Auf der Suche nach Technologien gegen das globale Problem von Emissionen

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Auf der Suche nach Technologien gegen das globale Problem von Emissionen

Das Circular Valley, also die Etablierung einer zirkulären Wertschöpfungskette mit Zentrum in Wuppertal, nimmt Gestalt an. Bis Ende April 2021 können Start-ups ihre Bewerbung einreichen. Ein Interview mit Sven Stein, dem Leiter Kommunikation Circular Valley

Das Team des Circular Economy Accelerators auf dem Vorwerk-Werksgelände in Laaken: Volkmar Schlink, Carsten Gerhardt, Sven Stein, Konrad Buck, Michael Keil und Christian Höher (v.l.). Bis zum Monatsende läuft die Bewerbungsfrist für Starts-ups.

Wofür steht der Begriff Circular Valley?

Sven Stein: Circular Valley steht für einen weltweit einmaligen Hotspot zur Etablierung der zirkulären Wertschöpfung. Ziel ist es, Technologien zu entwickeln, die dem global weiter steigenden Problem von mehr als 100 Milliarden Tonnen Emissionen (CO2, Bauabfälle, Produktionsabfälle, Haushaltsabfälle) pro Jahr entgegenwirken. Diese Emissionen fallen zum Großteil an, weil unser Wirtschaftssystem linear ausgelegt ist. Das heißt, Stoffe werden produziert, genutzt und entsorgt. Ein echtes Recycling kann jedoch oft nicht stattfinden, da es technisch nicht möglich ist. So wird unsere Erde zur Mülldeponie.

Im Circular Valley kommen nun Start-ups aus der ganzen Welt zusammen, um zu einem vorher definierten Thema im Dialog mit Wirtschaft und Wissenschaft einen Stoffkreislauf zu entwickeln. Gemeinsam schmieden Unternehmen und Start-ups Ideen, die das Wiederverwenden von bereits produzierten Stoffen ermöglichen und dies gleichzeitig wirtschaftlich attraktiver werden lässt als die unnötige Nutzung kostbarer und knapper Ressourcen. Damit können Immissionen in die Erde, Luft und Wasser und der Bedarf an neuen Rohstoffen spürbar reduziert werden.
   

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Wo ist das Circular Valley?

Stein: Als Circular Valley versteht sich die gesamte weitere Rhein-Ruhr-Region unter Einbezug von Rheinischem Revier, Niederrhein, Münsterland, Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen. Denn nirgends sonst auf der Welt finden sich mehr als 300 Weltmarktführer in unmittelbarer Nähe zueinander, von denen viele für sich alleine bereits Erfahrungen im Bereich der zirkulären Wertschöpfung gemacht haben. Gleichzeitig sind die Unternehmen in eine einzigartige Wissenschaftslandschaft eingebettet, bestehend aus Universitäten, Hochschulen und Instituten. Nebenbei liegt es auch in der langen Tradition dieser weltoffenen Region, marktprägende Impulse zu setzen. Start-ups finden hier somit ideale Bedingungen zu forschen und sich anzusiedeln. Wir möchten diese Beteiligten mit exzellenten Startvoraussetzungen zusammen an einen Tisch bringen.

Wer hatte die Idee, und wann ist diese entstanden?

Stein: Die Idee kam Dr. Carsten Gerhardt aus der Beobachtung heraus, dass es auf der ganzen Welt für verschiedenste Bereiche sogenannte Hotspots gibt. Beispielsweise das Silicon Valley für Plattform-Unternehmen, London für FinTech oder Tel Aviv für Cybertech. Es gab aber, wie er feststellte, keinen globalen Hotspot für das große Thema der zirkulären Wertschöpfung, wo Menschen, die sich mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzen, zusammenkommen können. Daher hat er die Idee des Circular Valley gemeinsam mit Wegbegleitern aus der Wuppertalbewegung ins Rollen gebracht.

Wieweit ist die Umsetzung gediehen?

Stein: Zum Zeitpunkt April 2021 haben wir eine breite Schar von Unterstützern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik für die Idee gewinnen können. Die Wuppertalbewegung als Initiator hat die Förderung der zirkulären Wertschöpfung im vergangenen Dezember in ihre Satzung aufgenommen. Damit konnte sie die Anschubfinanzierung für die Circular Economy Accelerator GmbH und die Circular Valley Stiftung bereitstellen. Beide sind mittlerweile bereits gegründet. Aktuell laufen die Bewerbungen für die ersten Start-ups, die ihre Ideen zur Schließung von Stoffkreisläufen unter der Überschrift des European Green Deal einreichen können.

Gibt es finanzielle Förderung und darüber hinaus staatliche Unterstützung?

Stein: Das Konstrukt des Circular Valley sieht neben dem Einbringen von Eigenleistungen und wirtschaftlicher Unterstützung auch eine Förderung durch das Land und aus Mitteln der Europäischen Union vor. Unterstützt wird das Vorhaben von mehreren Ministerien und NRW-Wirtschaftsminister Professor Andreas Pinkwart als Schirmherr sowie von den teilnehmenden Unternehmen. Allen Förderern gemein ist der Wunsch, die zirkuläre Wertschöpfung hier in NRW zu etablieren, die Transformation der Wirtschaftsweise der Unternehmen hin zu mehr Nachhaltigkeit zu ermöglichen und letztlich Innovation und Arbeitsplätze zu schaffen sowie internationale Start-ups im Circular Valley anzusiedeln.

Wie wird das Projekt finanziert? Welche Unternehmen konnten Sie bislang für die Idee gewinnen?

