Neue Räume im „MachMit“

Der Sprockhöveler:Neue Räume im „MachMit“

Der Flüchtlingstreff in Haßlinghausen wurde Ende des Jahres um zwei Räume erweitert. Mit einem fröhlichen Fest wurden diese eröffnet.

Bunte Luftballons und ein fröhlich gestalteter „MachMit“-Aufsteller kündigten am Ende des vergangenen Jahres deutlich an, dass es in der Mittelstraße 67 in Haßlinghausen etwas zu Feiern gab: Die drei vorhandenen Räume des Flüchtlingstreffs waren um zwei weitere im selben Haus erweitert worden. Das Ladenlokal nebenan, in dem ein Sicherheitsdienst gearbeitete hatte, war frei geworden, und dank großzügiger Spenden und dem finanziellen Zuschuss aus der EN-Krone des Versorgungsunternehmens AVU war es der Flüchtlingshilfe Sprockhövel möglich, die neuen Räume wohnlich und zweckmäßig einzurichten.

Ein gemütlicher Gesellschaftsraum und ein funktionaler Schulungsraum erweitern auch die Möglichkeiten der 2015 gegründeten Flüchtlingshilfe und des seit 2017 existierenden Fördervereins, der auf zahlreichen Gebieten wirkt und einen erheblichen Beitrag zur Integration der geflüchteten Menschen aus Syrien, dem Irak, dem Iran, Afghanistan, Eritrea, der Mongolei, China und vielen anderen Ländern leistet, in denen Menschenrechte nicht viel gelten.

Die Traumata der Vergangenheit waren für ein paar Stunden vergessen, als die Sprockhöveler zusammen mit den Neubürgern feierten und sich freuten, als Miriam Venn, die viele der Veranstaltungen koordiniert, eine große quadratische Torte anschnitt. Die Kuchenstücke verteilte Banas Walyahmad aus dem Irak, während Diallo Sarafou Diallo aus Guinea den Kaffee servierte.

Hatten gemeinsam viel Spaß beim Basteln von Freundschaftsarmbändern bei der Eröffnungsfeier der neuen Räume der Flüchtlingshilfe (v.l.): Gholami (7), Rosi Prigge und Sara (9). Fotos (2): Stefan Fries
Hatten gemeinsam viel Spaß beim Basteln von Freundschaftsarmbändern bei der Eröffnungsfeier der neuen Räume der Flüchtlingshilfe (v.l.): Gholami (7), Rosi Prigge und Sara (9). Fotos (2): Stefan Fries

Rund 300 ehrenamtliche Helfer sind derzeit bei der Flüchtlingshilfe engagiert, und viele davon sind selbst Geflüchtete. „Die Menschen helfen gern mit und haben auch ein Mitspracherecht bei unseren Veranstaltungen“, sagte Miriam Venn. Sie ließ als Teil des Eröffnungsprogramms die Geschichte der Flüchtlingshilfe Revue passieren und nur anfänglich eher verhaltene Mithilfe der Stadt Sprockhövel.

„Nach einem Aufruf haben sich schon 2015 viele ehrenamtliche Helfer zur Verfügung gestellt“, erinnerte sich Miriam Venn. Sie wie auch die vielen Gäste zeigten eine ansteckende Fröhlichkeit und Herzlichkeit, die deutlich machte, dass Helfen auch persönliche Freude bereiten kann. Die ein oder andere Spannung habe abgebaut werden können, so Venn.

Geradezu liebevoll begrüßten sich die Gäste gegenseitig, während der 15 Jahre alte Artyom Melikyan aus Afghanistan auf dem Klavier muntere Klänge beisteuerte und man neben der prächtigen Torte auch Exotisches wie tadschikisches Fingerfood und andere Leckereien aus fernen Ländern genießen konnte.

Den heiteren Mienen war anzusehen und den Worten zu entnehmen, dass sich die Neubürger in Sprockhövel wohl fühlen. Was letztlich auch die Attraktivität Sprockhövels unterstreicht. „Wenn Familienmitglieder hier eine neue Heimat gefunden haben, dann wollen woanders untergebrachte Angehörige nach der Karenzzeit möglichst auch hierhin ziehen“, verriet Miriam Venn und ergänzte, dass im Förderverein auch viele ausländische Mitglieder seien. „Der Beitrag kostet zwölf Euro pro Jahr. Den haben wir bewusst so gering gehalten, dass ihn sich nahezu jeder leisten kann.“

Die Aktivitäten der Flüchtlingshilfe sind vielfältig und umfassen unter anderem die Arbeits- und Wohnungsvermittlung, Begleitung in der Ausbildung, Hilfe bei Bewerbungen, die Beratung im Asylverfahren, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen und Unterstützung bei Gängen zu Behörden und Arztpraxen.

Aber auch Kurse in Deutsch, Englisch, Arabisch und Mathematik, PC-Kurse und Übersetzungshilfe, Nähen, Malen, Kochen, Gärtnern und natürlich auch Spieletreffs sowie Sport gehören zum Programm.

So leitete etwa Sandra Hoven Schwimmkurse für geflüchteten Menschen. Präsenz bei den zahlreichen Stadtfesten und anderen Veranstaltungen der Stadt seien ebenfalls selbstverständlich. Nicht zu vergessen auch der Zugang zur Kleiderkammer in Niedersprockhövel, wo Lasse Lemm und sein Team bemüht sind, für jede und jeden das Passende zu finden.

„Everybody smiles in the same language“ (deutsch: Jeder lächelt in derselben Sprache) stand auf einem Plakat im nun erweiterten Domizil der Flüchtlingshilfe, und am Eröffnungstag war im Haus an der Mittelstraße 67 deutlich zu merken, dass alle in derselben Sprache lächelten. Auf eins legten die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer allerdings großen Wert: „Alle unsere Möglichkeiten stehen den einheimischen Menschen ebenso zur Verfügung wie den Neubürgern. Unsere Tür steht für jeden offen, und uns ist jeder willkommen.“ Was natürlich auch für zukünftige Helfer gilt, denn schließlich steht nicht umsonst „MachMit“ an der Eingangstür. Friedemann Bräuer
  

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Mittelstraße 67
45549 Sprockhövel
fluechtlingshilfe-sprockhoevel.de