Im Von der Heydt das erste „Vollbad“ im Museum genommen

Mina:Im Von der Heydt das erste „Vollbad“ im Museum genommen

                          

Eine Handvoll attraktiv gestalteter Einladungskarten zu Ausstellungen auf dem schmalen Fenstersims, zwei Bilder auf dem Sideboard – Platzhalter, die mit persönlichen Geschichten verknüpft sind: das neue Büro von Roland Mönig ist vor allem funktional, Zeit zum Bilderaufhängen war bislang nicht. Der schöne, großzügig geschnittene Eckraum mit dem langen Fensterband in dem mehrgeschossigen Haus am Wall gibt den Blick frei auf das diagonal gegenüberliegende Von der Heydt-Museum. Wirkungsstätte seit April. Die Coronakrise unterband bislang öffentliche Auftritte. Den Kontakt zu den Menschen vermisst der neue Museumsdirektor, der zuletzt das Saarlandmuseum und das Museum für Vor- und Frühgeschichte leitete. Die Coronakrise bremste auch die Verlegung des Hauptwohnsitzes nach Wuppertal aus. Also bewohnt er ein Appartement und pendelt am Wochenende nach Saarbrücken, wo seine Frau lebt und arbeitet. „Wir müssen erstmal zweigleisig denken“, sagt Mönig und betont, dass er an seinen Umzugsplänen festhält. Weil er die Menschen hier kennenlernen, in ihrer Stadt leben will.     

Roland Mönig ist ein Ruhrpottkind, wurde 1965 in Bochum geboren, kennt natürlich das Bergbaumuseum von klein auf an. Zum Kunstgenuss fuhr die Familie viele Sonntagvormittage ins Folkwang-Museum in Essen. „Der erste Künstler, den ich mit Namen kannte, war Franz Marc. Die haben dort ein Bild mit einem wunderbaren Pferd von ihm.“ Der „mit einer beachtlichen künstlerischen Begabung“ ausgestattete Vater vermittelte dem Sohn Fertigkeiten in und Liebe zum Malen und Zeichnen. Die Mutter schliff „mit liebevoller Unerbittlichkeit“ an seinen Schulaufsätzen und prägte seinen Zugang zur Sprache. Als junger Mann mit 18 Jahren schwärmte er für William Turner und Vincent van Gogh, „die üblichen Verdächtigen“ eben. Noch heute schaut er, wenn er in London ist, bei Turner in der Tate Gallery vorbei. Der Vater hatte den Zwölfjährigen mit dem Museum bekannt gemacht. Das Kunstinteresse ist in den vergangenen 25 Jahren dem Arbeitsschwerpunkt ins 19. bis 21. Jahrhundert gefolgt, besonders in die Zeit nach 1945. „Kunstwerke tun etwas miteinander und mit dem Raum. Sie sind am besten durch die Arbeit mit zeitgenössischen Künstlern zu erfahren“, erzählt der Experte, der nicht nur mit Jannis Kounellis Ausstellungen aufgebaut hat.

Gemeinsam allem gewachsen

Mit der Sprach- und Kunst-Prägung aus dem Elternhaus im Gepäck studierte Roland Mönig Kunstgeschichte und Germanistik. Erkannte, dass er zur Theorie die Praxis brauche, arbeitete deshalb viel an Volkshochschulen und machte zwei Jahre lang Führungen durchs Von der Heydt-Museum. Nach diesem ersten „Vollbad“ im Museum heuerte er 1997 am Museum Kurhaus Kleve an – arbeitete sich hoch. „Ich bin 17 Jahre geblieben, weil ich mich dort stark einbringen konnte, wir haben wirklich tolle Dinge gemacht, obwohl wir fast nie Geld hatten“, erinnert er. 2013 ging es dann nach Saarbrücken.

Im Museum zu arbeiten sei für ihn „das Schönste, was man machen kann“, erzählt Mönig, sei Beruf und Hobby zugleich. Abgesehen davon, dass er gerne liest, ins Kino geht und verreist - „am liebsten mit meiner Frau“. Der Weg dahin habe sich „wie viele gute Dinge im Leben“ ergeben. Im Museum habe er mit besonderen Dingen und Menschen zu tun, in einer großartigen, manchmal auch herausfordernden Situation. „Man wird nie fertig, lernt und findet dauernd Inspiration, bleibt zugleich mit den Füßen auf der Erde.“ Kunsthistoriker, Mönig nennt sie „Bilderwerfer“, gerieten beim Umgang mit realer Kunst oft unter Realitätsdruck. Weil sie ,,zu einem bestimmten Thema und mit bestimmten Ressourcen alle drei bis vier Monate durch das Nadelöhr einer neuen Ausstellung schlüpfen und dann auch noch das Publikum überzeugen müssen“. Was ihn jedoch nicht schreckt, er ist vom Museum, „diesem vielseitigsten und komplexesten Bereich“, fasziniert.

Seine „private Sammlung“ sei keine: „Ich habe ein paar tolle Bilder, die mit Kontakten zu Künstlern zu tun haben“, sagt Mönig, und dass er eher puristisch sei, ohne auf den „visuellen Stimulus“ verzichten zu wollen. Vielleicht findet sich ja bald Zeit zum Bilderaufhängen – im Büro und in einem neuen Zuhause in Wuppertal. Von Monika Werner-Staude