„Auch Gymnasien sollten offen fürs Handwerk sein“

Handwerk in Wuppertal

„Auch Gymnasien sollten offen fürs Handwerk sein“

Dachdecker-Innung

Thomas Sobireg, Obermeister der Dachdecker-Innung. Foto: Sobireg

Ausbildung: Obermeister Thomas Sobireg möchte junge Leute aller Schulformen erreichen. 

Als Azubi zum ersten Mal aufs Dach? Natürlich, geschult und unter fachkundiger Aufsicht bekommen junge Leute im Dachdecker-Handwerk beim Aufstieg buchstäblich den Überblick, was effektive Dämmung und energetische Sanierung von Dächern angeht. Es ist ein spannender und verantwortungsvoller Beruf, wie nicht nur Thomas Sobireg, Obermeister der Dachdecker-Innung-Wuppertal, und seine Kollegen im Bergischen immer wieder auf Ausbildungsbörsen und Infoveranstaltungen erläutern. Dabei müssen sie häufig mit Vorurteilen aufräumen. „Im Winter ist es zu kalt, im Sommer ist es zu heiß oder man macht sich die Finger schmutzig und den Rücken krumm“, zählt Sobireg auf. „Doch das Positive an diesem Beruf, das Kreative, der Zusammenhalt und das gute Gefühl, gemeinsam etwas zu schaffen – das wird viel zu wenig nach außen kommuniziert.“

Und auch, dass Handwerker im Dachdeckergewerbe richtig gute Verdienstmöglichkeiten haben. „Das müsste insbesondere bei Gymnasiasten noch viel besser ankommen.“ Diskussionen wie den Mindestlohn von zwölf Euro interessierten Dachdecker nicht: Ein Junggeselle fängt mit 17,50 bis 18 Euro Stundenlohn an.“

Bis es so weit ist, steht intensive Schulung im Vordergrund. Knapp zwei Monate pro Ausbildungsjahr geht es für die Auszubildenden nach Simmerath in die Eifel, „das ist unsere überbetriebliche Ausbildungsstätte, wo gerade ein hochmoderner Komplex errichtet wurde, damit wir unsere Ausbildung und die Unterkunft noch besser gestalten können.“ Dort sind Meister, die sich mit den jungen Leuten auseinandersetzen und ihnen alle notwendigen handwerklichen Fertigkeiten vermitteln. Zwar hätten sich Betriebe häufig spezialisiert, beispielsweise auf Flachdächer oder Satteldächer. „Aber wir wollen auch weiterhin die Ausbildung so breit und vielfältig wie möglich gestalten.“ Deswegen wird in Solingen für die Ausbildung und Fortbildung ein Dachdecker-Campus errichtet, „der es uns ermöglicht noch intensiver sich um die Ausbildung aber auch um die Fortbildung zu kümmern“.

Fehlen nur noch die entsprechenden Bewerber. Und da hat Sobireg eine ganz klare Botschaft an die Schulen, und dort ganz besonders an die Gymnasien: „Öffnet Euch fürs Handwerk! Ich bin sicher, dass in den Gymnasien viele Jugendliche sind, die Interesse an einer Ausbildung im Handwerk hätten, doch man erreicht sie nicht.“ Selbst mit gutem Abi sei nicht jeder fürs Studium gemacht, weiß der Obermeister und appelliert: „Zeigt auch mal einen anderen Weg auf als nur den akademischen.“ kas