Wandern & Radeln: Schinderhannes-Radweg, Rheinsteig und Mäuseturm in Bingen

Freizeit Magazin - Juni 2019 :Wandern & Radeln: Schinderhannes-Radweg, Rheinsteig und Mäuseturm in Bingen

Rheinland-Pfalz lockt auf spannende Wander- und Radwege, mit Ritterromantik und einem apulischen Trullo.

Auf den Spuren des Schinderhannes

Ein durchtriebener Räuberhauptmann aus der Hunsrückgeschichte ist der Namensgeber für einen der schönsten Radwege in Rheinland-Pfalz. Auf dem Schinderhannes-Radweg rollt es sich entspannt durch Laubwälder, Felder und über kleine Brücken. Der Weg folgt der ehemaligen Bahntrasse zwischen Emmelshausen, Kastellaun und Simmern. Der Schinderhannes-Radweg profitiert vom Geschick der Bahningenieure, die um die Jahrhundertwende die Strecke in vielen Kurven durch die Landschaft legten, um für die Dampfloks unbezwingbare Steigungen zu vermeiden.

Die Landschaft aus sanft gewellten Höhenzügen, weiten Rotbuchen- und Fichtenwäldern macht den Reiz des Hunsrücks aus. Mosel, Nahe, Saar und Rhein umfließen das Mittelgebirge, in dem sich auch der Nationalpark Hunsrück-Hochwald befindet. Am besten lässt sich die Region im Schritttempo auf einem der vielen Wanderwege erkunden. Über schmale Waldpfade und Wiesen sucht sich der 410 Kilometer lange Saar-Hunsrück-Steig seinen Weg durch den Hunsrück. Rund um den Steig bereichern Traumschleifen den Fernwanderweg um über 100 Rundwanderwege.
             

Ritterromantik auf dem Rheinburgenweg

Der Romantische Rhein hat sich seine Anziehungskraft über Jahrhunderte erhalten. An den Ufern des Flusses und über die Rheinhöhen zu wandern, war schon zu Zeiten der Rheinromantik ein Sehnsuchtsziel. 40 Burgen thronen zwischen Bingen und Remagen auf den hohen Felsen zwischen Wald und Rebhängen.

Die rechte Seite des Flusses wird begleitet vom Rheinsteig, dem Pionier der Prädikatswanderwege in Rheinland-Pfalz. 2020 feiert er bereits seinen 15. Geburtstag. Sein jüngerer Bruder, der Rheinburgenweg, führt auf der linken Seite des Flusses auf rund 200 Kilometern von Burg zu Burg zu Orten, die von Wanderern als fürstliche Rastplätze und fantastische Aussichtspunkte geschätzt werden.

Um diese Plätze zwischen dem Mäuseturm in Bingen und dem Rolandsbogen in Remagen ranken sich viele Anekdoten aus alter Zeit. Es lohnt sich immer wieder, von den Rheinhöhen in das Tal hinabzusteigen, um durch die alten Gassen der Weinorte zu schlendern, um in den Winzerstuben bei Riesling mit Flammkuchen einzukehren. Eine Schiffsanlegestelle oder ein Bahnhof sind niemals weit, um zum Ausgangspunkt zurückzukehren.
             

Apulische Weinbergshäuschen zwischen den Hiwweln

Auf der Hiwwelroute „Heideblick“ geht es gleich zu Beginn den Weinberg hinauf, der bis an die Häuser von Siefersheim reicht. Hiwwel ist das rheinhessische Wort für Hügel und signalisiert ein sanftes Auf und Ab des Weges, schließlich führt er durch die Rheinhessische Schweiz. Und deshalb gehört hier auch eine Winzeralm her. Die Bänke sind meist besetzt, doch in Rheinhessen rückt man mit einem einladenden „Hock dich her“ zusammen. Weck, Worscht und Woi, mehr braucht hier oben kein Wanderer. In Flonheim führt die Hiwweltour „Aulheimer Tal“ zu den schönsten Aussichtspunkten. Ein Höhepunkt des Rundwanderweges ist der Trullo. Schneeweiß leuchtet das in apulischer Bauweise errichtete Weinbergshäuschen auf der Höhe zwischen den Reben hervor.