Stein: Wir sind mit der Idee überall auf offene Ohren gestoßen. Vom mittelständischen metallverarbeitenden Betrieb bis hin zum multinationalen Konzern haben alle die Relevanz und auch die Chance von Circular Valley verstanden und begeistert aufgenommen. Wir waren extrem erfreut von der sofort positiven Stimmung bei diesem Thema. Wir können nun mit mehr als 50 Unternehmen auf das gesamte Wirtschaftsspektrum zurückgreifen und völlig neue Impulse setzen. Diese Vernetzung und Akzeptanz wird letztendlich den Erfolg von Circular Valley ausmachen. Denn wenn beispielweise ein Entsorger von Plastikbechern dem Hersteller derselben sagen kann, dass die Becher aufgrund von Material oder Farbe nicht wiederverwendet werden können, kann der Hersteller dies ändern. Oder aber ein Start-up entwickelt gemeinsam mit Hersteller und Entsorger ein völlig neues, umweltschonenderes Verfahren zur Herstellung.

Diese Art der Kommunikation und dem „zusammen denken“ findet aktuell noch wenig statt.

Sie haben Anfang des Jahres 2021 einen Standort bei der Vorwerk & Co.KG im Werk Laaken bezogen. Warum gerade dort?

Stein: Die Vorwerk & Co. KG war einer der ersten Unterstützer des Circular Valleys. Bei der Suche nach Räumlichkeiten für die Circular Valley Accelerator GmbH wurde uns die großartige Möglichkeit eröffnet, am Standort Laaken von Vorwerk Räume zu beziehen. Der Standort wird nun gemeinsam mit Vorwerk weiter ausgebaut, sodass in der Zeit nach Corona die Arbeit umgehend beginnen kann.

Konkret wird die Circular Valley Accelerator GmbH weltweit passende Star-ups identifizieren, ansprechen und hier am Standort betreuen. Dazu gehört auch die Koordination des Austauschs mit Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.

Die Bewerbungsfrist für die erste Kohorte von Start-ups für den Circular Economy Accelerator läuft bis zum 30. April 2021. Was genau bedeutet das?

Stein: Wir sammeln Start-ups in sogenannten Kohorten. Dies ermöglicht thematisch passende Arbeitsgruppen und eine Schachtelung der Abläufe innerhalb des Circular Economy Accelerator. Damit ermöglichen wir ideale Arbeitsvoraussetzungen für alle beteiligten Firmen. Die erste Kohorte wird gerade gebildet beziehungsweise bis Ende April 2021 können Start-ups über unsere Webseite www.circular-valley.org ihre Bewerbung einreichen. Danach suchen wir 15 Start-ups nach einem festgelegten Bewertungsschema aus und beginnen mit der Zusammenarbeit. Im Herbst startet dann die zweite Kohorte.

Wer bewirbt sich?

Stein: Wir haben Bewerbungen von jungen Unternehmen aus der ganzen Welt. Es ist jeden Tag wieder erstaunlich zu sehen, wo überall auf der Welt isoliert Themen der zirkulären Wertschöpfung angegangen werden und von wo Bewerbungen eintreffen. Allen Start-ups gemein ist ein Schwerpunkt auf die Reduzierung von Emissionen, dem Ermöglichen von echtem Recycling oder der ressourcenschonenderen Herstellung von Materialien.

Dies kann ein Softwareunternehmen sein, welches mittels selbstlernender KI-Recyclingprozesse optimiert. Oder ein Bio-Tech Unternehmen, welches mit neuen Fasern arbeitet, die bei der Herstellung von Kleidung nur noch ein Bruchteil an Wasser benötigen und am Ende des Produktlebenszyklus wiederverwendet werden können.

Welche Themen stehen im Fokus und inwieweit wirkt sich Corona in dieser Bewerbungsphase aus?

Stein: Die erste Gruppe an Startups wird coronabedingt virtuell zusammenkommen. Ansonsten hat Corona keine negativen Auswirkungen. Im Gegenteil beobachten wir, dass viele Start-ups erst im letzten Jahr ihre Ideen entwickelten. Anscheinend förderte die Zeit des Lockdowns auch die Kreativität.

Ein Hauptthema werden Technologien sein, die in den Hauptfeldern des „EU Green Deal“ dazu beitragen können, Emissionen und Umwelteinträge zu reduzieren. Hauptziel des „EU Green Deal“ ist die Transformation der Europäischen Wirtschaft hin zu geschlossenen Kreisläufen in den unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen wie Energieerzeugung, Industrie, Landwirtschaft und anderes mehr.

Wirkt sich Corona in dieser Bewerbungsphase aus? Wie geht es weiter?

Stein: Nach dem Ende der ersten Bewerbungsphase suchen wir bis zu 15 zueinander passende Start-ups aus den Bewerbungen aus und starten die Vernetzung mit Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Der Fortschritt kann auf unseren Social-Media-Kanälen verfolgt werden.

Gleichzeitig möchten wir weiter Unternehmen für die Idee begeistern und das Netzwerk und die Akzeptanz vergrößern. Denn je mehr Menschen an die Chancen einer Kreislaufwirtschaft glauben, desto eher schaffen wir es, Lösungen zu entwickeln, die uns Menschen ein gesundes, komfortables sowie friedliches Leben ermöglichen und unsere wunderbare Erde schützen.

Ganz nach dem Leitsatz des Circular Valley: „Grow the Economy – Protect the Environment.“


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Klaus Koch, Unternehmensservice im Jobcenter Wuppertal
Telefon: 0202-74763-939
Mail: klausdietrich.koch@jobcenter.wuppertal.de

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