E-Mobilität gibt richtig Gas

Fahrspaß :E-Mobilität gibt richtig Gas

Mit zahlreichen Anreizen versuchen Bund und Länder den Umstieg auf die Stromer zu versüßen.

Alternative Antriebstechniken kommen immer mehr in Mode. Anfangs sah man solche Fahrzeuge nur selten auf den Straßen, doch inzwischen rollen dort immer mehr Autos, vorrangig mit Energie aus der Steckdose angetrieben. Die Industrie hat die neue Art von Mobilität entdeckt; Pkw-Hersteller erweitern kontinuierlich ihre Modellpalette, das Netz von entsprechenden Tanksäulen ist weiter im Auf- und Ausbau. Regierungen von Bund und Land fördern die Umrüstung beziehungsweise eine Neuanschaffung. Mit Stand Dezember 2019 standen rund 24.000 öffentlich zugängliche Ladepunkten für das Tanken von Strom zur Verfügung.

Der Umstieg auf den Stromer soll noch attraktiver werden. Darum gibt es eine ganze Reihe von politisch angestoßenen Impulsen, von zeitlich befristeten Kaufanreizen über die Förderung beim Ausbau der Ladeinfrastruktur bis zu steuerlichen Maßnahmen, um dem Kunden die Abkehr vom Verbrennungsmotor schmackhaft zu machen. Das Paket wurde nach dem Ausbruch der Corona- Krise auch in Deutschland erweitert. So hat beispielsweise die Bundesregierung am 3. Juni eine Erhöhung der Umweltprämie beschlossen.

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Trotz alledem: Der Umstieg aufs Elektroauto ist nicht billig. Wer nur auf den Kaufpreis schaut, staunt schon über das Angebot. Allerdings sprechen viele Vorteile für den Umstieg. Hier hilft einfach nur, sich bei den Experten zu informieren. Nicht nur der Umweltschutzgedanke in einer Zeit, in der der Klimaschutz immer mehr die öffentliche Debatten bestimmt. Der Umweltbonus hat einen neuen Namen und heißt jetzt Innovationsprämie. Sie ist bis Ende 2025 verlängert und wurde wegen der Covid 19-Krise mit ihren zusätzlichen wirtschaftlichen Verwerfungen für ein batteriebetriebenes Fahrzeug bis Ende kommenden Jahres von 3000 auf 6000 Euro verdoppelt. „Es sollen alle Autos, die auch bisher vom Umweltbonus profitieren, die Innovationsprämie erhalten können: reine Elektroautos, reine Plugin- Hybride und Brennstoffzellenautos sowie entsprechende Gebrauchtfahrzeuge“, erklärt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, kurz BAFA.

Jede Menge Goodies

Der ADAC hat Goodies aufgelistet: bis zu 9000 Euro als Zuschuss für Elektroautos und 6750 Euro für Plug-in-Hybride sowie finanzielle Unterstützung für die Förderung der Wall-Boxen durch KfWBank, durch einige Bundesländer und Kommunen. „Auch Energieunternehmen bezahlen Zuschüsse“, erläutert Johannes Boos, Sprecher des Automobilclubs. Das hört sich doch gut an.

Die Geldgeschenke und Kaufanreize sind für einen Laien kaum zu überblicken; man muss genau hinsehen.

Einige Beispiele:
· Für ein Elektroauto mit einem Netto- Listenpreis bis 40.000 Euro für das Basismodell gibt es 9000 Euro als Zuschuss.
· Bei einem Netto-Listenpreis bis 65.000 Euro sind es 7500 Euro.
· Bei Plug-in-Hybrid Antrieben kommt der Käufer auf 6750 Euro beziehungsweise 5625 Euro.

Damit nicht genug: Beim Privatkauf wirkt sich auf den Herstelleranteil zusätzlich noch die befristete Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent aus, sofern die Hersteller diese Reduzierung an ihre Kunden weitergeben. „Bei 3000 Euro Herstelleranteil sind das 570 Euro beziehungsweise 480 Euro auf den Bruttolistenpreis“, erläutert Boos weiter. Auch für gebrauchte E-Autos (5000 Euro) und Plug-In-Hybride (3750 Euro) gibt es einen Zuschuss. Der Teufel liegt im Detail. Voraussetzung: Beim vorangegangenen Kauf wurde kein Umweltbonus ausgezahlt. Diese Sonderregelungen gelten allerdings nur für „junge Gebrauchte” mit einem frühesten Zulassungs-Datum 5. November 2019. Zudem darf der Pkw nicht länger als zwölf Monate zugelassen gewesen sein und höchstens 15.000 Kilometer auf dem Tacho haben. Da tauchen natürlich eine Reihe von individuellen Fragen auf. Inwiefern der Gebrauchte in den Genuss einer Förderung kommt, darüber informiert das BAFA.

