„Wir haben auch in der Krise gut zu tun“

Handwerk in Wuppertal

„Wir haben auch in der Krise gut zu tun“

Frank Karuc, Obermeister der SHK-Innung, kann sich trotz der aktuellen Corona-Beschränkungen nicht über mangelnde Aufträge für seine Branche beklagen. Diese steckt in einem tiefgreifenden Wandel, motivierter Nachwuchs ist gefragt.

Frank Karuc, Obermeister der SHK-Innung Wuppertal

Die Wuppertaler Innung für Sanitär, Heizung und Klima (SHK) ist bislang gut durch die Corona-Krise gekommen. Das berichtet Innungsobermeister Frank Karuc. „Wir haben alle gut zu tun.“ Rund 135 Betriebe zählt die Innung, sie ist damit inzwischen die größte in der bergischen Metropole. Im Umgang mit Corona wissen die Sanitär-Handwerker sich zu helfen. Bei Arbeiten in Wohnungen oder Häusern wurde und wird es zum Schutz der Kunden wie auch der Mitarbeiter in de Regel so gehandhabt, dass der Kunde (natürlich mit FFP2-Maske) sich während der Handwerksarbeiten in einen anderen Raum oder ein anderes Stockwerk zurückzieht. Oder dass er sich solange außer Haus, etwa für Besorgungen oder einen Spaziergang, aufhält.

„Nur wenige Handwerker haben Aufträge verschoben, was ja auch nur heißt, dass wir weiterhin gut zu tun haben werden“, sagt Karuc. Das soll demnächst alles peu à peu abgearbeitet werden.

Wie viele andere Gewerke steckt auch die SHK-Innung in einem tiefgreifenden Wandel. Die aktuellen Themen lauten regenerative Energien, Luft- und Erdwärmepumpen, neue Heizungsanlagen et cetera. „Für viele dieser Umbauten – beziehungsweise Sanierungen können ja Fördermittel der KfW-Bank abgerufen werden“, berichtet Karuc. „Zum Beispiel gibt es für den Austausch einer alten Ölheizung bis zu 45 Prozent Zuschüsse.“ Die Innung informiert ihre Kunden hierüber vor Ort, aber auch durch Flyer oder auf ihrer Webseite. Karuc: „Bis 2026 läuft die Installation von Ölheizungen aus. Danach dürfen keine neuen mehr eingebaut werden. Da besteht natürlich viel Beratungsbedarf: Lohnt sich eine Reparatur noch, oder steigt man angesichts der Förderungen jetzt schon um?“

Aber auch über die umweltschonenderen Alternativen informieren die SHK-Meister: Ob Gasheizung, Luft -oder Erdwärmepumpe, Photovoltaik beziehungsweise in welcher Kombination – hier erarbeiten sie jeweils für den Kunden individuelle Konzepte und sind auch bei der Antragstellung auf KfW-Zuschüsse behilflich. Beratungsbedarf besteht auch in Sachen barrierefreies Bad, denn ein solcher Umbau kann ebenfalls bezuschusst werden. Auch hier stehen die Sanitärfachleute der Innung den Kunden mit Rat und Tat zur Seite.

Mehr Überzeugungsarbeit als früher leisten

Nach wie vor ist der Handwerker-Nachwuchs ein wichtiges Thema. Zwar ist die Innung mit 40 bis 50 neuen Auszubildenden pro Jahr gut aufgestellt, aber die Anwerbung des Nachwuchses wie auch dessen Durchhaltevermögen gestalten sich offenbar zunehmend schwierig. „Am Ende sind bei der Gesellenprüfung meist nur noch circa 60 Prozent dabei“, so Karucs Erfahrung. „Viele wollen nicht raus, sondern am liebsten eine Tätigkeit am PC ausüben. Da müssen wir weit mehr Überzeugungsarbeit leisten als früher.“ Um junge Leute für die eigene Branche zu gewinnen, gehen die Innungen der Kreishandwerkerschaft und natürlich auch die SHK-Leute seit Jahren in die Schulen, um für ihr Gewerk zu werben, und es werden spezielle Anwerbungstage organisiert. „Vereinzelt klappt das auch prima, und wir finden wirklich motivierte Jugendliche. Aber insgesamt ist hier enorm viel Aufklärungsarbeit erforderlich“, berichtet Karuc. Nicht zuletzt, weil die Jugendlichen heute weit mehr Möglichkeiten hätten als früher und zudem recht stark auf ihre iPads und Handys fixiert seien.  

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Schulschließungen ist diese Nachwuchswerbung allerdings ohnehin vorerst auf Eis gelegt.

Wie Karuc betont, werden die Azubis schon frühzeitig in die breite Palette der Aufgabenfelder wie auch Anforderungen eingebunden. Das sei angesichts des Umbruchs, in dem sich die Branche befindet, auch unbedingt erforderlich.

Azubis nehmen frühzeitig an Fortbildungen teil

„Wir schicken die jungen Leute ebenso wie unsere Monteure frühzeitig mit zu Fortbildungen, unter anderem zu namhaften Unternehmen. Denn es gibt jedes Jahr etwas Neues auf dem Markt, und da müssen wir immer auf dem Laufenden bleiben. Regelmäßige Schulungen sind wichtig, denn wir sind ja schon lange keine Klempner im herkömmlichen Sinn mehr.“