Elektro statt Diesel

Fahrspaß:Elektro statt Diesel

Diesel stehen immer mehr unter Druck. Ausgangspunkt hierfür ist der Skandal, in den nicht nur Marken aus dem Volkswagen Konzern, sondern auch andere verstrickt waren. Strengere Abgaswerte sorgen dafür, dass die Selbstzünder in den nächsten Jahren vor dem Aus stehen könnten.

Gerade in Deutschland sind die Diesel mehr denn je unter Druck. Diskussionen um Feinstaubwerte, Stickoxide und drohende Fahrverbote sorgen neben den Nachwirkungen des Dieselskandals seit rund fünf Jahren für Verdruss bei den Kunden und rückläufige Verkaufszahlen. Lag der Anteil der neu zugelassenen Diesel-Pkw zwischen 2011 und Ende 2015 bei etwa 48 Prozent, so brach das Geschäft ab 2016 spürbar ein. Erst seit knapp zwei Jahren hat sich die Zulassungsquote wieder bei rund 34 Prozent eingependelt. Doch der Rückgang um fast 15 Prozent ist nachhaltig. Einige Marken haben mit dem Rückgang mehr als andere zu kämpfen. Die Analysten von Jato Dynamics haben sich dazu die Zahlen seit 2016 einmal genauer angeschaut.

Auto Becker Hans Klausmann GmbH & Co. KG

Elektromobilität nimmt Fahrt auf, trotz Anschaffungskosten

Die Analysen von Jato ergeben, dass seit vier Jahren immer mehr Kunden von Dieselmotoren auf Benziner umgestiegen sind. 2018 erreichte der Marktanteil der Fahrzeuge mit Ottomotor mit über 60 Prozent einen Höchststand. Mittlerweile sind es jedoch nicht allein die Turbobenziner, die den Dieselfahrzeugen nahezu klassen- und herstellerübergreifend zu schaffen machen. Denn langsamer als von vielen gehofft nimmt die Elektromobilität an Fahrt auf. Daher mussten die Benziner die frisch dazugewonnenen Marktanteile zum Teil wieder abgeben. Immerhin sind die meisten Plug-In-Hybriden aus der Kombination eines Benziners mit einem Elektromotor unterwegs. Es gibt kaum Dieselhybriden.

Ein Problem bei den Fahrzeugen mit Elektroantrieb bleibt der hohe Kaufpreis, der selbst durch mächtige Rabatte und Bezuschussungen des Staates von aktuell 6.000 bis über 9.000 Euro nicht komplett ausgeglichen werden kann. So kosten elektrisierte Kleinwagen wie ein Opel Corsa-e, ein Peugeot e-208 oder neue Fiat 500 Elektro über 30.000 Euro, während die vergleichbaren Verbrennermodelle oftmals unter 15.000 Euro kosten.

David Leggett, Analyst bei Global Data: „Wir können sehen, dass mehr Elektrofahrzeuge auf dem Markt für Kunden in Massenmarktsegmenten erreichbar sind, aber es gibt immer noch eine erhebliche Lücke, die die Akzeptanz begrenzt.“ Doch mittelfristig werden sich die hohen Elektropreise bei Volumenmodellen denen der mit Verbrenner angleichen.

Autohersteller und -zulieferer arbeiten mit Hochdruck daran, die Kosten für wichtige Komponenten des elektrischen Antriebsstrangs zu senken. Nissan, seit Jahren mit dem Leaf im elektrischen Volumenmarkt unterwegs, sieht die Allianz mit Renault-Mitsubishi als Schlüssel zur Kostensenkung und zur Stärkung der eigenen Wettbewerbsposition. Dies sei nach Angaben von Nissan-CEO Makoto Uchida von entscheidender Bedeutung für eine Marktdurchdringung, da Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride in den nächsten fünf Jahren einen deutlich größeren Anteil am Markt für PKW haben werden. Nissan geht bis 2023 allein in Europa von einem Verkaufsanteil von 50 Prozent aus.

Heute liegt der Marktanteil der reinen Benziner klassenübergreifend wieder wie vor dem Jahre 2016 bei etwas mehr als 50 Prozent. Der Rest verteilt sich auf Diesel und Fahrzeuge mit den verschiedenen elektrischen Antriebsarten Plug-In-Hybrid, Hybrid, Elektro und Brennstoffzelle. Dies hat sich positiv auf die durchschnittlichen CO2-Emissionen ausgewirkt. Mit knapp 129 g/km liegt der Flottenwert heute wieder auf dem Niveau von Anfang 2016 und damit deutlich niedriger als der höchste Wert der vergangenen vier Jahre (135 g/km). Gleichzeitig nahm der Verkaufsanteil der zumeist schwereren und größeren SUV mit einem entsprechend höheren Verbrauch zu.

Lediglich in drei Segmenten ist der Dieselanteil, wie bei den Nutzfahrzeugen, ungebrochen hoch. Dazu zählen Pickups und Campervans sowie die großen SUVs. Diese Crossover und Geländewagen sind größer, schwerer und haben einen deutlich höheren Luftwiderstand als vergleichbare Limousinen oder Kombis. Das sorgt unter dem Strich für einen höheren Kraftstoffverbrauch, weshalb Dieselmotoren hier die effizienteste Art des Vortriebs darstellen.

Doch mittlerweile werden immer mehr große SUVs zusätzlich zum effizienten Diesel elektrifiziert. Autohersteller wie Audi oder BMW haben ihre Hochleistungsdiesel mit mehr als 400 PS in Form von Audi SQ8 TDI oder BMW X5 M50d / X7 M50d mittlerweile aus dem Programm geworfen.

Fast zehn Prozent Hybride im 2. Quartal

Waren im ersten Quartal 2020 gerade einmal zwei Prozent der neuzugelassenen großen SUVs elektrifiziert, so waren es im zweiten Quartal bereits knapp zehn Prozent. Hoffnung für den Selbstzünder gibt es nur bei den kompakten und großen Vans wie Opel Zafira oder Mercedes V-Klasse. Hier ist der Dieselanteil zuletzt gestiegen, obwohl auch diese Modelle mittlerweile mit Elektroantrieben zu bekommen sind.

Es ist anzunehmen, dass auch hier die Elektroanteile in den nächsten fünf Jahren deutlich zunehmen werden. Stefan Grundhoff; press-inform