Wenn das Auto den Radfahrer erkennt

Starke Partner im Bergischen

Wenn das Auto den Radfahrer erkennt

Künstliche Intelligenz spielt in der regionalen Wirtschaft eine zunehmend große Rolle.

Eines der Unternehmen in der Region um Wuppertal, die Künstliche Intelligenz nutzen, um Prozesse zu automatisieren oder um Kunden bestimmte Dienstleistungen in der digitalen Welt anbieten zu können, ist Pechschwarz Media, eine Digitalmarketing-Agentur mit Standorten in Gevelsberg und Wuppertal, die 2015 als Start-up gegründet wurde. Das Bild wurde vor der Corona-Pandemie aufgenommen.  

Künstliche Intelligenz, kurz KI, spielt in der modernen Wirtschaft eine zunehmende Rolle. Sie kommt zum Beispiel zum Einsatz, wenn beim autonomen Fahren das Auto Verkehrsschilder, Radfahrer und andere Autos im Straßenverkehr erkennt und so den Wagen sicher steuert. Auch Produktionsprozesse in der Industrie werden zunehmend durch KI automatisiert. Dazu kommt die Logistik wie in den großen Hochlagern der Unternehmen, wo Roboter dank KI die Regie weitgehend übernommen haben. Künstliche Intelligenz ist auch dann im Spiel, wenn Menschen, die im Netz unterwegs sind, genau analysiert werden, um ihnen auf der Homepage oder dem Webshop eines Unternehmens das maßgeschneiderte Angebot machen zu können beziehungsweise um ihnen Werbung zukommen zu lassen.
     

KI ist ein Teilgebiet der Informatik, das sich der Automatisierung intelligenten Verhaltens und dem maschinellen Lernen beschäftigt. Meist bezeichnet Künstliche Intelligenz den Versuch, bestimmte Entscheidungsstrukturen des Menschen nachzubilden, indem zum Beispiel ein Computer so gebaut und programmiert wird, dass er relativ eigenständig Probleme bearbeiten kann. Oftmals wird damit aber auch eine nachgeahmte Intelligenz bezeichnet, wobei durch meist einfache Algorithmen ein „intelligentes Verhalten“ simuliert werden soll, etwa bei Computergegnern in Computerspielen.

Unternehmen nutzen KI, um Prozesse zu automatisieren

Auch im Städtedreieck Wuppertal, Solingen und Remscheid nutzen Unternehmen Künstliche Intelligenz, um Prozesse zu automatisieren oder um Kunden bestimmte Dienstleistungen in der digitalen Welt anbieten zu können. Dazu zählt auch Pechschwarz Media, eine Digitalmarketing-Agentur mit Standorten in Gevelsberg und Wuppertal, die 2015 als Start-up gegründet wurde. „Wir haben einen strategisch-kaufmännischen Ansatz und denken uns in die Situation des Kunden hinein, um ihn bei der Umsetzung seiner kaufmännischen Ziele zu unterstützen. Das kann die Vergrößerung der Reichweite, die Vermarktung eines neuen Produktes oder der Zugang zu einer neuen Zielgruppe sein“, erklärt Mitgründer und Geschäftsführer Dominik Speckenbach.

Dazu braucht es eine perfekt ausgerichtete Kampagne im Internet. Genutzt werden dazu die Website genauso wie der Webshop, aber auch Social-Media-Kanäle. „Mit Xing oder Linkedin geht man auf Personalsuche, Kundenkontakte ermöglichen Facebook oder Instagram und die ganz junge Zielgruppe wird mit Tik-Tok gut angesprochen. Wir bauen für den Kunden eine neue Internetpräsenz auf, für die wir eine Langzeitbetreuung anbieten. Bei einer bestehenden Webpräsenz finden wir Probleme und optimieren den Onlineauftritt.“

Genau hier kommt für Pechschwarz Media Künstliche Intelligenz ins Spiel. Sie dient der Analyse im Netz. Wie verhalten sich Kunden im Internet? Wann brechen sie ein Kaufvorgang im Webshop ab? Wie werden die einzelnen Bereiche der Website genutzt und wahrgenommen? Welche Suchbegriffe funktionieren für welche Zielgruppe bei Suchmaschinen wie Google? Was sind hier wichtige Schlüsselwörter? Was macht die direkte Konkurrenz im Web anders und möglicherweise besser?

