Kabarett Flin feiert Geburtstag

Kultur am Rhein:Kabarett Flin feiert Geburtstag

Das Ensemble des Theater Flin mit der Heinz Erhardt Revue bei einer Vorstellung.

Philipp Kohlen-Priebe und Oliver Priebe haben in dieser Saison allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Die Männer, die seit 25 Jahren ein Paar sind und seit 15 Jahren gemeinsam das Theater Flin führen, setzen ihre Erfolgsgeschichte fort. Die Vorstellungen Donnerstag- Freitag- und Samstagabend sind zu über 90 Prozent ausgebucht. Wochen vorher. Es brummt auf ihrer Kleinkunst-Kunst Bühne, die es seit 20 Jahren gibt, und die sie 2004 übernommen haben. Vor fünf Jahren mussten Sie aus Flingern weggehen und nach Gerresheim umziehen. Das Theater in einem alten Industrie-Gemäuer an der Ackerstraße räumten sie zwangsläufig, weil das Objekt, wie viele ähnliche Immobilien – besonders in funky Flingern – an einen Investor verkauft wurde, der auf dem Gelände schicke und teure Wohnungen errichten ließ.

Im März 2015 eröffneten die beiden auf der Ludenbergerstraße 37 – ein paar Schritte vom Staufenplatz entfernt und damit leicht mit Straßen- oder U-Bahn zu erreichen – das „Kabarett Flin“. Betonung auf Bar, daher steht auf dem leuchtend roten Logo „Ka- BARett“. „Flin“ (Abkürzung von Flingern) haben sie auch am neuen Standort – trotz anderen Stadtteils – beibehalten.

Die alteingesessene Jugendstil-Kneipe, das „Haus Marx“ – bauten sie um: kleine Bühne, einen Zuschauerraum mit 99 Plätzen (in Flingern waren es 80) und ein kleines, gemütliches Lokal. Die Clubatmosphäre nutzen zahlreiche Gäste – wenn sie gerade vom Job kommen – vor Vorstellungsbeginn für einen Snack. Kleine Mahlzeiten, angerichtet in eigener Küche, werden offeriert. Vorspeisenteller, Tapas und Kleinigkeiten stehen auf der Speisekarte. „Alles selbst gemacht“, betonen die Betreiber. Der Renner, so Kohlen-Priebe, ist „eine handgemachte Currywurst aus einer Landmetzgerei im Neandertal.“

Beim Betreten des Kabarett Flin spürt man sofort die wohlige, familiäre Stimmung. So scheint die Beschreibung ihrer Website nicht übertrieben: „Schön, dass wir einen traditionsreichen Ort – an dem schon vor über 100 Jahren gelacht, genossen und gefeiert wurde (im „Haus Marx“) wieder zum Leben erwecken dürfen. Frohsinn, Gastlichkeit und Kleinkunst mögen Ihnen hier in einem wunderschönen Jugendstilambiente herzerfrischende Stunden bescheren“.

Thema Gastlichkeit: Das Duo spricht nicht von Zuschauern, sondern von Gästen – darunter viele Stammgäste, die sie per Handschlag am Eingang begrüßen. Größere Privattheater können das kaum leisten – also ein Alleinstellungsmerkmal für Flin. Ähnliches gilt beim Thema Frohsinn – dafür stehen die zahlreichen Comedians, die Donnnerstag und Freitag hier gastieren und Heiterkeit verbreiten. Zum Teil bekannte Gesichter: wie Lisa Feller, der deutsch-türkische, mehrfach ausgezeichnete Fatih Çevikkollu, der Kölner Kabarettist Christoph Sieber oder die „Perle des Sauerlands“, Lioba Albus, mit ihrem witzigen Programm „Das Weg ist mein Ziel“.

Namhafte Kleinkünstler, so Kohlen-Priebe, „schätzen bei uns die direkte Nähe zum Zuschauer. Einige von ihnen, die später in großen Häusern mit 600 oder mehr Plätzen oder in Fernsehstudios auftreten, nutzen unsere Kleinbühne, um neue Nummern auszuprobieren und um die Reaktion des Publikums zu testen.“ So finden sich auf den Monatsprogrammen einige Ankündigungen mit dem Hinweis „Preview“.

