Unser Servicethema: Ohne Frust durch den Frost

Fahrspaß :Unser Servicethema: Ohne Frust durch den Frost

Der nächste Winter kommt bestimmt. Vielleicht sogar schon eher als man denkt. Darum sollte das Auto möglichst schnell fit gemacht werden für die kalte Jahreszeit.

Noch herrschen draußen recht angenehm warme Temperaturen, doch der nächste Winter naht unaufhörlich. Na ja, was man hierzulande Winter nennen kann, denn mit spiegelglatter Fahrbahn und Schnee hatten Autofahrer in den letzten Jahren im Rheinland seltener zu kämpfen. Aber allem Zweckoptimismus zum Trotz, auch 2020/2021 wieder davonzukommen, führt kein Weg daran vorbei, das Auto möglichst frühzeitig fit für den Winter zu machen. Denn Temperaturen unter Null drohen allemal, und dann kann es haarig werden auf Deutschlands Straßen. 

Die Scheibenwischerdüsen eingefroren, die Batterie leer, kein Frostschutz im Kühlwasser – der Winter hält für Autofahrer manch böse Überraschung bereit. Wer sich jetzt allein auf die Kontrollsysteme an Bord verlässt, hat in der kalten Jahreszeit mit einem schlecht gewarteten Fahrzeug schnell verloren. „Eine kleine Inspektion erspart viel Frust im Frost“, bittet das Deutsche Kfz-Gewerbe zum Check. Den Anruf in der Werkstatt sollte man nicht auf die lange Bank schieben, denn je mehr Zeit ins Land geht, umso enger wird es mit einem Wunschtermin in der Werkstatt. Mehr über Diagnosen und Prophylaxen:

PRECKEL GmbH & Co. KG

Diagnose: falsche Bereifung

Gletscherschmelze hin, kurze Winter her – wir werden trotz aller Diskussion um eine Erderwärmung mit Schneeglätte und -matsch, Eis- oder Reifglätte rechnen müssen. Winterreifen sind angesagt. Dennoch gehört diese Umstellung in Deutschland nicht für alle Autofahrer dazu, um das Auto winterfest zu machen. Das hat eine Innofact-Umfrage ergeben. Nur etwas mehr als drei Viertel (77 Prozent) tauschen sie aus. Dabei kennt der Gesetzgeber kein Pardon und ahndet Sünder bei Verstoß mit teils erheblichen Strafen. Neben Bußgeld droht auch ein Eintrag in die Flensburger Verkehrssünderkartei. Winterreifenpflicht punkten mit einer Top-Traktion, kurzen Bremswegen und guter Kurvenlage. Wie aber sieht der perfekte Winterreifen aus? Wann und wo muss er rollen? Und worauf müssen Autofahrer sonst noch alles achten?

Spätestens im Oktober sollten die Kälte-Pneus aufgezogen werden. Seit 2018 produzierte Winterreifen und wintertaugliche Ganzjahresreifen müssen das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) auf der Flanke tragen. Für ältere Modelle gibt es bis 2024 eine Übergangsfrist. Die M+S-Kennzeichnung läuft bis dahin aus.

Wichtig für Winterurlauber in Europa: Einige Nachbarn wie Österreich, Italien, die Slowakei, Tschechien, Serbien oder die Schweiz machen Winterreifen unter bestimmten Bedingungen zur Pflicht. Auch hier kann der Autofahrer teils erheblich zur Kasse gebeten werden. Automobilklubs haben die Informationen.

Im Winter ändert sich der Reifendruck. Je tiefer die Temperaturen sinken, desto dichter wird die Luft, desto weniger Reifendruck steckt im Pneu. Die Folge: Dieser sinkt und damit die Verkehrssicherheit. Reifenexperten empfehlen deshalb, den Druck im Winter um 0,2 Bar zu erhöhen. Dass er besonders bei Temperaturstürzen regelmäßig kontrolliert werden sollte, versteht sich von selbst und macht auch Sinn, senkt ein optimaler Luftdruck doch den Verschleiß und damit den Kraftstoffverbrauch.

