Bislang gut durch die Krise gekommen

Handwerk in Wuppertal

Bislang gut durch die Krise gekommen

Der befürchtete Einbruch aufgrund der Pandemie ist bei den meisten Wuppertaler Handwerksbetrieben ausgeblieben. Einige Branchen, wie die Friseure, sind jedoch existenziell gefährdet und staatliche Zuschüsse immer noch nicht geflossen.

Eine Spendenaktion der Kreishandwerkerschaft hat den Friseurbetrieben der Innung zu einer Finanzspritze verholfen. Kreishandwerksmeister Arnd Krüger (Mitte ) sowie Solingens Innungsobermeisterin Pia Schneider und ihr Stellvertreter Andreas Schick aus Wuppertal bei der Spendenübergabe Anfang dieses Monats.

Trotz der Pandemie blickt das Handwerk in Wuppertal und Solingen alles in allem auf ein auftragsreiches Jahr 2020 zurück. Das berichtet Kreishandwerksmeister Arnd Krüger. „Zunächst befanden wir uns – wie alle anderen auch – nach dem Ausbruch von Corona in einer Art Schockstarre. Aber dann wurde es trotz des harten Lockdowns doch alles in allem für das Handwerk wider Erwarten ein gutes Jahr.“ Der Grund: „Es kam zu so einer Art Cocooning, das heißt, die Leute zogen sich notgedrungen zurück in ihre Wohnungen und Häuser. Und da auch größtenteils kein Urlaub mehr möglich war, haben sich viele auf ihre heimischen vier Wände besonnen und eben dort Geld in Sanierung und Verschönerungen investiert“, berichtet Krüger.

Diesen Trend habe die Senkung der Mehrwertsteuer auf 16 Prozent noch verstärkt. „Da kam es dann sozusagen zu einem Vorzieh-Effekt von handwerklichen Maßnahmen, die die Kunden sonst vermutlich erst später in Angriff genommen hätten.“ So waren und sind die Auftragsbücher vor allem im Bau- und Ausbauwesen gut gefüllt und die betreffenden Handwerksbetriebe gut ausgelastet – zum Teil noch bis weit in die Zukunft hinein.

„Das gilt allerdings bei Weitem nicht für alle unsere Gewerke und Betriebe“, betont Krüger. Auch wenn sie nun ab März wieder öffnen dürfen, seien vor allem die Friseure besonders von der Corona-Krise betroffen. Angesichts der Not der Mitgliedsbetriebe hat die Kreishandwerkerschaft unter Krüger zu Jahresbeginn eine Hilfsaktion initiiert: „Wir haben uns per Vorstandsbeschluss darauf geeinigt, dass sich sämtliche Innungsbetriebe solidarisch zeigen und jeder 100 Euro beisteuert – unter der Einordnung als Betriebsrückerstattung. Hinzu kamen noch weitere externe Spenden, sodass am Ende knapp 100 000 Euro zusammengekommen sind, und wir etwa 1500 Euro an jeden unserer 65 Innungsbetriebe des Friseurhandwerks übergeben konnten. Anfang dieses Monats war Scheckübergabe. Beteiligt haben sich an dieser Aktion unter anderem übrigens auch die Unternehmerfrauen im Handwerk.“

Noch immer keine Corona-Fördergelder vom Staat
    

Kreishandwerksmeister Arnd Krüger appelliert an junge Leute, ins Handwerk zu kommen: „Bei uns haben Sie hervorragende berufliche Perspektiven!“
Kreishandwerksmeister Arnd Krüger appelliert an junge Leute, ins Handwerk zu kommen: „Bei uns haben Sie hervorragende berufliche Perspektiven!“

Wie Krüger betont, war diese Benefiz-Aktion allerdings eher eine Art Tropfen auf den heißen Stein: „Damit konnten natürlich nur die schlimmsten Wunden behandelt werden.“ Denn die finanzielle Schieflage der Friseurbetriebe sei gewaltig, zumal die Förderungen vom Staat immer noch nicht bei den Betroffenen angekommen sind.

Betroffen sind von der Corona-Krise aber nicht nur die Friseure, sondern etwa auch Bäcker- und Fleischerbetriebe der Innng, die in den letzten Jahren vermehrt auf Klein-Gastronomie und Catering gesetzt haben. Und auch Handwerksbetriebe im Bereich Messebau beispielsweise seien arg getroffen worden und müssten erhebliche Einbußen verzeichnen. Krüger: „Da spiegelt das Handwerk eben auch die Situation der gesamten Gesellschaft wider.“ Dennoch sei man alles in allem bis dato gut durch die Krise gekommen.

Einen Dämpfer durch die Pandemie hat die Nachwuchsarbeit der Kreishandwerkerschaft bekommen. All die Instrumentarien, mit denen die Innungen in den letzten Jahren versucht haben, den dringend benötigten Nachwuchs für ihre Betriebe zu gewinnen, sind durch die Corona-Beschränkungen ausgefallen, so etwa die Ausbildungsbörsen, das Projekt „Schule trifft Werkbank“ vor Ort in den Schulen und anderes mehr. Für angehende Azubis bleibt derweil einzig die Plattform „azubistartpunkt“ als wichtige Informationsbörse (siehe Artikel unten).

Die Tendenz der vergangenen Jahre , dass immer weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen werden können, werde sich dadurch in diesem Jahr noch verstärken, schätzt Krüger. „Wir rechnen mit einem Minus von bis zu neun Prozent. Und das erfüllt uns natürlich mit großer Sorge, denn unsere Mitarbeiter werden älter, es kommen aber nicht genug nach.“ Viele junge Leute, so seine Einschätzung, würden derzeit anstatt eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen, erst einmal auf das Berufskolleg gehen und quasi abwarten. „Wir verschulen unsere Gesellschaft immer mehr, und die duale Ausbildung fällt dabei hinten runter“, sagt Krüger. Das werde sich aber schon in naher Zukunft negativ bemerkbar machen: „Kleine und mittlere Betriebe finden schon jetzt keine Mitarbeiter mehr. Geht einer in den Ruhestand, kommt keiner nach. Die Handwerksbetriebe werden weniger werden, und damit muss die Gesellschaft dann eben klar kommen. Es sei denn, die Grundstimmung ändert sich.“ An junge Leute, die am Ende der Schullaufbahn stehen, appelliert Krüger: „Kommen Sie ins Handwerk. Das Handwerk ist sicher und hat Perspektive. Hier bieten sich Ihnen Super-Chancen!“ Denn in nahezu ausnahmslos allen Gewerken würden händeringend Mitarbeiter beziehungsweise Nachwuchskräfte gesucht. Und die Aufstiegschancen seien hervorragend.

Gemeinsame Werte im Handwerk, die verbinden

Dabei herrsche im Handwerk auch noch ein besonderes Ethos, wie der Kreishandwerskmeister betont: „Das hat sich zum Beispiel auch bei unserer Spende an die Friseurbetriebe gezeigt: Die Handwerksfamilie hält zusammen. Wir laufen nicht egoistisch alle einzeln durch die Welt, sondern haben gemeinsame Werte, die uns verbinden und die wir pflegen.“