Wenn Brandmeister träumen

Fahrspaß 11/2019:Wenn Brandmeister träumen

So eine Mercedes S-Klasse wie diese gibt es wohl nur einmal auf der Welt. Der signalrote Mercedes 560 SEL der legendären Baureihe W126 von 1991 steht in der Mercedes-Niederlassung Tokio zum Verkauf – er hat gerade einmal 478 Kilometer gelaufen.

Der japanische Klassikermarkt hat Weltruf. Gerade deutsche Luxusmodelle aus vergangenen Dekaden gibt es in Japan in Pflegezuständen, die einem den Atem rauben. Anders als die meisten Kunden in Europa oder den USA gehen die japanischen Autofahrer mit ihren Modellen überaus pfleglich um. Kein Wunder daher, dass sich gerade Klassiker von Marken wie Mercedes, BMW oder Porsche in den japanischen Metropolen großer Beliebtheit erfreuen.

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Klassiker, an sich seit Jahrzehnten verpönt, werden zunehmend schick. Man will sich mit einem Klassiker aus der gesichtslosen Masse der Neuwagen abheben. Kein Wunder daher, dass All Time Stars, der Klassikwerksverkauf von Mercedes, in Shinagawa nahe Tokio vor knapp drei Jahren eine eigene Außenstelle eröffnet hat und seither Sternenmodelle im Neuwagenzustand anbietet. „Die Marke Mercedes genießt in Japan große Wertschätzung“, so Patrik Gottwick, im Stuttgarter Mercedes-Museum verantwortlich für den Klassikbereich der All Time Stars, „diese spiegelt sich auch auf dem Markt für Young- und Oldtimer wieder. Deshalb ist Japan für uns hochinteressant.“

So ein Modell wie den signalroten Mercedes 560 SEL von 1991 bekommen auch die Klassikexperten von Daimler nicht alle Tage zu sehen.

Als man bei einem ehemaligen Bauunternehmer vor kurzem drei Mercedes 560 SEL der Baureihe W126 einkaufte, wusste man zunächst nur, dass die Modelle in den Farben Weiß, Rot und Dunkelblau allesamt Unilacke hatten und fast 30 Jahre ohne eine Radumdrehung in einer Garage standen. Wenig gelaufen und im Topzustand waren alle, doch der rote 560er, der gerade im Klassikcenter vor den Toren von Tokio technisch auf Vordermann gebracht wird, ist wohl einzigartig auf der Welt. „Dafür sorgt nicht nur die Lackierung in signalrot, die hier in Japan nur 17 Mal ausgeliefert wurde“, erklärt Klassikexperte Daisuke Nakayama, „sondern insbesondere die extrem geringe Laufleistung. Der Wagen aus Ende 1991 hat gerade einmal 478 Kilometer gelaufen.“

Keine Überraschung, dass sich die Luxuslimousine der Baureihe W126 optisch wie technisch im Neuzustand befindet. Derzeit werden einige Leitungen ausgetauscht und Flüssigkeiten gewechselt. Neue Reifen, ein paar Detailarbeiten und die einzigartige Mercedes S-Klasse geht beim japanischen Mercedes-Händler in den Klassikverkauf. Die Ausstattung des Mercedes 560 SEL aus dem letzten Modelljahr 1992 ist wie gewohnt bei der damaligen Topversion sehr umfangreich. So gibt es ein elektrisches Schiebedach, Klimaautomatik, Lorinser Alufelgen, viermal Sitzheizung, Fensterheber, elektrische Rückbank und Soundsystem. Innen sitzt man auf schwarzem Softleder, das wie der Rest des Wagens aus Sindelfingen neu aussieht und sich auch so anfühlt.

Anders als viele andere Mercedes S-Klassen der Baureihe W126 und des Nachfolgers W140 hat der Traum jedes Feuerwehrmanns weder vorn noch im Fond einen Fernseher; wegen der langen Stauzeiten in Städten wie Tokio ein gern gewähltes Extra.