Hart erarbeitet haben sie sich ihr Renommee und die Nähe zu bekannten Namen der Szene – die beiden Selfmade-Männer, die, wenn es eng wird, auch zum Putzlappen greifen oder, wie Oliver Priebe, an der Bar stehen. Heute fragen medienverwöhnte Kleinkünstler oder ihre Agenturen auf der Ludenberger Straße an, um Auftritts-Termine zu vereinbaren. Klar, dass die Flin-Männer darauf stolz sind.

Kohlen-Priebe (63), seit über 30 Jahren in der Branche tätig, hatte in den 1990ern als Philipp Kohlen einen Namen in der Freie Szene, war unter anderem beteiligt am Aufbau des Theaterhauses auf der Prinz-Georg-Straße (heute Clara-Schumann-Musikschule). Ausgebildet wurden er und sein Partner in Tanz, Pantomime und Sprecherziehung. Oliver Priebe (57) machte zusätzlich ein Examen in Physiotherapie. In dem Bereich arbeitet er aber längst nicht mehr. Letzterer steht heute auf der Bühne, während Kohlen-Priebe die Stücke für das Ensemble Flin selber schreibt und in Szene setzt. Sechs Darsteller agieren in den hauseigenen Produktionen – darunter „Fast Faust oder des Pudels Kern“ und „Was Frauen wollen“, die meist am Wochenende auf Flin-Brettern zu sehen sind.

Insgesamt vier eigene Stücke pro Saison spielen sie, nicht „ensuite“, sondern im schnellen Wechsel mit anderen Stücken oder Gastkünstlern. So langweilen sich selbst ihre Stammkunden nicht, im Gegenteil: sie kommen im Flin in den Genuss von permanenter Abwechslung.

Die Comedians, die viele aus Internet oder TV kennen, bescheren dem Kabarett-Theater außerdem einen günstigen Nebeneffekt. In letzter Zeit frequentieren auch jüngere Zuschauer – Pardon „Gäste“ – ihren den Club. Während älteres Publikum verstärkt mit einer eigenen Heinz-Erhardt-Show gelockt werden. Da steht nicht etwa ein Imitator mit dickem Bauch und Brille mit schwarzem Rand auf der Bühne, sondern mehrere Schauspielerinnen drehen Erhardt-Texte durch die Mangel und die legendären Gedichte des einst wohl größten Komikers der Republik.

Und was macht das Unternehmen „Kohlen-Priebe und Priebe“ sonst so? An den spielfreien Tagen vermarkten sie ihr Etablissement nicht etwa als Event-Location. Stattdessen geben Fachleute Sprechunterricht und Theaterkurse. Philipp Kohlen-Priebe arbeitet an diesen Tagen im Büro, organisiert Gastspiele und kauft ein für ihr kleines Restaurant. Schleppt zum Beispiel selber Bier- und Wasserkästen. Derzeit schreibt Monsieur an einem neuen Stück. Thema: Theaterprobe. Darin, so viel verrät er heute schon, geht es um den Theateralltag und den ganz normalen (Theater-) Wahnsinn.

Freizeit? Die haben die zwei überwiegend während der Sommer- und Theaterferien. Dann frönen sie ihren Leidenschaften – dem Wandern und ausgedehnten Fernreisen. Gerne nach Afrika. Von Südafrika schwärmen sie – „wegen des besonderen Lichts“. Ansonsten kümmern sie sich auch um die Enkelkinder (zehn und 15) – die Kinder von René Kohlen, Philipp Kohlen-Priebes Spross aus erster Ehe. Michael-Georg Müller

Kabarett Flin, Ludenberger Straße 37. Karten-Reservierung Tel. 0211 / 679 8871 (Anrufbeantworter). E-Mail: kontakt@kabarettflin.de, www.kabarettflin.de