Sommerfest der Nationen der Flüchtlingshilfe Sprockhövel

Der Sprockhöveler:Sommerfest der Nationen der Flüchtlingshilfe Sprockhövel

Internationales Fest bot Gelegenheit zum Kennenlernen.

Über dem Hof des Martin-Luther-Hauses hebt und senkt sich ein regenbogenfarbenes Tuch. Ein Ball soll daran gehindert werden, auf den Boden zu fallen. Gemeinsam gelingt es. So kunterbunt die Gäste des Sommerfestes der Nation sind – eines ist schnell klar: Hand in Hand lässt sich so einiges erreichen.

Die Organisatoren machen es vor. Gemeinsam stellen Flüchtlingshilfe, Kirchengemeinden und Vereine ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine. Tänze, Musik und Spiele sollen Brücken zwischen den Besuchern bauen, zum Gespräch und nicht zuletzt zum Kennenlernen anregen.

Mittendrin im Trubel befinden sich Baro Celik und seine Familie. „Ich bin Kurde“, sagt er nicht ohne Stolz. Sein Sohn probiert nacheinander alle Angebote aus und hat sichtlich Spaß. „Manchmal ist er noch schüchtern, dann müssen wir ein wenig nachhelfen.“ Gehört hat er von dem Fest bei der Flüchtlingshilfe. Er will die Gelegenheit nutzen, um vor Ort für einen Angehörigen nach den Modalitäten eines Asylantrags zu fragen. Baro Celik kennt Miriam Venn von der Flüchtlingshilfe schon länger und ist voll der Bewunderung: „Was sie alles auf die Beine stellt – toll.“

Wie zum Beweis animiert Miriam Venn derweil Kinder zum Singen und Tanzen. Während einige Jungen und Mädchen noch mit den Worten kämpfen, sind andere mit Feuereifer dabei. Den Eltern, die die illustre Runde umzingeln und Erinnerungsfotos machen, zaubert das bunte Treiben ein Lächeln aufs Gesicht. Und peu à peu reihen auch sie sich in den Tanz mit ein.

Ringsherum um den Platz vor dem Gemeindehaus entspinnen sich zaghafte Gespräche unter den Besuchern. Wenn es mit Worten nicht mehr weitergeht, dann eben mit Händen und Füßen. Viele ausländische Besucher werden nach ihrer Geschichte gefragt, zeigen Fotos aus einem früheren Leben. Es dauert selten lange, bis das Eis gebrochen ist.

Im Innenraum sitzen Ekaterina und Saleha einträchtig nebeneinander und knüpfen Freundschaftsbänder. „Wir kannten uns bisher nicht“, erklären die beiden Mädchen. Das hindert sie nicht daran, die Stoffbänder Knoten um Knoten wachsen zu lassen, sich gegenseitig Tipps zu geben und so ganz nebenbei zu berichten, woher sie kommen. Ebenso geht es Suzan und Ina, die ebenfalls ihr Herz für die bunten Bänder entdeckt haben und vielleicht gerade an einer Freundschaft knüpfen.

Die Kinder und Jugendlichen haben augenscheinlich die geringsten Probleme, Neues auszuprobieren. Sie laufen auf Stelzen, toben in der Hüpfburg, spielen Vier gewinnt oder lassen sich am Schminktisch in Fantasiewesen verwandeln. Bei einigen Spielgeräten helfen die Organisatoren. Schließlich ist man ja nicht alle Tage auf einem Pedalo unterwegs.

Auch Viktoria und ihre kleine Schwester Katharina haben ihren Spaß am Programm. Sie hangeln sich von Station zu Station. Nächstes Ziel sind die Ponys. Stolz drehen sie auf dem Rücken der Tiere eine Runde über den Platz. Kinderspiel: „Wir haben schon mal auf einem Pferd gesessen.“ Von dem bunten Treiben haben die beiden Mädchen noch lange nicht genug. Bevor weiter getobt wird, ist eine Stärkung fällig: „Ich möchte jetzt ein Eis“, verkündet Katharina und pilgert mit ihrer Familie im Schlepptau zur nächsten Station.

Bis in den späten Abend feiern die Sprockhöveler ihr Fest der Nationen und spinnen auf diese Weise zarte Bande neuer Freundschaften. Andrea Bindmann