Fahrspaß Online - Sie finden diese Ausgabe auch unter wz.de/fahrspass
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Ebenso wichtig sind Profiltiefe, Reifenalter (maximal sechs bis acht Jahre) und Reifenzustand (keine Risse, Beulen oder andere Schäden). Die Prüfung mit einer Euromünze kann schon einen ersten Anhaltspunkt geben, wie es um die Tiefe bestellt ist. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe beträgt auch für Winterreifen 1,6 Millimeter. Der ADAC empfiehlt aus Sicherheitsgründen jedoch mindestens vier Millimeter.

Viele Werkstätten bieten den Reifenwechsel an Aktionstagen oder während des Winter-Checks mit an. Wenn es nötig ist, werden die Pneus ausgewuchtet, in der Regel alle zwei Jahre. Bevor die Winterreifen aufgezogen werden, lohnt ein Blick auf deren Zustand. Gibt es Risse, Beulen, eingefahrene Nägel? Manche Reifen haben auch schon ihre beste Zeit hinter sich. Reifenprofis geben den Pneus sechs bis acht Jahre. Dann werden sie porös, verlieren Profil und Grip. Immerhin rangierten defekte Reifen 2018 auf Platz vier der ADAC-Pannenstatistik. Die beste Sicht auf die Schlappen bietet die Hebebühne in der Werkstatt.

Auf falsche Bereifung reagieren die Versicherer äußerst allergisch. Sind Autofahrer bei Winterwetter mit Sommerreifen unterwegs, riskieren sie im Schadensfall, dass die Kaskoversicherung wegen grober Fahrlässigkeit ihre Leistungen deutlich kürzt. Darauf macht der Bund der Versicherten aufmerksam. Wer solche Kürzungen vermeiden will, sollte beim Abschluss der Kaskoversicherung darauf achten, dass der Versicherer auf den Einwand der grob fahrlässigen Herbeiführung eines Versicherungsfalls verzichtet. Denn dann zahlt der Versicherer Schäden am eigenen Auto in der Regel zu 100 Prozent. Schäden an anderen Fahrzeugen oder Personen reguliert hingegen die Kfz-Haftpflichtversicherung, informiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Normalerweise kommt sie also für Schäden der Unfallopfer auf - und zwar auch dann, wenn der Verursacher mit Sommerreifen gefahren ist.

Wohin mit den Sommerreifen? Gegen Gebühr gewähren viele Fachhändler den Rundlingen Obdach. Bei ihnen werden sie fachgerecht gelagert, dort können sie nicht stören. Wer aber seine gereinigten und auf Schäden geprüften Räder in Eigenregie überwintern lassen will, sollte einen trockenen, kühlen und dunklen Raum suchen, rät die Sachverständigenorganisation Dekra. „Die Hersteller setzen Reifen zwar Mittel gegen Alterung zu, doch altern die Reifen schneller, wenn sie Feuchtigkeit, UV-Strahlung, Ozon und Wärme ausgesetzt sind“, äußert sich Dekra-Reifensachverständiger Christian Koch.
      

Ebenfalls Gift für die Pneu-Gesundheit sind Kraftstoffe, Öle, Farben, Fette und andere Chemikalien. Sie greifen die Reifen an. Auch Maschinenräume sind kein gutes Quartier. Elektromotoren, Transformatoren und Schweißgeräte setzen Ozon frei, erklärt Dekra, das sei für Reifen schädlich. Reifen ohne Felge kann man stehend aufbewahren - dann sie aber einmal im Monat etwa eine Viertel Drehung bewegen. Auf Felge aufgezogen, kann man sie hingegen liegend lagern und übereinander stapeln. Um die Reifen zu entlasten, bieten sich für die Lagerung auch Felgenbäume oder spezielle Wandhalterungen an.

Was ist denn mit den Winterreifen, die zwar nicht mehr für den nächsten Winter taugen, die aber noch mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen 1,6 Millimeter Restprofil haben? Auch dann sollten Autofahrer nach Angaben des TÜV Süd besser darauf verzichten, sie für den Sommer zu nutzen. Die Fahrsicherheit verschlechtert sich deutlich. Die Bremswege werden länger, und die Kurvenhaftung sinkt. Auch das Risiko des Aufschwimmens auf nasser Straße steigt mit Winterreifen, die nahe an der Profilgrenze stehen.