Beim Antrag ebenso wichtig ist der Hinweis, dass der Pkw zuvor bereits gekauft und zugelassen wurde. Anträge können Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine stellen. Geförderte Autos müssen mindestens sechs Monate auf den Antragsteller zugelassen bleiben.

Vom Antrag zum Geld

Für Anträge hat das BAFA eine eigene Online-Seite eingerichtet unter anderem mit Informationen, welche Unterlagen für die Bearbeitung benötigt werden. Einige weitere Angaben machen, unterschreiben, dann online stellen und warten, ob die Bestätigungsmail mit Zugangsnummer und Link zum Antrag kommt. Eine Überweisung sollte der glückliche Abschluss des Kaufs sein. Allerdings sind manche Elektrofahrzeuge nicht förderfähig. Fahrzeuge mit einem Grundpreis von mehr als 65.000 Euro netto werden nicht gefördert, stehen also nicht auf der Liste.

Noch ein kleines Bonbon. Hat das E-Auto ein akustisches Warnsystem (AVAS), können weitere 100 Euro Bonus fällig werden. Es geht um die Sicherheit, denn E-Autos rollen fast lautlos und werden schnell überhört. AVAS macht zum Beispiel Fußgänger und Fahrradfahrer auf das bei niedrigem Tempo sehr leise E-Autos aufmerksam.

Ein weiterer wirtschaftlich zu berücksichtigender Aspekt sind die Steuern. Bislang entfällt für Fahrzeuge mit Batterieantrieb, die bis zum 31. Dezember 2020 erstmals zugelassen werden, für zehn Jahre die Kfz-Steuer. Diese Befreiung ist im Rahmen des Corona- Konjunkturprogramms für reine Elektrofahrzeuge deutlich um weitere Jahre verlängert worden. „Das gilt auch, wenn zwischenzeitlich das Auto verkauft wurde; der neue Eigentümer darf sich über die Steuerbefreiung für den restlichen Zeitraum freuen“, erläutert der ADAC-Sprecher weiter. Nur Hybridfahrzeuge, die ja zusätzlich von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden, profitieren nicht von diesem finanziellen Vorteil.

E-Mobilität heißt auch weniger Verschleiß. Zulieferer Continental ist überzeugt von einer langen Halbwertszeit des Materials: „Die Chancen stehen gut, dass wir zukünftig längere Lebensdauern sehen können, wenn wir an privat genutzte Fahrzeuge denken“, sagt Pressesprecher Enno Pigge. Elektromobilität sorge dafür, dass bei weniger bewegten Teilen der Verschleiß reduziert ist, nennt er ein Beispiel.

Die Elektronikplattformen basieren immer häufiger auf Standards, die auch bei Generationswechseln zueinander kompatibel sind. Und nach dem Ende einer Lieferfähigkeit von Bauteilen biete der 3D-Druck auch lange nach dem Serienende die Möglichkeit für neue Ersatzteile.

Thema Dienstwagen: Privat genutzte Verbrenner setzt das Finanzamt mit einem Prozent des Listenpreises bei der Versteuerung an. Werden Elektro- Dienstwagen (Bruttolistenpreis bis 60.000 Euro) mehr als zur Hälfte dienstlich genutzt, verringert sich der steuerlich zugrunde gelegte geldwerte Vorteil. Auch hier gilt aber: Für Hybridelektrofahrzeuge sowie Elektrofahrzeuge mit einem jeweils höheren Bruttolistenpreis bleibt es bei der bisher geltenden 0,5-Prozent-Regelung. Das Laden des Elektroautos beim Arbeitgeber muss jedoch nicht als geldwerter Vorteil versteuert werden.

