Kreativ und effizient durch die Krise

Starke Partner im Bergischen

Kreativ und effizient durch die Krise

Es gibt nicht nur Negativbeispiele, sondern auch Gewinner der Krise. Dennoch sind sich Wirtschafts- und Handwerksvertreter einig: Die Corona-Pandemie belastet die meisten Branchen. Viele Unternehmen haben jedoch flexibel reagiert und neue Produktbereiche aufgetan.

Die Bergische Wirtschaft (hier Bayer Wuppertal) hat flexibel auf die Herausforderungen der Corona-Krise reagiert.

Es ist ein Geburtstag, den man so lieber nicht begehen hätte wollen – ein gutes Jahr hält die Corona-Pandemie die Welt nun schon in Atem. Die Auswirkungen auf die Menschen sind zum Teil drastisch – jene auf die Wirtschaft aber nicht minder gravierend. Wenngleich es hier teilweise große Unterschiede gibt. Vor allem Industrie und Gewerbe hätten massive Einschnitte zu verzeichnen gehabt, berichtet Dr. Rolf Volmerig, Vorstand der Wirtschaftsförderung Wuppertal. „Im Frühjahr 2020 brach die Produktion teils massiv ein. Der Grund dafür lag in den Problemen zahlreicher internationaler Lieferketten.“ Besonders stark sei davon die Automobilindustrie betroffen gewesen. Jürgen Steidel von der Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände (VBU) ergänzt: „Die Wirtschaftsleistung in Deutschland ist laut ifo-Institut in 2020 und 2021 insgesamt um 324 Milliarden Euro geringer ausgefallen als sie es ohne die Pandemie gewesen wäre.“

Auch das Handwerk beklagt Einbrüche – allerdings durchaus mit Abstufungen. „Vor allem das Friseurhandwerk und Catering- und Café-Betriebe haben Einbußen erleben müssen. Im Bauhauptgewerbe sieht es hingegen deutlich besser aus“, sagt Kreishandwerksmeister Arnd Krüger. Hierzu ergänzt Volmerig: „Seit Monaten liegen die Branchen Gastronomie, Veranstaltungen, Tourismus und Hotellerie praktisch still. Und es ist noch nicht abzusehen, wann die Situation sich wieder bessert.“ Auch der Einzelhandel sei durch die wiederholten Geschäftsschließungen stark betroffen. „Der großen Kreativität, mit der die Einzelhändler zum Teil an dieses Problem herangegangen sind, steht allerdings ein deutlicher Anstieg im Online-Handel gegenüber“, sagt der Vorsitzende der Wirtschaftsförderung. Positiv sei hier indes zu sehen, dass die Digitalisierung durch Formate wie „Click & Collect“ oder „Click & Meet“ auch vorangetrieben worden sei. Steidel sieht vor allem im Mittel der Kurzarbeit eine Chance für die meisten Branchen, relativ unbeschadet aus der Krise hervorgehen zu können.
   

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Generell gelte: „Was für die deutsche Wirtschaft gilt, spiegelt sich im kleineren Rahmen auch in der bergischen Wirtschaft wider“, wie Volmerig es ausdrückt. Die Zahlen, die bei einer, allerdings nicht repräsentativen, Umfrage der VBU erhoben worden seien, zeigten negative Auswirkungen, die es seinerzeit nicht einmal bei der Finanzkrise 2008/2009 gegeben habe. „Der Industrieumsatz ist laut 2020 IHK um 8,9 Prozent gesunken“, sagt Steidel. Er betont allerdings, dass der internationale Handelsverkehr weiterhin offen bleiben müsse, damit die Lieferketten intakt blieben. „Auf diese Weise kommt die Bergische Industrie derzeit wesentlich besser durch die Krise als im Vorjahreszeitraum“, sagt Steidel.

