Die Pandemie wirkt wie ein Katalysator

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Die Pandemie wirkt wie ein Katalysator

Für die Wirtschaft in der Region wird Digitalisierung immer wichtiger.

Frank Balkenhol ist Leiter der Wirtschaftsförderung Solingen.

Die Pandemie hat der regionalen Wirtschaft ihre Schwächen klar vor Augen geführt. Deshalb nimmt das Tempo der Digitalisierung bei den Unternehmen deutlich zu. Corona ist hier wie ein Boostereffekt. Dagegen haben die öffentlichen Fördermittel, die vor der Pandemie das Thema antreiben sollten, einen deutlich geringeren Effekt gehabt“, erklärt der Leiter der Wirtschaftsförderung Solingen, Frank Balkenhol mit Blick auf die aktuelle Entwicklung im Städtedreieck Wuppertal, Solingen und Remscheid.

Die erforderliche Infrastruktur sei vorhanden und müsse nur noch genutzt werden, sagt der Experte mit Blick auf den Breitbandausbau. Die Unternehmen hätten hier vor der Pandemie mit Investitionen oft gezögert. Jetzt sei man eher bereit, höhere Preise für die schnellen Datenleitungen zu zahlen. Für die Breitbandversorgung gibt es eine entsprechende staatliche Förderung, allerdings muss ein Eigenanteil von den Unternehmen investiert werden.
   

Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände e. V. – VBU®

Breitbandversorgung bleibt in der Region eher mittelmäßig

„Noch gibt es hier deutlich Luft nach oben. Die Breitbandversorgung bleibt in der Region eher mittelmäßig. Trotz der Pandemie gibt es noch immer Unternehmen, die hier die Kosten scheuen und sich mit den bisherigen langsameren Datenleitungen begnügen. Dabei geht es um die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Dafür muss man auch jetzt noch mehr Bewusstsein schaffen. Außerdem fehlt es im Moment an Baukapazitäten für den weiteren Breitbandausbau“, zeigt sich Klaus Appelt als Bereichsleiter Innovation und Umwelt bei der Bergischen IHK nicht ganz so optimistisch.

Die digitale Wirtschaft stehe im Moment nicht schlecht da. Es gebe aber Unterschiede: „Dienstleister, die in ihrem Portfolio Thema wie Homeoffice und IT-Sicherheit haben, sind aktuell sehr gefragt. Die Kollegen, die mit ihren Dienstleistungen an der Industrie hängen, haben es da nicht ganz so einfach. Themen wie ‚Industrie 4.0‘ stehen jetzt in schwierigen Zeiten nicht mehr so im Vordergrund“, erläutert Appelt.

Ganz weit vorne bei der Digitalisierung seien die Informations- und Kommunikationsbranche sowie die Finanzbranche wie Banken mit ihrem Online-Banking, den digitalen Börsen- und Termingeschäften oder der Kundenberatung über Chats. „Da kann man mit einem Klick fast alles kontaktlos erledigen.“ Schlusslicht in der digitalen Welt ist laut Appelt die Gastronomie, da es hier noch wenige Möglichkeiten gebe, das Thema anzugehen.

„Die Industrie liegt irgendwo dazwischen. Sie ist mit ihrer modernen Produktionstechnik und der so möglichen zunehmenden Automatisierung auf einem guten Weg. Auch die Lagerhaltung läuft weitgehend digital. Für das menschliche Auge sieht das auch schon mal etwas chaotisch aus. Aber der Roboter findet jedes Produkt im Lager dank der modernen digitalen Technik schnell und präzise.“ Eine große Herausforderung sei die Digitalisierung im Corona-Lockdown für den Einzelhandel gewesen: „Das musste alles ad hoc passieren. Der Onlinehandel erfordert ganz andere Geschäftsprozesse, auf die sich die Einzelhändler erst einmal einstellen mussten.

Frank Balkenhol betont, dass nicht alle drei Städte die gleichen Voraussetzungen für die Digitalisierung hätten. „Bei uns in Solingen haben wir eine eher kleinteilige Struktur mit vielen Betrieben, die weniger als zehn Mitarbeiter beschäftigen. Die haben ganz andere Anforderungen und Reaktionsmöglichkeiten, als dies bei großen Unternehmen, zum Beispiel in der Automobilindustrie, der Fall ist.“ Er ist aber überzeugt, dass jeder das Thema umsetzen kann: „So gab es beim Einzelhandel neue Plattformen wie ‚Solingen liefert‘ und wer als Soloselbstständiger Yoga-Kurse anbietet, kann dazu auch Videokonferenzen oder Podcasts nutzen. Wichtig ist aber, dass die Schule bei dieser Entwicklung hinterherkommt. Denn Eltern müssen auch dann von zu Hause weiter arbeiten können, wenn ihre Kinder dort im Homeschooling sind.“

