Zehn ganz wichtige Alben aus Düsseldorf

Kultur am Rhein:Zehn ganz wichtige Alben aus Düsseldorf

Sven-André Dreyer und Michael Wenzel haben mit „The Sound of Düsseldorf“ die coolste und lauteste Führung durch die Landeshauptstadt entwickelt. Für unser Magazin haben sie zehn Platten zusammengestellt, die (fast) alle Genres und Zeiten abbilden. Es gibt natürlich noch sehr viele mehr.

1976

La Düsseldorf – La Düsseldorf David Bowie und Brian Eno sind stark vom Sound aus Düsseldorf beeinflusst worden, von einer Band, die so hieß wie die Stadt und auch ihr Debüt-Album so nannte. La Düsseldorf, bestehend aus den Brüdern Klaus und Thomas Dinger sowie Hans Lampe, hervorgegangen aus der Krautrockformation „Neu!“. Dafür gibt es höchstes Lob von unseren Experten Sven-André Dreyer und Michael Wenzel: „Lange, über weite Strecken instrumentale Stücke erinnern noch an Krautrock und setzen unter anderem durch ein extrem präzise gespieltes Schlagzeug neue musikalische Signale. Klaus Dinger gilt als Erfinder des Motorik-Beats, einem durchgehenden Rhythmus, der sich durchaus zehn Minuten und länger entweder wenig oder gar nicht ändert.“

1978

Riechmann – Wunderbar Mit diesem Album ist eine sehr traurige Geschichte verbunden: Der Musiker Wolfgang Riechmann wurde kurz vor dem Erscheinen in der Altstadt niedergestochen und starb wenige Tage später im Krankenhaus. So erlebte er nicht mehr, wie sein Debüt auf den Markt kam. Die beiden Experten beschreiben „Wunderbar“ als „ein perfekt geschliffenes Klangjuwel, das bis heute zwischen dem klaren Design von Kraftwerk und den opulenten Gemälden der Berliner Tangerine Dream hervorstrahlt“.

1978

Kraftwerk – Die Mensch-Maschine Keine Düsseldorf- Liste ohne Kraftwerk, das ist klar. Aber welches Album nehmen? Dreyer und Wenzel empfehlen „Die Mensch-Maschine“, die heute als vierte Veröffentlichung im Kraftwerk-Katalog (zählend ab dem Album „Autobahn“) betrachtet wird, inoffiziell aber bereits die achte ist, denn zuvor erschienen „Tone Float“ (als „Organisation“), „Kraftwerk“, „Kraftwerk 2“ und „Ralf und Florian“. Das Lob der Experten: Die Platte ist „eine Fusion aus Elektronik und stilisierten ,Musik-Arbeitern‘. Ihr gelingt jedoch auch der Sprung in den Pop-Kosmos: Stücke wie Neonlicht und Metropolis sind mit einer Länge von rund sechs Minuten eher charttauglich.“

1979

Male – Zensur & Zensur Jürgen Engler taucht an verschiedenen Stellen in der Düsseldorfer Musikgeschichte auf, zum ersten Mal mit seiner Band Male, die in den Proberäumen im Keller des Plattenladens „Rock on“ an der Schadowstraße ihren Anfang nahm. Dreyer und Wenzel betonen, dass das Album „Zensur & Zensur“ als erste deutsche Punk-Platte gilt: „Sie ist vollständig eigenständig entworfen und produziert – der Do-it-yourself-Gedanke, den der Punk stets propagierte, wird mit diesem Album vollständig getragen.“
            

1980

Der Plan – Geri Reig Die Gruppe Der Plan bestand aus einem Musiker (Kurt Dahlke) und zwei bildenden Künstlern (Moritz Reichelt und Frank Fenstermacher) und schuf dank dieser seltenen Kombination einen neuen Sound, aus dem später die Neue Deutsche Welle wurde. „Das Album ,Geri Reig‘, angelehnt an das amerikanische ‚jerry-rig‘ fügt unter bewusster Nicht-Nutzung von Standards, also zum Beispiel herkömmlichen Instrumenten, etwas Neues zusammen und gilt als experimentell und innovativ zugleich“, erläutern die Experten.

1981

Deutsch Amerikanische Freundschaft – Alles ist gut Der Ratinger Hof spielt in der Düsseldorfer Musikgeschichte eine riesige Rolle, aus dessen Umfeld stammen auch das Duo DAF und dessen reduzierter Elektropunk. Mit den Worten der Experten: „DAF sorgte mit Stücken wie ,Der Mussolini‘ und ,Der Räuber und der Prinz‘ für Furore, Sound und Sprache, aber auch Auftreten und Eigendarstellung der Musiker sorgten für Verstörung einerseits und absolute Tanzbarkeit andererseits.“

1983

Die Toten Hosen – Opel-Gang So wie Kraftwerk sind natürlich auch die Toten Hosen gesetzt, die in der Stadtführung der beiden Experten mit ihrem legendären Konzert in der Schneider-Wibbel-Gasse vorkommen. Hier sind sie mit ihrem Frühwerk vertreten. Dreyer und Wenzel sagen dazu: „Das Titelstück kondensiert jugendlichen Ungestüm und Autoschrauberromantik auf eine rasante Minute und 57 Sekunden. Bis heute ist der vertonte Geschwindigkeitsrausch ein Muss auf Live-Konzerten.“
             

1999

Phoneheads – Peak Position Ähnlich wie der Ratinger Hof war auch der Unique Club in der Altstadt ein entscheidender Ort für viele Künstler, darunter das DJ-Duo Phoneheads (Philipp Maiburg und Michael Scheibenreiter). „Zwischen den Nachtschichten an den Plattentellern basteln die beiden an ihrer eigenen Audiovision elektronischer Tanzmusik. Das Ergebnis ist der Meilenstein ,Peak Position‘, der zum neuen Evangelium der deutschen Drum‘n‘Bass-Szene wird“, erklären die Pop-Stadtführer.

2008

Hauschka – Ferndorf Es gibt eine ganze Reihe von Düsseldorfer Künstlern, die in der Welt noch bekannter sind als in ihrer Heimatstadt. Dazu zählt der Komponist und Pianist Volker Bertelmann alias Hauschka, dessen drittes Album unsere Experten für diese Liste ausgewählt haben. Ihr Urteil: „Aus dem Klavier sprudeln die Erinnerungen an eine Jugend im Siegerland. Ein melancholisches, zeitloses Meisterwerk des Ausnahmekünstlers.“

2009

Kreidler – Mosaik 2014 Am Anfang und am Ende dieser Liste steht der Krautrock. Kreidler hat für ihr Comeback vor zehn Jahren die „Melange aus Krautrock und Elektronik hörbar perfektioniert und überrascht mit enormer Ideenvielfalt“, sagen Sven-André Dreyer und Michael Wenzel. „So klingt die Avantgarde!“ Christian Herrendorf

Die Führung „The Sound of Düsseldorf“ findet samstags ab 11 Uhr statt und dauert etwa zwei Stunden. Die Tickets dafür kosten 13 Euro, für Kinder bis 13 Jahre die Hälfte und sind erhältlich bei Düsseldorf Tourismus.