Die Bergische Wirtschaft sei nach wie vor industriell geprägt, sagt Steidel weiter. Hierbei erweise sich derzeit vor allem als positiv, dass viele Industriebetriebe hochspezialisiert seien und in unterschiedliche Branchen zulieferten. „Das Risiko verteilt sich so insgesamt.“ Neben der Pandemie sehe Kreishandwerksmeister Krüger in diesem Zusammenhang aber vor allem die zahlreichen Automobil-Zulieferer im Bergischen vom Strukturwandel in der Branche betroffen. „Der trifft alle gleichermaßen.“ Generell müsse man den lokalen Unternehmen jedoch ein Lob dafür aussprechen, wie effektiv sie auf die Krise mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mittel reagiert habe, sagt Volmerig. „Der Blick nach vorne wird langsam wieder optimistischer.“ Man konzentriere sich auf vielfältige und zukunftsrelevante Branchen. „Wir sehen die Bergische Wirtschaft insgesamt gut aufgestellt – und glauben, dass sie auch diese Krise bewältigen kann“, sagt Volmerig. Dennoch müsse man durchaus Anstrengungen unternehmen, um die Krise zu überstehen. Nicht überall ist es so wie etwa in einigen Branchen im Handwerk. „Dort sind die Auftragsbücher so voll, dass man kaum hinterherkommt“, sagt Volmerig. Krüger ergänzt: „Viele Leute konnten nicht in Urlaub fahren und haben so ins Haus, den Garten oder die Wohnung investiert.“

Andere Branchen, die profitiert hätten, seien etwa manche Textilunternehmen im Masken-Boom, sagt Volmerg. „So etwa die Firma Bremkamp Elastic GmbH aus Wuppertal-Wichlinghausen. Statt Fäden für Gepäcknetze in Kofferräumen oder Bindegarne für Blumensträuße wurden in der Fabrik elastisches Material für die Fertigung von bis zu 1,8 Millionen Nase-Mund-Masken produziert“, sagt Volmerig. Generell profitiere auch die IT-Branche, da die Digitalisierung sowie das Homeoffice zu einem verstärkten Nachfrage- und Beratungsschub geführt habe.

Eigene Kreativität habe aber auch hier zu neuem Antrieb geführt. „Es gibt auch Gewinner der Krise, die sich mit cleveren Ideen selbst geholfen haben. Etwa die SMC Schäfer Messe-Consulting GmbH aus Vohwinkel“, sagt Volmerig. Der Messebauer habe seit einem Jahr nichts zu tun gehabt – und aus der Not die Tugend neuer Geschäftsfelder gemacht. „Man hat sich verstärkt auf den Innenausbau von Bürogebäuden, Industriehallen und Ladenlokalen fokussiert. Statt Messemöbel werden nun Büromöbel in der hauseigenen Schreinerei gefertigt.“ Und dies keineswegs als Interimslösung für die Pandemie – es handele sich hierbei vielmehr um eine langfristige Ergänzung des Leistungsspektrums des Unternehmens.

Dennoch bleibe – bei allen positiven Beispielen – am Ende vor allem eines übrig, wie Volmerig betont: „In Summe ist festzuhalten, dass wirklich alle Branchen ein Ende der Corona-Pandemie und aller damit verbundenen Einschränkungen herbeisehnen.“


Nach der Krise zurück ins Großraumbüro?

Nach Ende der Corona-Pandemie wünschen sich viele laut einer Umfrage einen festen Arbeitsplatz in einem Einzelbüro oder das sogenannte Shared-Desk-Prinzip.


Tastaturklackern, Druckergeräusche und am nächsten Schreibtisch telefoniert der Kollege: Können Sie sich noch ans Großraumbüro erinnern? Für einen Großteil der Erwerbstätigen scheint das Konzept ohnehin ausgedient zu haben: Gerade mal ein Prozent wünscht sich nach Ende der Corona-Pandemie wieder einen festen Arbeitsplatz in einem Großraumbüro mit fünf und mehr Mitarbeitern, wie aus einer Umfrage von Bitkom Research hervorgeht.

Auch Co-Working-Spaces stehen nur bei den wenigsten (zwei Prozent) auf der Wunschliste. Komplett auf einen Schreibtisch beim Arbeitgeber verzichten – das möchte künftig aber ebenfalls nur eine relativ kleine Gruppe. Jeder und jede achte (zwölf Prozent) der befragten Erwerbstätigen sprachen sich in der Umfrage dafür aus, künftig ausschließlich im Homeoffice oder mobil arbeiten zu wollen.

Knapp vier von zehn (38 Prozent) der Befragten wünschen sich stattdessen einen festen Arbeitsplatz in einem Einzelbüro. Etwas mehr als jeder und jede Vierte (27 Prozent) wären mit einem festen Arbeitsplatz in einem Büro mit zwei bis vier Mitarbeitern einverstanden.

Das sogenannte Shared-Desk-Prinzip, bei dem Mitarbeiter bei Anwesenheit im Büro einen Arbeitsplatz frei wählen können, können sich 17 Prozent künftig gut vorstellen.

Die Frage beantworteten rund 1140 Erwerbstätige ab 16 Jahren, die Tätigkeiten am Schreibtisch ausführen.