Möglichkeiten zur Verbesserung des Geschäftsmodells zeigen

Als Wirtschaftsförderung versuche man ein Vorbild zu sein: „Wir haben alles durchdigitalisiert. Jeder kann mit seinem Laptop und dem Smartphone von überall aus arbeiten. Mit digitalen Meetings und einer digitalen Dokumentation von Projektfortschritten per Cloud sind der Kommunikation keine Grenzen mehr gesetzt. Auch der Kontakt zu den Kunden ist so problemlos möglich. Das ist eine Entwicklung, die bei uns schon vor mehr als zwei Jahren begonnen hat.“

Man setze ehrenamtliche Unternehmensberater in der Region ein, die in Drei-Stunden-Workshops Betrieben die Möglichkeit zur Verbesserung ihres Geschäftsmodells zeigen. Dazu gibt es inzwischen 13 Podcasts mit Fallbeispielen. „So kann man problemlos von anderen lernen und das eigene Geschäftsmodell entsprechend der Anforderungen neu überdenken.“

So könne ein Anbieter von Lüftungsanlagen, der jetzt in der Pandemie seine Technik nicht mehr vor Ort beim Kunden präsentieren kann, die digitale Technik zum Beispiel in Form von Podcasts oder auch Whats-App nutzen. „Alle Tools sind vorhanden. Es braucht nur die Bereitschaft, diese auch einzusetzen.“ Es gebe auch hybride Modelle, wie bei einem Buchhändler, der bestellte Bücher in einem öffentlich zugänglichen Schrank deponiert, der mit einem Code vom Kunden geöffnet werden kann.

Eine professionelle IT-Beratung bietet seit 2005 das Solinger Unternehmen Codecentric, das als kleines Start-up gegründet, inzwischen an 16 Standorten in Deutschland und Europa mehr als 550 Mitarbeiter beschäftigt. Zu den Kunden zählen große Unternehmen wie BMW, Audi, die Telekom oder die Gothaer Versicherung. Das Angebot an Softwarelösungen reicht von der automatischen Optimierung von Internetauftritten über die IT-Sicherheit und den Datenschutz bis zum Digitalisieren von Prozessen im Unternehmen. Damit wird die gesamte IT-Wertschöpfungskette abgedeckt. Probleme beim Kunden werden analysiert und dann mit den Softwarelösungen von Codecentric direkt behoben. Bereits 2009 wurde das Unternehmen als „Wirtschaftlich erfolgreichstes Jungunternehmen in NRW“ ausgezeichnet.


Stets aktuelle Infos für Mitglieder

Neue VBU-Geschäftsführung seit April 2021


Die VBU stellt sich als Dienstleister für die Mitgliedsunternehmen neu auf. Die Unternehmen erhalten für ihre Beschäftigten eine Beratung im Arbeits-, Sozial- und Lohnsteuerrecht. Insbesondere Personalleitungen erhalten so unmittelbar Zugriff auf aktuelle Informationen, sowie Weiterbildungsangebote einer großen Verbandsgruppe mit rund 600 Mitgliedsunternehmen.

Professor Dr. Wolfgang Kleinebrink ist neuer Sprecher der Geschäftsführung und betreut weiterhin folgende Mitgliedsverbände: Verband der Rheinischen Textil- und Bekleidungsindustrie, Arbeitgeberverband der rechtsrheinischen und westfälischen Kalkund Dolomitindustrie und Arbeitgeberverband für das Verkehrs- und Transportgewerbes im Bergischen Land. Er ist zudem Geschäftsführer der Textilakademie NRW gGmbH. Neu in die Geschäftsführung aufgenommen wurden der Leiter der VBU®-Rechtsabteilung, Assessor Michael Schwunk und Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt) Dr. Uwe Kirchhoff.

Die neue Geschäftsführung der VBU® setzt sich demnach wie folgt zusammen: Professor Dr. Wolfgang Kleinebrink (Sprecher), Assessor Michael Schwunk und Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt) Dr. Uwe Kirchhoff.

Michael Schwunk hat die Geschäftsführung folgender Verbände übernommen: Verband von Arbeitgebern im Bergischen Land, Arbeitgeberverband der Metallindustrie von Wuppertal und Niederberg, Arbeitgeberverband Solingen und Arbeitgeberverband der Deutschen Lederindustrie. Dr. Uwe Kirchhoff übernimmt die Geschäftsführung für den Arbeitgeberverband der chemischen Industrie im Bergischen Land, den Arbeitgeberverband der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie Bergisch Land und für den Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Großhandel-Außenhandel-Dienstleistung Bergisch Land.