Zudem ist der Verschleiß größer. Gummimischungen für den Winter sind viel weicher als solche für den Sommer. So wäre abhängig von der Laufleistung auch fraglich, ob die Reifen nicht sehr schnell selbst das gesetzliche Minimum von 1,6 Millimeter unterschreiten.

Wer den saisonalen Wechsel scheut, kann über Ganzjahresreifen nachdenken. Das gelte in erster Linie für alle, die nicht bei extremen saisonalen Bedingungen, wie stark winterlichen Straßen oder extrem heißen Sommertagen fahren müssen. Denn in solchen Fällen sind jeweils reine Winter- und Sommerreifen den Ganzjahresreifen immer noch überlegen, so der TÜV Süd.

Diagnose: schlappe Batterie

Der Klassiker: Nach der Sommerhitze steigt beim ersten Frost die Batterie aus. Nach wie vor ist ein schlapper Akku laut ADAC mit rund 40 Prozent Pannenursache Nummer eins. Autofahrer können sich vor dem Werkstatt-Check schon selbst ein Bild vom Zustand des Stromspenders machen: Bleibt das Fahrlicht nach dem Einschalten im Dunkeln nicht gleichbleibend hell, schwächelt der Akku. In der Werkstatt werden Kaltstartleistung und Spannung geprüft, Pole geputzt und gefettet, notfalls wird die Batterie ausgetauscht.

Ein kleines Ladegerät sorgt während der Wintersaison dafür, dass die Batterie stets mindestens 12,5 Volt liefert. Wurde sie einmal tiefen entladen, hat sie meist für immer den Knacks ihres Batterielebens mitbekommen. Und nicht vergessen: Viele Kurzstrecken und Verbraucher zehren unnötig am Stromspender.

Diagnose: gefrorene Flüssigkeiten

Ins Kühlwasser gehört jetzt Frostschutz, der den Wasserkreislauf des Motors bis mindestens minus 25 Grad Celsius am Laufen hält. Er schützt vor Kalkablagerungen, Rost und dem Einfrieren des Kühlwassers. Die Werkstatt prüft den Gefrierpunkt und füllt notfalls den Frostschutz auf.

Auch das Wischwasser verträgt jetzt die nötige Portion bis mindestens minus 20 Grad Celsius. Nur so bleiben Wischerdüsen und Scheibe während der Fahrt bei Schnee, Matsch und Schmutz frei. Bei der Gelegenheit werden die Scheibenwischer akribisch unter die Lupe genommen und eventuell ausgetauscht. Schlieren während der Fahrt nerven und behindern gefährlich die Sicht.

Tipp: Vor der Abfahrt die Scheibenwaschanlage betätigen – so gelangt der Frostschutz an die kälteempfindlichen Düsen.

Diagnose: mangelhaftes Licht

Spätestens jetzt sollte den Autofahrern ein Licht aufgehen: Ohne funktionierende Beleuchtung ist in der dunklen Jahreszeit kein sicheres Ankommen. Jedes dritte Fahrzeug war 2018 mit mangelhaftem Licht unterwegs, ergab der jährliche Licht-Test von Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe und Deutscher Verkehrswacht. Schon ein kleiner Rundgang ums Auto zeigt bei eingeschaltetem Abblendlicht und Warnblinkanlage Mängel. Helle Autofahrer nutzen im Oktober den Licht-Test und lassen Scheinwerfer und Leuchten überprüfen, richtig einstellen und Lampen gegebenenfalls tauschen: Arbeiten, die nur mit dem Know-how der Werkstatt erledigt werden können.

Diagnose: keine Helfer an Bord

Mit Handfeger, Enteiserspray/Eiskratzer, Türschlossspray (in der Jacke), Starthilfekabel, Antibeschlagtuch, warmer Decke und Abdeckfolie für die Frontscheibe kommt selbst bei Schneegestöber und klirrender Kälte kein Frust auf. Prophylaktisch sollten Autofahrer vor dem Winter auch Türgummis und -schlösser mit speziellen Pflegemitteln behandeln.