Vom Fingerspitzengefühl der Glaser

Handwerk in Wuppertal

Vom Fingerspitzengefühl der Glaser

Obermeister Felix Fillinger über die Corona-Pandemie und neue Trends

„Trotz Corona hat sich die Auftragslage für die Glaser nicht wesentlich verändert“, berichtet Innungsobermeister Felix Fillinger.

Wer Felix Fillinger vor genau einem Jahr nach der Auftragslage fragte, der begegnete einer vorsichtigen Zurückhaltung. Gerade hatte die Corona-Pandemie begonnen und der Obermeister der Glaserinnung Wuppertal-Solingen-Remscheid machte sich Sorgen um die Zukunft. Ein Jahr später ist er schlauer: „Der Einfluss der Corona-Pandemie fällt für jeden Betrieb anders aus“, sagt er. Wer viel mit Einzelhändlern zusammenarbeite, der spüre die Krise inzwischen auch selbst. Der Einzelhandel sei gebeutelt, auch Glaser inzwischen von Insolvenzen der Händler betroffen.

„Der private Sektor allerdings hat vieles ausgeglichen“, sagt der Obermeister. Kunden können nicht in den Urlaub fahren und investieren ihr Geld in ihre eigenen vier Wände. „Wir haben viel mit Renovierungen zu tun“, sagt Fillinger und denkt zum Beispiel an Duschabtrennungen, Glastüren oder Glaskonstruktionen für die Küche. Auch der Austausch von Fenstern oder die Investition in Glaskonstruktionen auf den Terrassen hat eher zugenommen, als dass sie zurückgegangen wäre. „Unterm Strich hat sich die Auftragslage also nicht wesentlich verändert“, bilanziert er.

Das gilt allerdings nicht für die Arbeitsweise der Fachkräfte: Die Pandemie habe auch an die Glaser neue Anforderungen in Sachen Abstands- und Hygieneregeln gestellt. Inzwischen sei man aber eingespielt – mit Maske, Transport, der Arbeit in den Haushalten und dem Umgang mit Desinfektionsmittel.

Neues Interesse an dunkleren Farbtönen

Also können sich die heimischen Glaser um ihr Handwerk kümmern – und um Trends und Geschmacksfragen. „Schon seit einigen Jahren beobachten wir, dass Kunden sich wieder vermehrt für dunklere Farbtöne entscheiden“, sagt er. Glas wird dann in Grau oder Blau ausgewählt – auch für Duschabtrennungen oder Glastüren. Gleichzeitig gewinnt das Thema Sicherheit an Aufmerksamkeit: „In immer mehr Bereichen wird die Verwendung von Verbundglas und Sicherheitsglas gefordert“, sagt Fillinger. Die Glaser sind darauf vorbereitet. Schließlich kennen sie den steten Wandel und neue Anforderungen an ihren Beruf: „Heute geht es bei unserer Arbeit um Millimeter“, erzählt der Glaser.

Und trotzdem sind Fillinger und seine Kollegen in ihrem Element, wenn sie mit Glas arbeiten: „Es ist einfach ein interessantes Material“, erinnert der Obermeister der heimischen Innung, „es ist durchsichtig, spiegelt und reflektiert und zur Bearbeitung brauchen wir viel Fingerspitzengefühl.“ Währenddessen ist gleichzeitig eine ordentliche Portion Kraft nötig. Dennoch ist die Werbung um Auszubildende im Glaser-Handwerk schwierig: „Qualifizierte Bewerbungen habe wir selten“, sagt Fillinger. Die Innung sei klein, die Kräfte müssten gebündelt werden. Vor der Krise waren die Glaser zuweilen in Schulen zu Gast und haben ihr Handwerk vorgestellt. „Wir haben auch einen Imagefilm drehen lassen“, erzählt Fillinger.

Viele junge Leute hätten sich zuvor gar kein Bild machen können von der Arbeit eines Glasers. „Dann ist es wichtig, dass wir unseren Beruf präsentieren“, sagt Fillinger. Aber es bleibe ein relativ schwieriges Unterfangen. Am Ende hätten sich bei den meisten Kollegen aber immer noch Auszubildende gefunden. Zuweilen gehört bei der Einstellung auch etwas Kreativität dazu: „Viele meiner Kollegen haben, so wie ich auch, Geflüchtete als Auszubildende eingestellt“, sagt Fillinger. Das sei zuweilen mit Herausforderungen – etwa sprachlicher Art – verbunden, könne aber auch der Beginn einer Erfolgsgeschichte sein.