Wie steht es um den Jazz?

Kultur am Rhein:Wie steht es um den Jazz?

Wir haben uns gemeinsam mit dem Düsseldorfer Musiker Sebastian Gahler Gedanken um das musikalische Genre gemacht.

Das Leben ohne Jazz ist einfach ein Irrtum – frei nach Nietzsche, der dieses Diktum zugegeben etwas breiter auf jegliche Musik bezog, ist es für viele Menschen täglich gelebte Praxis. Jazz kann so vieles sein und die unterschiedlichen im Laufe der Geschichte emporgekommenen Strömungen existieren heute weitestgehend simultan. Doch gibt es auch Probleme. Ein Musiker, der viel um Jazz und die Jazz-Szene in Düsseldorf im speziellen weiß, ist der Pianist, Keyboarder und Komponist Sebastian Gahler. Der Düsseldorfer studierte in Köln, hat sich mit seinem Trio fest in die Herzen der deutschen Jazz-Welt gespielt. Doch macht er viel mehr, ist Teil des Jazz Ensemble Düsseldorf und hat darüber hinaus zahlreiche eigene Konzertprojekte und -reihen. Gahler, der Mitglied im Vorstand der Jazzschmiede ist, bereichert die Szene in Düsseldorf mit Programmen wie Jazz im Steinway- Haus, Funky Vibes im KIT, wirkt in der Indigo Jazz Lounge oder macht monatliche Konzerte im Café Muggel.

Viele denken bei Jazz in Düsseldorf sogleich an die so populäre und prominente Jazz Rally. „Sie ist eines der größten Jazz-Festivals in Deutschland, ein großartiges Festival, keine Frage. Doch die Düsseldorfer Jazz-Szene ist eben nicht nur die Jazz Rally, sondern viel mehr“, betont Gahler schon zu Beginn unseres Gesprächs im Café Muggel. Angefangen bei der Jazz-Schmiede, der ein großartiger Jazz-Club sei, der weit über die Stadtgrenzen bekannt und sehr begehrt ist. Doch gebe es auch zahlreiche Versuche Jazz außerhalb der klassischen Jazz-Clubs zu präsentieren, wie in seinen Konzertreihen.

Jazz habe aber auch mit einigen Vorurteilen zu kämpfen. „Menschen assoziieren es mit etwas Schrägem, Dissonantem oder andererseits denken sie, das wäre Musik, die im Hintergrund in Fahrstühlen oder im Restaurant läuft – das höre ich zumindest häufig von Schülern“, resümiert er. Gahler ist seit einigen Jahren auch Musiklehrer am St. Ursula Gymnasium, leitet dort eine Jazz-AG und versucht, den Jazz auch mal von einer anderen Seite zu durchleuchten und junge Menschen dafür zu sensibilisieren, was das für eine großartige Musikform ist.

Apollo Ronall´s Varieté

Jazz mal an die Wupper!

Big Band Swing, ganz klassisch „retro hören“– mit dem Revival des Glenn Miller Orchestra. Sonntag, 10. November in der Historischen Stadthalle Wuppertal. An gleicher Stelle wird es auch vier Tage später swingig: Am 14. November präsentieren das WDR Funkhausorchester und Tom Gaebel Hits in der Tradition von Frank Sinatra & Co.

Fragt man ihn nach einer Definition, einer Annäherung, so wird die DNA von Jazz erspürbar. Ganz wichtig im Jazz sei das Element der Improvisation. „Das ist das zentrale Element des Jazz und die Interaktion innerhalb der Band. Jazz muss lebendig sein, Jazz darf nicht nur reproduzieren. Jeder Musiker bringt ganz individuell seinen Background mit“, beschreibt Gahler. Doch zum Jazz gehört noch mehr, etwa auch in einer speziellen Art und Weise die Harmonik zu erweitern.

Bei dem, was Gahler macht, kommen Attribute hinzu; seine Musik sei ein zeitgenössischer moderner Jazz, mit einem lyrischem Einschlag. Andererseits gestaltet er Programme, die auch Jazz-Neulinge heranführen können: „Durch stilistische Einflüsse aus der Pop- und Soulmusik“. So verwundert es weniger, dass er kaum Probleme mit einer Überalterung von Publikum hat. „Wenn man sich die aktuelle Jazzszene anschaut, haben wir das ganz starke Phänomen, dass sehr viel mit modernen Beats experimentiert wird: Jazz-Harmonik kombiniert mit Soul-Beats oder ein Revival der Fusions- Musik aus den 80ern, 90ern, wie beispielsweise bei der Band Snarky Puppy. Die schaffen es, in ihrer Musik auch ein junges Publikum anzusprechen“, skizziert Gahler die weniger bedrohte Seite. Doch sehe es bei anderen Richtungen problematischer aus. Etwa bei Dixieland, sagt Gahler. Selbst in den USA sehe man bei Konzerten zunehmend weniger Menschen.

Das Problem sei erkannt, doch müsse mehr getan werden, etwa durch innovative Formate, die Jazz erklären. Und wohin entwickelt sich der Jazz in NRW allgemein? Kann man eine Strömung herauslesen? Wenn man über Jazz in NRW spricht, so muss der Name der Stadt Köln fallen: „Es gibt eine sehr starke aktive Jazz-Szene in Köln, die wesentlich größer ist als in Düsseldorf; allein der Tatsache geschuldet, dass es dort eine sehr renommierte Musikhochschule gibt, die eine große Jazz-Abteilung hat.“ Dort gebe es in den letzten Jahren eine Strömung zu beobachten, die zunehmend ein bisschen in die Richtung zeitgenössische Klassik gehe und sich von dem „traditionellen“ Jazz entfernt habe. „Eine Mischung aus Free Jazz, Avantgarde und zeitgenössischer Klassik. Das beflügelt mich persönlich gar nicht so sehr beim Zuhören. Ich finde auch, zeitgenössischer Jazz kann ruhig swingen. Das ist für mich immer ganz wichtig“, sagt Gahler. Christian Oscar Gazsi Laki

Infos zu Sebastian Gahlers Konzert-Reihen wie Jazz im Steinway- Haus, Funky Vibes im KIT oder Gahler & Friends im Muggel unter: sebastiangahler.de