„Der Meistertitel hat und behält seine Signalfunktion“

Meisterfeier der Handwerkskammer Düsseldorf:„Der Meistertitel hat und behält seine Signalfunktion“

HWK-Präsident Andreas Ehlert betont die Bedeutungdes Meistertitels.

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Die Konjunktur gerät nach Jahren des Wachstums zunehmend unter Druck. Welche Bedeutung kommt in solch schwierigen Zeiten dem Handwerk und insbesondere seinen Handwerksmeistern zu?

Andreas Ehlert: Eine schöne Frage, die mitten ins Herz unseres so langlebigen wie anpassungsfähigen Wirtschaftssektors und unserer Volkswirtschaft zielt. Rund 100 junge Handwerkerinnen und Handwerker – mehr als noch ein Jahr zuvor – haben im vergangenen Jahr ihre Meisterausbildung im Kammerbezirk Düsseldorf erfolgreich abgeschlossen; wir nähern uns bei den Absolventen, die regelmäßig die Meisterschulen unserer Akademie hier in Düsseldorf verlassen, wieder der „Eintausender“-Marke an. Jeder zweite dieser Jungmeisterinnen und -meister will in den kommenden Jahren einen Betrieb gründen oder eine Firma weiterführen, die einen Nachfolger benötigt. Das wissen wir aus der regelmäßigen Befragung unserer Meisterjahrgänge. 80 Prozent der neuen Meister wollen selbst Nachwuchs an die Berufsreife heranführen. Die Qualifizierungskette Lehrling – Geselle – Meister bleibt damit der verlässlichste Arbeitgeber und die bedeutendste Unternehmerschule der deutschen Wirtschaft.

Warum macht es heute Sinn, sich nach der Ausbildung im Handwerk zum Meister weiterzubilden?

Ehlert: Zum einen befähigt die Meisterqualifikation über das Spitzenlevel in der fachlichen Beherrschung eines Handwerksmetiers hinaus eben zur Unternehmensführung und zur pädagogisch fundierten Unterweisung von jungen Menschen. Unternehmen, die von einem Meister gegründet oder fortgeführt werden, sind zum weit überwiegenden Teil auch Jahre später noch existent und erfolgreich. Das haben wir gerade erst wieder bei einem Check der Verweildauer von Existenzgründungen des Jahres 2014 im Handwerkskammerbezirk Rhein/Ruhr/Wupper herausgefunden. Der Meistertitel hat und behält darüber hinaus seine ganz wichtige Signalfunktion für den Kunden in einem Marktsegment, in dem es auf individuelles Können ankommt, um ein konkretes, individuelles Problem vor Ort zu lösen. Ohne dieses Label, ohne diesen Qualitätsnachweis der Meisterschaft wäre es für Auftraggeber schwierig zu beurteilen, welche Kompetenz ein Anbieter mitbringt.

Können Handwerksmeister Vorbilder in unserer Gesellschaft gerade für junge Menschen sein?

Ehlert: Klares Ja. Wer als Meisterin oder Meister Verantwortung für sich, eigene Mitarbeiter und die Arbeit beim Kunden tagtäglich vorlebt, und häufig genug über dieses nicht geringe Pensum hinaus sich noch gesellschaftlich einbringt im Quartiers- oder Dorfleben, im Verein, in der Feuerwehr oder anders sozialkaritativ, der strahlt zweierlei aus, das attraktiv ist: Könner und Macher zu sein und gleichzeitig bereit, das, was er kann und ist, in den Dienst einer Gemeinschaft zu stellen, mit anderen zu teilen.

Wie können mehr junge Frauen davon überzeugt werden, im Handwerk eine Führungsrolle zu übernehmen?

Ehlert: Am besten gelingt dies – Frauen. Deshalb setzen wir bei unseren Info- und Sympathiekampagnen stark auf die Strahlkraft von echten Handwerkerinnen, die es zum Glück in steigender Zahl auf allen Ebenen gibt, von der Ausbildung bis in die Unternehmensspitze. Und bringen, wo auch immer wir können, Frauen wie Madita Brauer ins Gespräch, die als „@frauimhandwerk“ als Influencerin mit Witz über ihren Alltag als Lehrling zur Anlagenmechatronikerin berichtet und Tausende begeistert. Der letzte Geschäftsbericht der Handwerkskammer hat sich unter der Überschrift „In Frauenhand“ sogar ausschließlich dem weiblichen Fokus im Handwerk gewidmet und authentische und individuelle Karrierewege von erfolgreichen Frauen aus dem Kammerbezirk porträtiert.

Welches Ansehen hat heute ein Handwerksmeister in der Gesellschaft?

Ehlert: Generell ein hohes, wie wiederholte Umfragen großer Meinungsforschungsinstitute zum Berufsrenommee zeigen. Dennoch hat das Handwerk in den letzten Jahren seinen Stand gegenüber akademischen oder auch Medien-Berufswelten behaupten müssen. Je näher der Kontakt zum Meisterhandwerk aber ist, ob vor der Berufswahl oder bei der Auswahl des Unternehmens, das meinen Ausbau oder eine energetische Ertüchtigung meines Hauses oder meiner Wohnung vornehmen soll, desto klarer die Wertschätzung für die Persönlichkeit und Kompetenz, die mir da gegenübertritt.

Was geben Sie den jungen Meistern auf den Weg, die an diesem Wochenende ihren Meisterbrief erhalten?

Ehlert: Wir ermutigen unseren tollen Führungskräfte-Nachwuchs, an seinen Zielen und Träumen festzuhalten. Und machen ihn darauf aufmerksam, dass wir für all seine künftigen beruflichen Lebenslagen als Kammer einen ökonomischen, technischen, rechtlichen oder pädagogischen Rat und Ansprechpartner parat haben.

Wie hat sich die Weiterbildung zum Handwerksmeister in den vergangenen Jahren verändert – Stichwort Digitalisierung der Berufe? Wo liegen die Schwerpunkte? Und welche Rolle spielt der Weg in die Selbstständigkeit bei den Jungmeistern?

Ehlert: Zum einen haben wir in den letzten Jahren Millionenbeträge in eine volldigitalisierte Lernausstattung und in modernste Anlagentechnologie in unseren Meisterschulen investiert. Dann ist die Beratung vor dem Qualifizierungsschritt immer wichtiger, mit zeitgemäßen Kurzvideos, mit aktuellen Fortbildungsteilnehmern und dem Angebot von Mentoren. Der Austausch zwischen Lernenden und Dozenten untereinander verläuft insgesamt viel lebendiger, zum Beispiel in Lern- und Trainingsgruppen für unternehmerisches Denken von Anfang an.

Wo ist der Meistertitel besonders gefragt?

Ehlert: Die großen Meisterschulen in Kraftfahrzeugtechnik, Versorgungs- und Gebäudetechnik, Elektro- und Informationstechnik haben eher noch an Bedeutung gewonnen; dagegen ist es nicht einfacher geworden, Meisterklassen in spezialisierteren Berufen wie der Feinwerkmechanik oder Orthopädietechnik zu bilden, obwohl gerade diese für die Zulieferfunktion des Handwerks zur Industrie oder aufgrund wachsender Bedarfe und Nachfrage oft besonders wichtig und zukunftsträchtig sind.