Ein Fest für Autofans

Fahrspaß

Ein Fest für Autofans

Die Monterey Autoweek mit ihren zahlreichen Events rund um die Luxusenklave von Pebble Beach zeigt, wie begeisternd Autos sein können – egal ob sündhaft teuer, rottende Schrottkiste, brüllender Bolide oder surrendes Elektroauto.

Weltspiegel Monterey Autoweek Pebble Beach 2021

So eine Veranstaltung bräuchte man auch in Europa. Knapp eine Woche kommen Zehntausende von Autofans vermeintlich aus der ganzen Welt, um dem Auto zu huldigen und allem, was damit zu tun hat. Die Monterey Autoweek ist dabei eine Veranstaltung wie keine andere – ein Fest für die automobilen Sinne. Egal ob Nobelevents wie der abschließende Concours d’Elegance mit seinen millionenteuren Klassikern auf der Anschlussbahn eines der bekanntesten Golfplätze der Welt, der Schrottkistentreff Concours de Lemons von Seaside, Legends of the Autobahn, Concorso Italiano, der inoffizielle Höhepunkt The Quail als die wohl exklusivste Autoveranstaltung der Welt oder die zahllosen Versteigerungen. Die Monterey Autoweek, jedes Jahr abgehalten in der dritten Augustwoche, muss man als Autofan einmal gesehen haben.

Preckel Automobile GmbH

Ein gigantisches Spektrum

Nach der coronabedingten Absage im vergangenen Jahr war die Nachfrage zu den zahlreichen Programmpunkten in dem Dreieck aus Laguna Seca, Monterey und Pebbe Beach diesmal größer denn je. Doch die Veranstalter mussten auf die Bremse treten und die Events luftiger und organisierter als in den Jahren zuvor durchführen. Das klappte mit Ausnahme der bisweilen überfüllten Versteigerungen, einem ungewohnt blassen Legends of the Autobahn und der überlaufenen Abschlussveranstaltung am Sonntag prächtig. Auch wenn die Corona Pandemie die USA und Kalifornien fest im Griff hat, war die Stimmung prächtig, und die Fans kamen aus dem ganzen Land. Aufgrund der strikten Einreisebeschränkungen mussten jedoch diesmal viele internationale Fans draußen bleiben – doch der Stimmung tat das kaum einen Abbruch.

Das Spektrum der Veranstaltungen ist in Pebble Beach gigantischer denn je. Hier enthüllen Lamborghini, Audi, Bugatti, Aston Martin oder Bentley ihre neuesten Kreationen, während sich ein paar Meilen weiter Fans italienischer Sportwagen treffen und leckersten Espresso schlürfen oder sich die größten Klapperkisten am Rathaus von Seaside ein Stelldichein geben. Mercedes gibt seinen besten Kunden hinter verschlossenen Türen einen geheimen Ausblick auf den kommenden SL oder zeigt spektakuläre Einzelstücke wie den 1952er 300 SL „Hobel“. Pininfarina und Rimac stellen ihre eng verwandten und jeweils über 1.900 PS starken Elektroraketen auf die Bühne, und auf einer Wiese vor den Toren von Monterey treffen sich die Freunde der legendären VW Bullys. Kyle ist mit seinem dunkelblauen Ferrari F 430, der eigentlich ein umgebauter Toyota Celica von 2001 ist, eigens aus Ohio angereist und wienert auf der Fanmeile Cannery Row seinen Bastelboliden. „Ich habe mir das Replica extra vor vier Wochen für 25.000 Dollar gekauft“, lächelt der Autofan, „fast fünf Tage bin ich aus Ohio hierhergefahren. Ich wollte den Wagen einfach zeigen.“ Ein paar Meilen weiter freutsich Firmeninhaber Mate Rimac, das bald die Übernahme von Bugatti ansteht: „Wir haben hier einige Autos verkaufen können“, lächelt der Kroate. Per Svantesson, CEO von Automobili Pininfarina ist ebenso zufrieden: „Endlich können wir unseren amerikanischen Interessenten den fertigen Battista zeigen. Die Nachfrage ist größer denn je.“

Überdimensionales Event

Es ist auch in diesem Jahr einmal mehr die Atmosphäre, die den Unterschied macht. Die Monterey Autoweek ist keine langweilige Messe für ein spezielles Publikum. Es ist vielmehr die offene Messe des dritten Jahrtausends – ein überdimensionales Familienfest, bei dem für jeden Autofan etwas dabei ist. BMW 2002, Audi 200 oder Mercedes 560 SEL gibt es bei Legends auf Autobahn ebenso zu bewundern wie brüllende Boliden auf der nahegelegenen Rennstrecke von Laguna Seca, die die Corkscrew Corner herunterdonnern. Erfahrene Größen aus der internationalen Wirtschaft bekommen am Sonntagmorgen schweißnasse Hände, wenn der heiß geliebte Klassiker bei der Dawn Patrol auf den Rasen des Concours d’Elegance fährt, um dann von den Juroren unter die Lupe genommen zu werden. Eine Plakette steigert den ohnehin stattlichen Wert ins unermessliche. Sieger in diesem Jahr beim Höhepunkt von Pebble Beach mal wieder ein Vorkriegsauto: der Mercedes 540 K Autobahn Kurier aus der Keller Kollektion von 1938. Nicht nur für Motorsportfans ein Höhepunkt am Schlusstag: die Sonderausstellungen zu 50 Jahre Porsche 917, der Carrera Panamericana oder zu ebenfalls einem halben Jahrhundert Lamborghini Countach. Perfekt, dass Lamborghini-CEO Stephan Winkelmann gleich noch eine Neuauflage des Countach enthüllen konnte – 112 Modelle für jeweils mehr als zwei Millionen Euro und damit gerade einmal halb so teuer wie der Bugatti Bolide. Und wohl keiner der Porsche 917 Rennwagen wäre hierfür zu erstehen.

Waren es einst nur Klassiker, die den Ton rund um die Halbinsel von Pebble Beach angaben, so stellen längst viele Autohersteller ihre neuesten Modelle vor, während ein paar Meter weiter Vorkriegsmodelle und Einzelstücke von Kleinserienherstellern über den Tisch gehen. Viele Events kosten keinen Eintritt – für andere Veranstaltungen kosten Tickets bis zu 1.000 Dollar – bei endlos langen Wartelisten. Doch die Stimmung ist überall gleichermaßen einzigartig, entspannt und so autoverliebt, wie es wohl nur in den USA funktionieren kann. Millionenschwere Sammler schauen sich Klapperkisten am Straßenrand an, diskutieren bis tief in die Nacht mit Nachwuchsfans und lassen Fans ohne Bauchschmerzen mit ihren Lieblingen eine Runde drehen. Abends geht es bei RM Sotheby’s, Goodings oder Mecum um wertvolle Klassiker aus mehr als hundert Jahren Automobilgeschichte, ehe man zu den exklusiven Parties in den Villen fährt.

Stefan Grundhoff; press-inform