Dachdecker haben volle Auftragsbücher

Handwerk in Wuppertal

Dachdecker haben volle Auftragsbücher

Obermeister Thomas Sobireg über Fördermaßnahmen und Ausbildung

„Der modern Bauhausstil löst auch im Bergischen Land die traditionellen Spitzdächer und Schieferfassaden ab“, berichtet Innngsobermeister Thomas Sobireg.

Sobireg Dauber - Dachdecker- und Klempnermeisterbetrieb

Kaum hatte die Corona-Pandemie begonnen, erhöhte die Politik die Fördermöglichkeiten für anstehende Sanierungsmaßnahmen: Wer sein Dach sanieren und zusätzlich dämmen oder neu decken lassen will und dabei die jüngsten Vorgaben für energetische Sanierungen beachtet, kann deutlich mehr Zuschüsse von der KfW-Förderung erwarten als zuvor.

„Das haben wir als Dachdecker schnell und positiv zu spüren bekommen“, sagt Thomas Sobireg, Obermeister der Wuppertaler Dackdeckerinnung. Kunden nutzen die Gunst der Stunde, die ihnen eine Übernahme von bis zu 20 Prozent der förderungsfähigen Gesamtkosten einer Dachsanierungsmaßnahme ermöglicht und rufen beim heimischen Dachdecker an. „Dazu kommen viele Kunden, die im Homeoffice saßen, sich ihr Zuhause genauer ansahen und Pläne schmiedeten“, sagt Sobireg. Ob Dach, Fassade oder Abdichtungen: Die Dachdecker in der Region finden auch in der Krise Lösungen für ihre Kunden. „Vorher war die Auftragslage schon gut, aber wir spüren die Krise auch jetzt nicht“, bilanziert der Obermeister. In der Kundschaft, etwa in der Industrie, sei das teilweise anders gewesen: Vor allem im Frühling 2020 hätten sich große Unternehmen erst mal mit Investitionen zurückgehalten und Projekte verschoben. Insbesondere das Geschäft mit Industriedächern sei damals in Mitleidenschaft gezogen worden: „Es gab Unternehmen, die kurzfristig Kurzarbeit anmelden mussten“, sagt Sobireg.

Inzwischen ist aber auch in diesem Sektor wohl wieder weitgehend Alltag eingekehrt. Auch auf den Baustellen spiele die Pandemie keine allzu große Rolle, sagt Sobireg. Erforderliche Abstände könnten eingehalten werden, und die gemeinsamen Fahrten der Mitarbeiter werden unter den erforderlichen Auflagen entsprechend organisiert. Darüber hinaus sei der Arbeitsalltag weitgehend unproblematisch umzusetzen. Der fällt wie eh und je vielseitig aus: „Wir stellen allerdings fest, dass der moderne Bauhausstil auch im Bergischen die traditionellen Spitzdächer und Schieferfassaden ablöst“, sagt Sobireg und bestätigt damit einen Trend der vergangenen Jahre. Das Bergische Land verändere sich. Die Dachdecker sind darauf vorbereitet. Immer häufiger wünschen sich Kunden Metallabdeckungen, urbane Formen und Flachdächer. „Das ist für uns längst Routine und gehört zu unserem Handwerk“, erinnert Sobireg.

Und auch der Nachwuchs ist hier bereits im Einsatz. Die Branche habe es in den vergangenen Jahren kontinuierlich geschafft, die Zahl der Auszubildenden gegen den allgemeinen Trend zu steigern. Deutschlandweit sei die Zahl der Lehrlinge von 6767 jungen Leuten im Jahr 2019 auf 7228 Azubis im Jahr 2020 und schließlich auf 7715 Lehrlinge in diesem Jahr angewachsen. „Dieser Trend ist auch in unserer Innung erkennbar“, sagt Sobireg. Aber: Fast 30 bis 40 Prozent der Lehrlinge brechen ihre Ausbildung zum Dachdecker ab. Das habe auf der einen Seite wohl mit falschen Vorstellungen der vielschichtigen und auch körperlichen Ausbildung zu tun, auf der anderen aber vor allem mit der Überforderung einiger Azubis in der Berufsschule. „Unsere Branche hat immer von den Haupt- und Gesamtschülern gelebt, die ihr Handwerk mit viel Begeisterung ausgeübt haben“, sagt Sobireg, „inzwischen fällt vielen von ihnen der Übergang in die Berufsschule viel schwerer.“ Das Ergebnis: Den Betrieben fehlen die Auszubildenden – und damit auch die zukünftigen Fachkräfte. „Eine gute Fachkraft zu bekommen, ist fast unmöglich“, sagt Sobireg. Und weil die Firmeninhaber um den Wert eines guten Mitarbeiters wissen, pflegen viele den guten Draht zu ihren Fachkräften.

„Die Herausforderungen für Unternehmen, ihre Mitarbeiter zu halten, sind heute viel größer als früher“, sagt Sobireg. Familienfreundliche Bedingungen, die Nutzung von Firmenfahrzeugen oder die Bereitstellung von elektronischem Material: Kreative Ideen der Handwerksmeister sind gefordert. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es vielen Mitarbeitern und auch jungen Leuten nicht nur ums Geld geht“, sagt Sobireg. „Sie wünschen sich ein Wir-Gefühl, und dann lassen sie sich begeistern.“