Italienische Wanderarbeiter setzten die Trulli einst in die Landschaft. Es gibt eine ganze Menge davon, aber der Flonheimer Trullo auf dem Adelberg ist unbestritten der schönste.
            

Wer will, wagt einen Seitensprung

Auf den Wegen des Moselsteiges wandert es sich beschwingt. Mal federn die Schritte auf weichem Wald- und Grasboden, mal gibt es eine Kletterei im Gänsemarsch auf felsigen Pfaden und dann wieder spaziert man auf breiten Wegen zwischen den Reben dahin. Am Moselufer laden die Winzerhöfe mit lauschigen Innenhöfen ein.

Kein Ort gleicht dem anderen. In Trier beeindrucken die Römerbauten, Bremm präsentiert den steilsten Weinberg Europas, in Traben-Trarbach verzaubern Jugendstilbauten und im märchenhaften Beilstein faszinieren Fachwerkgebäude auf engstem Raum. Seitensprünge sind rund um den Moselsteig legitim. So heißen nämlich die 16 an den Moselsteig anschließenden Rundwege, die an der Terrassenmosel noch um neun Traumpfade bereichert werden.
                

Grüne Oase im Naturpark Rhein-Westerwald

Waldbreitbach ist idealer Ausgangspunkt für eine Wanderung auf dem WesterwaldSteig, der über 16 Etappen vom Rheintal bis in das hessische Fachwerkjuwel Herborn führt. Als spezielle Tages- und Rundwanderwege bieten sich die Wäller Touren an.

Wer gern Rad fährt und klösterliche Kultur entdecken will, ist auf dem Wiedradweg bestens unterwegs. Abwechslungsreiche Stationen wie die mittelalterlichen Klostermauern von Ehrenstein, Marienstatt und Marienthal ziehen vorüber und können durch das gut ausgebaute Radwegenetz bequem in Tagesetappen erfahren werden.

Zu den schönsten Naturerlebnissen zählt die Westerwälder Seenplatte, bei der eine reiche Flora und Fauna zum Verweilen und zu tiefem Durchatmen einlädt.
                   

Traubenpfade rund um Bad Neuenahr-Ahrweiler

Steile Weinberge, felsige Schluchten, stille Waldpfade und aussichtsreiche Hochplateaus sind im Ahrtal die Kulisse für viele Wanderwege und den Ahr-Radweg. Ein guter Ausgangspunkt, um die Fluss- und Naturlandschaft des Tals von der Ahrquelle bis zur Rheinmündung kennenzulernen, ist Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dort treffen sich Ahrsteig und Rotweinwanderweg: Fünf Traubenpfade drehen gemütliche Runden durch die Weinberge. Auf dem Weg aus den Weinbergen in die Stadt liegt direkt an der Bundesstraße die „Roemervilla“, ein besonderes Schmuckstück der römischen Hinterlassenschaften.

Vorzüglicher Riesling vom heiligen Berg

Der Disibodenberg zwischen Nahe und Glan war schon zur Keltenzeit ein heiliger Berg. Für ein halbes Leben lang war er Wirkungsort der Nonne, die als Hildegard von Bingen in die Geschichte einging. Jetzt ist der mystische Berg Mittelpunkt des „Hildegard von Bingen Pilgerwanderweges“, der in Idar-Oberstein an der Nahe beginnt und bis nach Bingen am Rhein führt. Hildegards Visionen sind entlang des Weges auf Meditationstafeln beschrieben.

Die Edelsteinstadt Idar-Oberstein und Kirn als bekannte Bierbrauer-Stadt sind ideale Startpunkte für Wandertouren auf den Traumschleifen und Vitaltouren. Vorbei an diesen Orten verläuft auch der Nahe-Radweg. Nach einer Radtour bietet sich die Einkehr in einer der typischen Straußwirtschaften an.
                  

