Erfolgreich mit Qualität und gutem Service

Handwerk in Wuppertal

Erfolgreich mit Qualität und gutem Service

Die Billig-Konkurrenz verschwindet, das traditionelle Bäcker-Handwerk hat sich in der Kundengunst durchgesetzt. Zulieferer aus der Region und enge Zusammenarbeit erweisen sich als Vorteil.

Dirk Polick,Obermeister der Bäckerinnung, wirbt für seine Branche um Nachwuchs.

Trotz Einschränkungen durch die Corona-Krise: Das Bäcker-Handwerk hat derzeit offenbar keinen Grund zur Klage. „Brot ist ein Grundnahrungsmittel. Und die Leute wissen wieder die Qualität unserer Brote, Brötchen und Kuchen zu schätzen – unabhängig von der Krise durch die Pandemie “, betont Innungsobermeister Dirk Polick. Einzig bei jenen Betrieben, die in letzter Zeit vermehrt auf Gastro-Angebote gesetzt haben, hätten sich die Beschränkungen natürlich negativ auf das Geschäft ausgewirkt. „Insgesamt ist die Nachfrage der Kunden derzeit gar nicht so schlecht“, sagt Polick.

Verbundenheit der Menschen mit ihrem Bäcker vor Ort

Dabei sei ein Phänomen zu beobachten: Je ländlicher der Standort, desto größer die Verbundenheit der Menschen mit ihrem Bäcker vor Ort. „Dasselbe beobachten wir auch in den Stadtteilen“, berichtet Polick, der selbst viele Filialen seines Betriebs eher dezentral betreibt.

Nach Einschätzung des Innungsobermeisters setzt sich auch dieses Jahr der Trend weiter fort, nachdem die Kunden wieder die Qualität der traditionellen Handwerke schätzen und suchen. „Der Slogan ,Geiz ist geil’ ist verschwunden“, sagt Polick.

Dazu beitragen dürfte auch die Rückbesinnung auf Zulieferer beziehungsweise Zutaten aus der Region, die sich auch in der Bäckerbranche zunehmend durchsetzt. „Wer sich Partner in der Region sucht, ist eben authentisch.“ Auch mit seinem eigenen Betrieb hat sich Polick, wie er berichtet, in Sachen Zulieferer längst auf den großbergischen Raum konzentriert und schätzt inzwischen die kurzen und nachvollziehbaren Lieferwege. „Früher war man ja der Ansicht, dass Getreide hauptsächlich aus dem Süden des Landes kommt. Heute beziehe ich mein Dinkelmehl aus der Stadt und Region.“ Auch die Eier stammen zunehmend von heimischen Höfen – am besten von frei laufendem Hühnern. „Die Eier verarbeiten wir für unsere Teige. Oder wir verkaufen sie in unseren Filialen im Auftrag des Erzeugers.“

Nicht zuletzt um kurze Lieferketten bis zum Endverbraucher zu gewährleisten, seien „alle wieder aufeinander zugegangen und nun in ständigem Austausch miteinander“. Dieser Austausch habe sich auch in anderen Bereichen intensiviert. „Die Unternehmer der Bäckerbranche, aber auch anderer Gewerke sind sich nähergerückt. Die kleinen und mittelständischen Unternehmen wollen verstärkt mit einer Stimme sprechen. Alle suchen die Kommunikation nach draußen.“

Neue Wege in der Nachwuchswerbung

Denn es gibt viele Felder, die zu beackern sind. Wie etwa die Thema Betriebsübernahme oder die schwierige Werbung um Nachwuchs. Polick: „Junge Kollegen haben neue Ideen und nutzen neue Kanäle wie etwa Social Media, um hier erfolgreich zu sein.“

Die Innungen ihrerseits waren hier in den vergangenen Jahren ebenfalls sehr engagiert, etwa mit Infotagen in den Wuppertaler Schulen, um junge Leute für Praktika und später für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen. „Aber das ist dieses Jahr aufgrund von Corona schwierig oder ganz unmöglich geworden“, sagt Polick. Es sei fraglich, ob es dieses Jahr gelinge, alle Ausbildungsplätze zu besetzen. „Was den Nachwuchs anbelangt, könne 2021 ein verlorenes Jahr werden“, befürchtet der Innungsobermeister. Sein Appell an die jungen Leute lautet: „Bewerbt euch, fragt nach. Ihr müsst gar nicht unbedingt eine großartige Bewerbung aufsetzen. Einfach den Hörer in die Hand nehmen und anrufen. Was wirklich bei einer Bewerbung zählt, ist das erste Gespräch. Da bekommt man meist schon einen Eindruck.“

Eigentlich keine Existenznöte

Ein Thema, das die traditionellen Bäckermeister viele Jahre umgetrieben hat, scheint vom Tisch zu sein: die Konkurrenz durch Backstationen und -shops. „Das ist eindeutig zurückgegangen“, stellt Polick fest. „Sehr viele sind bereits von Markt verschwunden, das beobachte ich auch in Wuppertal.“

Sorgen müsse sich mancher Bäcker vielleicht wegen fehlenden Nachwuchses oder der Frage, wer einmal seinen Betrieb übernehmen soll, machen. „Klar gibt es überall auch schwarze Schafe. Aber wer als Bäckermeister gute Qualität und guten Service bietet, der hat eigentlich keine Existenznöte.“