Nachzügler

Fahrspaß 11/2019:Nachzügler

Der neue Macan Turbo ist prächtig motorisiert; doch das Leistungsdefizit zur Konkurrenz ist überraschend groß. Das kann man vom Fahrspaß allerdings nicht behaupten.

Die Konkurrenz hat zuletzt mächtig draufgesattelt. Mercedes hat seinen AMG-GLC schon seit längerem mit 476 sowie 510 PS im Angebot und kürzlich zog erstmals auch BMW nach. Der Doppelpack aus X3 / X4 bekam das lange geforderte Garchinger M-Logo verliehen. Diese Weihen brachten den beiden Kraftpaketen ebenfalls jeweils 480 bzw. 510 PS. 0 auf Tempo 100 in kaum mehr als fünf Sekunden und 285 km/h Spitze sind wüste Werte für einen Familien-SUV der beliebten Mittelklasse. Ähnlich viel Dampf hat noch der Alfa Romeo Stelvio QV, der seine 510 PS ebenfalls überaus dynamisch an beide Antriebsachsen verteilt und mit brüllendem Klang auch über 280 km/h schnell ist. Etwas überraschend, dass das Topmodell des Porsche Macan mit dem Turbo-Signet am Heck mit nur 324 kW / 440 PS ein derart nennenswertes Leistungsdefizit hat. Das gilt auch für das maximale Drehmoment, das mit 550 Nm zwar bereits ab niedrigen 1.800 U/min anliegt und bis 5.600 Touren stetig auf Abruf steht. Doch die Konkurrenz holt aus sechs bzw. sogar acht Brennkammern bis zu 700 Nm heraus.

Dabei täte man dem 4,68 Meter lange Porsche Macan Turbo Unrecht, ihn zu einem lahmen Gaul abzustempeln. 440 PS, 0 auf Tempo 100 in exzellenten 4,5 Sekunden und 270 km/h sind prächtige Werte, und die Lässigkeit, mit der der zwei Tonnen schwere Mittelklasse-SUV seine Leistung auf den Boden zaubert, ist allemal beeindruckend. Doch weder der Auftritt noch die Fahrleistungen des Macan Turbo sind so, wie man sie von einem Topmodell mit Turbo-Schriftzug erwartet. Die Lenkung ist grandios, die Bremsen sind klasse und die Abstimmung von Federn sowie Dämpfern ist ohnehin eine Liga für sich. Statt einer Luftfederung reicht vorne wie hinten eine fein abgestimmte Einzelradaufhängung mit Stahlfedern inklusiv variabler Dämpferverstellung. Echten Fahrspaß kann man eben nicht nur eine Klasse darüber erleben. Gerade diese SUVMittelklasse bietet für viele Kunden eine perfekte Symbiose aus Alltagsnutzen und Sportlichkeit. Doch 440 PS sind mittlerweile in dieser Klasse zu wenig, dass einem der Mund offen stehenbleiben würde. Der Normverbrauch: 9,8 Liter SuperPlus auf 100 Kilometern.

Verbrauchsangaben Porsche Macan Tubo: l/100 km: innerorts 12,2, außerorts 8,4, kombiniert 9,8. CO2-Emissionen kombiniert 224 g/km; Effizienzklasse E.
Verbrauchsangaben Porsche Macan Tubo: l/100 km: innerorts 12,2, außerorts 8,4, kombiniert 9,8. CO2-Emissionen kombiniert 224 g/km; Effizienzklasse E.

Der Porsche Macan Turbo ist prächtig motorisiert und fährt sich auf Landstraße oder Autobahn mehr als dynamisch, doch es fehlt eben der giftige Pfeffer, der einem beim 911 Turbo die Sinne raubt oder einen beim Panamera Turbo SE in die Sportsitze presst. Zudem würde eine Mehrstufenautomatik wohl gerade im Komfortbereich einen lässigeren Job ab dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe machen. Das arbeitet gerade unter Last überzeugend; hat jedoch die eine oder andere Komfortschwäche bei langsamer und mittelschneller Fahrt in niedrigen Drehzahlen.

Der Innenraum zeigt sich im bekannten Look, denn Porsche brachte im mindestens 91.922 Euro teuren Macan Turbo zwar sein neues 10,9 Zoll großes Touchdisplay in die Mittelkonsole, doch der mit Schaltern überfrachtete Mitteltunnel und die analogen Instrumente wirken im Gegensatz zu den perfekt sitzenden Sportstühlen etwas in die Jahre gekommen. Das gilt nicht für das Ladevolumen, denn das ist mit 488 bis 1.503 Litern ebenso auf der Höhe wie das Platzangebot im Allgemeinen. Gerade weil die Rückbank in einem Modell wie dem Porsche Macan Turbo nur selten von Personen besetzt sein dürfte. Stefan Grundhoff; press-inform


Luxus aus Tennessee

Cadillac lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und nimmt zunehmend die deutsche Premiumkonkurrenz ins Visier. Bestes Beispiel ist der neue Cadillac XT6, der sich gegen SUV-Stars wie BMW X5, Mercedes GLE und Audi Q7 nicht verstecken muss.

