Vision und Schrecken der Moderne

Mina:Vision und Schrecken der Moderne

Ausstellung im Von der Heydt-Museum

Auch das Von der Heydt-Museum wartet mit einer Ausstellung auf, die Friedrich Engels 200. Geburtstag würdigt. Ab 17. November lädt es zu „Vision und Schrecken der Moderne – Industrie und künstlerischer Aufbruch“. Marx und Engels hatten das in Folge der industriellen Revolution entstandene Wirtschaftssystem des Kapitalismus kritisch analysiert. Die Ausstellung fragt, wie sich die kulturellen und sozialen Aspekte der Industrialisierung in der Bildenden Kunst vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart niedergeschlagen haben.  

Friedrich Engels wurde 1820 in Barmen im Wupper-Tal geboren – in einem Zentrum der Textilindustrie des 19. Jahrhunderts. Ausgangspunkt des industriellen Aufschwungs mit seiner weltbewegenden Dynamik. Die Porträtmalerei kam hier zu hoher Blüte und spiegelt das neue Selbstbewusstsein des Wirtschaftsbürgertums. Gleichzeitig thematisierten um 1850 Künstler der Düsseldorfer Malerschule die schwierigen Lebensbedingungen der Arbeiter.

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Unter dem Einfluss des Naturalismus setzten sich seit den 1880er Jahren Künstler wie Hans Baluschek in der Malerei, Max Klinger und Käthe Kollwitz in der Graphik, Constantin Meunier und Bernhard Hoetger in der Skulptur intensiv mit der Misere des Proletariats auseinander. Mit einer unheilvollen Allianz aus Industrie und Militarismus markierte der Erste Weltkrieg eine zeitgeschichtliche Zäsur. In der angespannten Nachkriegssituation wandten sich Maler wie u. a. Conrad Felixmüller, George Grosz, Otto Dix sowie die Kölner Progressiven um Heinrich Hoerle und Franz Wilhelm Seiwert linksgerichteten politischen Bestrebungen zu. Gleichzeitig waren Künstler der Neuen Sachlichkeit, etwa Carl Grossberg, Max Beckmann oder Franz Radziwill, beeindruckt von den Phänomenen der neuen Industrielandschaft, der Dynamik der Großstadt, der magischen wie unheimlichen Anziehungskraft der Maschine.

Ein eigenes Kapitel der Ausstellung bildet die Auseinandersetzung der Fotografie mit der Industriearchitektur: Von ihrer Entdeckung als abbildungswürdigem Gegenstand in den 1920er Jahren durch Eugen Batz oder Albert Renger-Patzsch, in deren Fotoarbeiten sich der Geist einer neuen Epoche ausdrückt, führt die Entwicklung zur künstlerischen Dokumentation der Epoche. Etwa in der „Subjektiven Fotografie“ eines Peter Keetmann in den 1950er Jahren oder in den 1970er Jahren bei Heinrich Heidersberger.

Die Ausstellung endet offen und macht einen zeitlichen Sprung: zu Positionen der Gegenwartskunst, u.a. von Andreas Sieckmann, Thomas Locher, Maike Freess und Maarten Vanden Eynde. Denn aktuell stehen Industrialisierung und ihre Folgen stark in der Kritik: Künstler prangern Globalisierung und Umweltzerstörung, Materialismus und Militarisierung an und führen den Verlust der Kontrolle über technische Entwicklungen vor Augen. So bestätigt sich gerade heute Friedrich Engels‘ historische Diagnose: Die Vision einer besseren Moderne kann erst entstehen, wenn die Schrecken der kapitalistischen Gesellschaft erkannt werden.