Wie bei den meisten Modellen auf dem japanischen Markt ist die S-Klasse vergangener Zeiten zwar mit langem Radstand und einem entsprechenden Platzangebot, nicht jedoch mit elektrischen Gardinen, Heckrollo oder gar dem polarisierenden Reiserechner ausgestattet, der nicht so recht ins 80er-Jahre-Cockpit mit Holzintarsien passen will. Mercedes-Experte Daisuke Nakayama: „Die Modelle der Baureihen W126 und R107 sind bei uns hier in Japan insbesondere wegen des Designs besonders beliebt.“

Nach der Grundreinigung und der technischen Überholung kommt die rote S-Klasse im Neuwagenzustand in den Verkauf. „Der Preis dürfte etwa bei umgerechnet 100.000 Euro liegen“, erläutert Niederlassungsleiter Atsushi Osamura, Leiter der All Time Stars Stern Shinagawa, „die Außenfarbe macht das Ganze dabei besonders ungewöhnlich.“ Bleibt abzuwarten, wo das extravagante Einzelstück hingehen wird. Vielleicht findet es sogar seinen Weg zurück nach Deutschland. Stefan Grundhoff; press-inform


Jeeps Strom-boli

FCA will mehr Jeep in Italien bauen und rüstet dafür sein Werk in Melfi auf. Die Plug-In-Modelle von Jeep sollen künftig ausschließlich aus der Fabrik kommen, die mitten im Nirgendwo steht.

Die Zukunft von Melfi ist elektrisch. Jedenfalls wenn es nach Fiat Chrysler Automobiles (FCA) geht. In dem Werk, rund 150 Kilometer östlich von Neapel mitten im Niemandsland, sollen künftig alle Plug-In-Hybrid-Versionen der verschiedenen Konzernmarken gebaut werden - Jeep macht dabei den Anfang. Noch wird nur geübt und die entsprechende Fertigungslinie aufgebaut - aber ab Januar 2020 soll dort dann außer dem Jeep Renegade, der in Italien seit 2014 für den europäischen Markt gebaut wird, auch der Jeep Compass produziert werden.

In den vergangenen fünf Jahren wurden in Melfi rund 900.000 Stück des kompakten Renegade gebaut, der sich die Plattform mit dem Fiat 500X teilt. Insgesamt liefen seit 1994 in Melfi rund 7,4 Millionen Fahrzeuge vom Band, vor allem der Marke Fiat.

Kompakte SUV machen derzeit in Europa rund 45 Prozent aller SUV-Käufe aus. Während die beiden Jeep-Modellreihen mit Verbrennungsmotor auch an diversen anderen Standorten von Mexiko über Indien bis China gebaut werden, sollen die aufladbaren Hybridmodelle künftig nur aus Italien kommen.

Für FCA ist der Produktionsstart des Jeep Compass im Werk Melfi Teil „einer weit angelegten Modelloffensive“. In den nächsten Jahren werde man „insgesamt 13 komplett neue oder umfassend modernisierte Modelle“ vorstellen. Vorantreiben werde man auch die Elektrifizierung der Produktpalette „mit der Präsentation von zwölf Elektrofahrzeugen - entweder komplett neu oder basierend auf vorhandenen Baureihen“.

Neben Melfi wird das Werk Mirafiori für die Produktion des Batterie-elektrisch angetriebenen Fiat 500 BEV sowie der Hybrid- und Elektro-Modelle von Maserati modernisiert. Fiats dann elektrische Edelmarke mit dem Dreizack wird zusätzlich auch in Modena gefertigt werden. Außerdem ist die Produktion des Transporters Fiat Ducato Electric und des neuen Alfa Romeo Tonale in italienischen Werken geplant. Das Werk Melfi wurde vor genau 25 Jahren in der strukturschwachen süditalienischen Region Basilicata eröffnet - nicht zuletzt mit kräftiger Unterstützung der italienischen Regierung. Bis 2021 will FCA in Melfi fünf Milliarden Euro investieren. In dem Werk arbeiten rund 7.300 Mitarbeiter, davon etwa 4.000 in der Montage. Jürgen Wolff, press-inform