Vorteil E-Kennzeichen

Ein kleines Schmankerl am Rande: Batterieelektroautos sowie Plug-In-Hybride mit elektrischen Reichweiten von mindestens 40 Kilometer oder einem CO2-Ausstoß von weniger als 50 g/km können ein E-Kennzeichen erhalten. „In vielen Städten ist damit das Parken im öffentlichen Parkraum oft gebührenbefreit, was sich über die Zeit summiert und finanziell bemerkbar macht. Zudem ist das E-Kennzeichen oftmals Voraussetzung, dass das Fahrzeug überhaupt an einer Ladesäule geparkt werden darf“, erklärt Johannes Boos vom ADAC weiter. Soweit das Programm des Bundes.

Weitere Zuschüsse für bestimmte Maßnahmen in Zusammenhang mit der E-Mobilität gibt es aber auch in einzelnen Bundesländern. „NRW ist besonders großzügig“, fasst der Automobilclub zusammen. Das Sofortprogramm Elektromobilität wendet sich an den Einbau einer privaten Ladestation. Das lässt sich das Land mit bis zu 2500 Euro kosten. Richten Unternehmen öffentliche Ladepunkte ein, klingelt es gar mit bis zu 6000 Euro in der Kasse. Maximal 50 Prozent der Kosten werden erstattet.

Mehr Elektroautos, mehr verkaufter Strom. Diese Rechnung machen einige Energieversorger auf und reizen Kunden mit Prämien für den Kauf eines Elektroautos. Aber Achtung: Das sind zugleich Kundenbindungsprogramme. Boos: „Das bedeutet auch: Niemand sollte sich von ein paar Hundert Euro extra dazu verleiten lassen, einen zu teuren Stromvertrag abzuschließen – am Tarifvergleich führt für Umsteiger auf die Elektromobilität kein Weg vorbei. Wer aber seinem örtlichen Energieversorger treu bleiben oder zu ihm wechseln will, sollte sich nach Förderangeboten erkundigen.“

Viele weitere Ladepunkte sind in der Planung

Bleibt das leidige Themas Ladepunkte. Interessenten sollten sich zuerst überlegen, wie und wo sie das E-Auto laden können, rät Stefan Heimlich. „Das Nutzungsverhalten ist ein anderes als bei Verbrennern“, sagt der Vorsitzende des Auto Club Europa (ACE). Öffentliche Ladepunkte sind das eine, viel wichtiger aber ist für die meisten E-Autofahrer das Aufladen zu Hause oder am Arbeitsplatz. Dem Bundesverband eMobilität zufolge finden hier über 80 Prozent aller Ladevorgänge statt. „Das E-Auto wird unseren gewohnten Umgang mit der Tankstelle deutlich verändern. Fahrzeuge sind bekanntermaßen Stehzeuge, was sich die Elektromobilität zunutze macht. Jeder Parkvorgang kann dann zum Laden genutzt werden“, sagt Sprecher Markus Emmert. Aber daran denken: Diese Plätze sollten nur für die Zeit der Ladedauer genutzt und das Fahrzeug sollte anschließend weggefahren werden. Also bitte dort nicht dauerhaft parken. Den nächsten wird´s freuen.

In einer neuen Förderrunde will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer für Elektroautos bis zu 3000 Normal- und 1500 Schnellladepunkte bezuschussen. Der Förderaufruf richtet sich an private Investoren und Kommunen, es stehen 35 Millionen Euro zur Verfügung. Standorte sollten vor allem dort verfügbar sein, wo sie gebraucht würden, „auf Parkplätzen von Kindertagesstätten, Krankenhäusern und Sportplätzen sowie in Stadtteilzentren.“

Die Alternative wäre eine Lademöglichkeit an der Arbeitsstelle, das Laden im öffentlichen Raum bisher eher nicht. „Öffentliche Ladesäulen sind zu langsam, die Hochleistungssäulen HPC an Autobahnen zu teuer“, sagt Heimlich vom ACV. Danach stellt sich die Frage nach dem passenden Fahrzeug und der gewünschten Reichweite mit einer Batterieladung. „Die Reichweitenangst ist meist unbegründet, da 80 Prozent der Autofahrer täglich nur rund 40 Kilometer zurücklegen. Wenn das Auto nachts lädt, ist morgens der Akku wieder voll.“