Selbstlernende Werbekampagne, die sich stetig optimiert

„Am Ende steht der maßgeschneiderte Auftritt im Internet, mit dem der Kunden am effektivsten und am nachhaltigsten seine Ziele erreicht. Dazu werden bei der Analyse bestimmte Algorithmen eingesetzt, mit denen eine Werbekampagne auf die jeweiligen Zielgruppen und die Ziele angerichtet werden. „Das ist sehr gezielt möglich. Es kann genau bestimmt werden, welche Altersgruppe, welches Geschlecht und welche Region mit der Werbung angesprochen wird. Wir schaffen so ein selbstlernende Werbekampagne, die sich immer wieder optimieren kann.“

Ein anderes wichtiges Anwendungsgebiet ist der Bereich „Automotive“. Im bergischen Städtedreieck gibt es etwa 250 Zulieferer für die Automobilindustrie – das ist ein Drittel aller Unternehmen in NRW. Inzwischen gibt es hier das Leuchtturmprojekt „Bergisch Smart Mobility“. „Wir unterstützen die Transformation der Automobilwirtschaft. Das gilt zum Beispiel für die Bordarchitektur eines Autos. Die Fahrzeuge sollen immer kleiner und leichter werden. Gleichzeitig braucht es beim autonomen Fahren immer mehr Technik, die in den Wagen eingebaut wird. Daher muss man dieses Thema neu denken. Das Wuppertaler Unternehmen Aptiv ist ein globaler Entwickler für Künstliche Intelligenz und Software in diesem Bereich“, sagt Thomas Lämmer-Gamp, der bei der Bergischen-Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft in Solingen für dieses Projekt zuständig ist. Erkannt werden müssen mit den Kameras an Bord beim autonomen Fahren zum Beispiel der Straßenzustand sowie Verkehrsschilder. Dazu kommen bewegliche Verkehrsteilnehmer wie das vorausfahrende Auto, Fußgänger am Straßenrand oder kreuzende Radfahrer. „Das ist eine große Herausforderung für die Kamera, die mit weiteren Sensoren wie Laser oder Radar kombiniert agiert. Das alles zu vernetzen und eine sichere Fahrt zu gewährleisten ist die Aufgabe Künstlicher Intelligenz, wie sie von Aptiv entwickelt wird“, sagt Lämmer-Gamp.

„On-Demand“-Taxis der WSW: KI für optimale Routenplanung

Ein anderer Bereich ist der „On-Demand“-Service der Stadtwerke Wuppertal. Hier können kleine hellblaue London-Taxis per App angefordert werden, die den Kunden ans Wunschziel bringen. Hier wird KI für die optimale Routenplanung eingesetzt, die besten Service bei möglichst wenig Umweltbelastung bietet. „Wissenschaftler der Bergischen Universität haben dafür die entsprechenden Algorithmen entwickelt.“ Außerdem gehe es bei KI im Bereich „Automotive“ auch um die gesellschaftliche Akzeptanz, die in der Wahrnehmung immer noch von Ängsten geprägt ist.

Mit der Initiative „AutomotiveLand NRW“ will man zudem die Bedeutung und die Wahrnehmung der Automobil- und Zulieferindustrie in Nordrhein- Westfalen im Vergleich zu anderen Regionen wie Baden-Württemberg, Bayern oder Niedersachsen stärken. Auch hier spielt KI mit wissenschaftlichen Institutionen wie der Bergischen Uni oder Unternehmen wie Aptiv eine wichtige Rolle. Auch diese Initiative hat ihren Ursprung im bergischen Städtedreieck.

Zentral ist für die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz in der Region die Bergische Universität in Wuppertal, die zusammen mit dem Campus Velbert/Heiligenhaus in Bochum die „Bergische Innovationsplattform für Künstliche Intelligenz“, kurz BIT, an den Start gebracht hat. Ergänzend zu vielen anderen Initiativen, die den digitalen Wandel im Bergischen Land vorantreiben, bietet die Innovationsplattform ein an Technologie orientiertes Forum. Mit gemeinsamer Forschung, Ausbildung von Studierenden und enger Vernetzung zwischen Hochschulen und technologisch führenden Unternehmen sowie Anwendern ist es das das Ziel, das Potenzial von KI und Data Analytics für die Region in Zeiten der digitalen Transformation und des damit verbundenen Strukturwandels in der Industrie zugänglich zu machen.