Mußepfade zwischen Vulkanen und Maaren

Genüsslich grasen die Burenziegen an den Hängen des Maares. Sie sind die Landschaftspfleger, die das Naturwunder der Eifel vor Verbuschung bewahren. Das friedliche Bild lässt kaum erahnen, welche explosiven Gewalten vor ungefähr 30 000 Jahren mit Feuer, Lavastrom und Ascheregen die Landschaft mit den blauen Augen entstehen ließen. Der Maarsattel ist nicht nur ein guter Aussichtspunkt auf die Vulkankegel in der Ferne sowie das Weinfelder und das Schalkenmehrener Maar in der Nähe, sondern auch ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen. Von der Weinfelder Kapelle ein Stück bergauf geht es zum Dronketurm auf dem Mäuseberg und zur Aussicht auf das Gemündener Maar, das zusammen mit dem Weinfelder und dem Schalkenmehrener Maar zur Gruppe der Dauner Maare gehört, die auf Wanderwegen umrundet werden können. Die elfte Etappe des Eifelsteigs von Daun nach Manderscheid führt ebenfalls an allen drei Maaren vorbei. Als jüngster von insgesamt sechs Vulkaneifel-Muße-Pfaden wurde gerade der Vulcano-Pfad eröffnet.

Auf dem Hauensteiner Schusterpfad durch den Wasgau

Der Schusterpfad folgt den Spuren der Arbeitswege der Schuster in eine der 34 Schuhfabriken, die es bis in die 1960er-Jahre in Hauenstein gab. Er ist einer von vielen und einer der schönsten Wanderwege im Wasgau. Auf weichem Waldboden führt er zum Felsentor des Nedingfelsens, zum Winterkirchel, wo man die Glocken selbst läuten kann, und zur Pfälzerwaldhütte „Dicke Eiche“ auf 400 Metern Höhe mit Pfälzer Spezialitäten und Panoramablick auf die vielen Felsformationen aus Buntsandstein an den dicht bewaldeten Hängen mitten im Naturpark Pfälzerwald. Die Landschaft rund um Hauenstein lässt sich auch wunderbar mit dem Rad erkunden. Es geht vorbei an Burgruinen und auch der beeindruckende Teufelstisch-Felsen liegt an der 60 Kilometer langen Schusterland-Radtour.

Liebeskummer und spritziger Wein

Nur, wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen, heißt es in einem viel zitierten Goethewort. Der Dichterfürst weiß, wovon er spricht. Dort, wo sich die Lahn zwischen Diez und Lahnstein auf dem letzten Drittel ihres Weges zur Mündung in den Rhein tief in die Landschaft eingeschnitten hat, gewinnt der Lahnwanderweg alpinen Steig-Charakter. Beim Aufstieg von Obernhof auf die Lahnhöhe sind Stufen, Leitern und Halteseile nötig, um den Weg abzusichern.

Zu Goethes Zeiten gab es solche Hilfsmittel noch nicht, als der liebeskranke 23-Jährige auf dem Weg nach Bad Ems die damals noch namenlose Erhebung erklommen haben soll. Heute endet der steile Weg am Goethepunkt, einem Aussichtsturm mit wunderbarer Aussicht auf die Hügel des Lahntals, das Westerwald und Taunus voneinander trennt. Im engen Tal an der Lahnschleife drängen sich unten die Häuser von Obernhof. Der spritzige Riesling von der Steillage Goetheberg ist begehrt und hätte auch dem Namensgeber geschmeckt. Text: Heidrun Braun
                  

INFORMATIONEN

Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH
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Internet: www.gastlandschaften.de
Telefon: 0261/915 200

Weitere Informationen für aktive Naturgenießer sowie Download und Bestellung des Merian Special unter www.gastlandschaften.de/aktiv. Die Broschüre kann auch telefonisch oder per E-Mail bestellt werden.