Praxistest - Cadillac XT6 3.6 V6 AWD
Praxistest - Cadillac XT6 3.6 V6 AWD

Die deutsche SUV-Macht hat in der Oberklasse jüngst mächtig aufgerüstet. Der Audi Q7 bekam gerade erst Technik und Innenraum vom Q8, während BMW X5 und Mercedes GLE sogar komplett neu entwickelt wurden. Da will General Motors nicht zurückstehen und kontert die teutonischen Edelhochsitze mit dem neuen Cadillac XT6. Der trifft mit einer Länge von 5,05 Metern, bis zu sieben Sitzplätzen und seinem selbstbewussten Design ins Herz des Segments, das in den USA, China und Europa gleichermaßen hoch im Kurs steht. Allerdings hat der geneigte Cadillac-Interessent beim Antrieb keine Wahl. Der Direkteinspritzer ohne Turboaufladung ist souverän, laufruhig und ausreichend kraftvoll. Hat er erst einmal Drehzahlluft geschnuppert und die Nadel im analogen Cluster dreht sich über die 3.000er-Marke, sieht es schon besser aus und es geht kraftvoll voran. Ein Sparwunder ist der Cadillac mit einem Realverbrauch von 12,5 Litern Super auf 100 Kilometern nicht; doch ein Schluckspecht ist der kleine Bruder des Escalade beim besten Willen auch nicht. Was in Europa fehlt, ist ein Diesel, während sich die Amerikaner über eine Plug-In-Version freuen würden.

Das Fahrwerk des XT6 ist mit Fokus auf den Heimatmarkt USA betont komfortabel, aber nicht zu schwammig ausgelegt. Das gilt auch für die Servolenkung, wobei die Bremsen gerade aus höheren Tempi bissiger zupacken könnten. Nicht überspielen kann der Allradler jedoch seine spürbaren Nickund Wankbewegungen, die sich trotz McPherson-Federbeinen vorn und Mehrlenkerachse hinten gerade bei höheren Kurventempi im Innenraum bemerkbar machen. Wer ambitionierter unterwegs ist, sollte auch bei den vier anwählbaren Fahrprogrammen eine gewissen Vorausschau walten lassen. Der Zweiradmodus bedient ausschließlich die Vorderachse mit Motorleistung und das Fahrverhalten wird unharmonisch, indem die bis zu 310 PS nicht artgerecht auf den Boden gebracht werden. Deutlich besser, weil ausgewogener, sieht es im Allradmodus oder in den Fahrprogrammen Sport und Offroad aus, die jeweils alle vier Räder antreiben. Der Kraftfluss vom Sechszylinder an die beiden Achsen geschieht dabei über eine dezent im Hintergrund arbeitende Neungang-Automatik, die von dem Direkteinspritzer selbst bei engagierten Leistungsabfragen nicht vor große Aufgaben gestellt wird. Wer will, kann am Gangwahlhebel oder mit den Lenkradtasten am Steuer manuell in die Gangwahl eingreifen. Macht in der Realität kein Mensch.

Überzeugen kann der über fünf Meter lange SUV aus Spring Hill / Tennessee mit seinem variablen Platzangebot. Vorne wie hinten sind die Platzverhältnisse mehr als großzügig und wenn es tatsächlich sein muss, lassen sich im Laderaum elektrisch auf Knopfdruck zwei zusätzliche Notsitze aus dem Boden herausfahren. Das Ladevolumen liegt zwischen 356 und 2.228 Litern. Der Ein- wie Ausstieg in die Reihe drei ist für alle beschwerlich und bereiten allenfalls kleinen Kindern bei der kurzen Wochenendpartie eine gewisse Freude. In der Reihe zwei können dagegen auch groß gewachsene Personen bequem sitzen und zugleich die Sitze beheizen lassen oder die Lufttemperatur nach Gusto variieren. Für Mobilgeräte aller Art gibt es im Innenraum eine Vielzahl praktischer Ablagen und Lademöglichkeiten; zwischen den Vordersitzen sogar eine induktive Ladeschale. All das passt zur guten Serienausstattung des Cadillac XT6, der in der mindestens 54.995 Dollar teuren Basisausstattung unter anderem beheizte Ledersitze, LED-Scheinwerfer, 20-Zoll-Radsatz, elektrische Ladeklappe, schlüssellosen Zugang und ein vernetztes Navigationssystem bietet, dessen Touchscreen mit acht Zoll jedoch deutlich größer sein dürfte. In Verbindung mit dem optionalen Premiumpaket (ab 71.585 Dollar) wird die Ausstattung um Details wie Luxusleder, elektrische Dämpferkontrolle, Head-Up-Display, klimatisierte Sitze und ein Bose-Soundsystem erweitert. Angenehm bei Nachtfahrten sind die lichtstarken LED-Scheinwerfer, deren Fernlicht sich bei Gegenverkehr jedoch komplett ausschaltet und nicht zeitgemäß ausrastert, wie das die Matrixmodule der Konkurrenz durchgängig können.

Letztlich bleiben bei dem neuen Amerikaner keine Wünsche offen, und angesichts der Kombination aus Preis, Design, Platzangebot, Variabilität und Ausstattung kann man nur hoffen, dass der Cadillac XT6 bald auch den Sprung über den Atlantik nach Europa schafft, denn auch hier wäre er eine klasse Alternative zu den bekannten Premiummodellen aus Deutschland, Italien, England und Schweden. Was er bräuchte wäre jedoch mindestens eine zweite Motorvariante und da an einen Diesel wohl nicht zu denken ist, könnte ein Plug-In-Hybrid den einen oder anderen Kunden locken. Dann müsste man sich jedoch ebenso wie bei der Konkurrenz von der dritten Sitzreihe wohl verabschieden. Irgendwo müssen Batterien und Tank ja hin. Stefan Grundhoff; press-inform