Winkelmann das muntere Treiben um 14 Uhr eröffnete und an rund 35 Aktionspunkten unterschiedlichster Art der lebhafte Betrieb begann.

Wer das Gelände vor der Halle betrat, dem kamen kleine Rennfahrer auf ihren umweltfreundlich und per Fuß betriebenen Kettcars auf vier und drei Rädern entgegen. Manche waren auch mutig genug, die auf der Piste eingebaute Sprungschanze zu nutzen und den Parcours mit kühnem Schwung zu umrunden. „Die Förderschule Hiddinghausen macht seit Jahren mit und stellt auch diese Fahrzeuge zur Verfügung“, erklärte Peter Schröder vom Jugendamt der Stadt Sprockhövel, der das Fest koordinierte und eine gute Hand beim Zusammenstellen des Programms hatte.

Direkt an den Kettcar-Parcours anschließend hatte Frank Olbrich, der ansonsten für das wieder einmal bestens frequentierte Trampolin-Bungee zuständig war, einen wahren Hit auf Lager. Drei elektrisch betriebene Autos, die per Fernsteuerung von den am Rand sitzenden Eltern bewegt wurden. „Ein echter Hammer“, befanden die Zusehenden, und Vater Philipp hatte seine Freude daran, Töchterchen Sophia um die Runde zu lenken. Bei einem anderen Mädchen hatte die Mutti das Steuerungsgerät noch nicht so richtig im Griff, wohl den falschen Knopf gedrückt, und die kleine Pilotin rammte die Umrandung. Jedoch ohne Schaden für Menschen und Material.
   

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Dass Raketen auch ohne gigantischen finanziellen Aufwand, wenn auch nicht ganz, in die Umlaufbahn geschossen werden können, machte man an einer anderen Stelle deutlich. Die Abschussbasis wurde nämlich von den Jüngsten durch einen Sprung auf eine aufgepumpte Wärmflasche aktiviert. Von dort trieb der gepresste Luftstrom per Schlauch die Rakete an, und ab ging es in die Atmosphäre. Auf jeden Fall umweltschonend, wenn auch noch nicht so effektiv, dass die Abschussbasen im Cap Canaveral oder British Guyana sich vor der Konkurrenz in Haßlinghausen fürchten müssten.

Gleichfalls draußen gab es eine kleine Open-Air-Bühne, auf der der tanzfreudige Nachwuchs Arme und Beine fliegen ließ und vielfachen Beifall herausforderte. „Jungle active“ hieß die riesige Hüpfburg, in der die Größeren der Kleinen nach Herzenslust toben konnten. Malen, Kinderschminken: Im Grunde gab es alles, was das Herz begehrt schon im Freien. Aber wer in die Sporthalle kam, der fand noch etliche Stationen bester Unterhaltung vor. So bei den Wave Boards, einer schwierigen Variante der Skate Boards auf nur zwei Rädern, bei denen Peter Schröter vom Jugendamt bei den ersten Schwüngen Hilfestellung leistete. Doch die die Mädels und Jungs kurvten schon nach kurzer Zeit im Kreis und bewiesen durch ihre Begeisterung, dass auch damit der Geschmack der Jung-Sprockhöveler getroffen worden war.

Ein „Sinnesmemory“ bot die Lebenshilfe an, nämlich Möglichkeiten, seine fünf Sinne Schmecken, Riechen, Hören, Sehen und Fühlen zu testen. „Bei fast allen funktioniert alles“, hörten wir ein zufriedenes Fazit. Das fiel beispielsweise an der Fußball-Station nicht ganz so begeistert aus. Da musste nämlich nicht nur die Schusshärte und Geschwindigkeit unter Beweis gestellt werden, sondern auch die Ballbeherrschung auf dem kniffeligen Dribbel-Parcours. Schließlich ist nicht jeder beziehungsweise jede ein neuer Messi.

Ansteckende Fröhlichkeit strahlten die Mitarbeiterinnen des Kindergarten Kaz aus, wo die junge Praktikantin Pheline Irmisch die sorgsam abgesicherte Hüpfburg hütete, in der die Null- bis Dreijährigen ihre ersten Hops-Erfahrungen machen konnten. Ähnliches war auch beim Märkischen Reitund Fahrverein möglich. Allerdings weniger beim Herumhüpfen, sondern bei der Balance auf dem Rücken eines Voltigierpferdes. Jedoch hatten die Helfer des Reitvereins kein leibhaftiges Pferd mit in die Halle gebracht, sondern einen „Voltigierbock“, der sich als noch geduldiger erwies als die gutmütigen Vierbeiner, auf denen die jungen Sportlerinnen, denn meist waren es Mädchen, bei Training und Wettkämpfen herumturnten.

Sport und Spiel sind gut und schön, aber ein wenig anspruchsvollere Kultur tut auch gut. Und zwar in Gestalt der Musikschule Sprockhövel. Die Damen um Sabine van den Bosch hatten mit Waldhorn, Querflöte, Geige, Cello, Klarinette, Akkordeon sowie den Djembes (Trommeln) Übungsmöglichkeiten für ein ganzes Orchester mitgebracht, und es zeigte sich schon recht schnell, dass durchaus Interesse für die Instrumente und ihre wohlklingende Bedienung bestand. „Aber die Kinder haben heute bis zum Nachmittag Schule und dann kaum noch Zeit ein Instrument spielen zu lernen“, brachte die Musiklehrerin das heutige Nachwuchsproblem in nahezu allen außerschulischen Bereichen auf den Punkt.

Einen Kritikpunkt auf allerdings hohem Niveau brachte noch Peter Schrter an: „Das Wetter war heute so gut, dass mir manche Eltern gesagt haben, dass sie lieber mit ihren Kindern im Garten bleiben wollten“, merkte Schröter trotz des sehr guten Besuches an und fügte schmunzelnd hinzu: „Gut, dass wenigstens das Freibad schon geschlossen hat.“ Friedemann Bräuer