Der Faire Handel ist in Wuppertal zu Hause

Starke Partner im Bergischen:Der Faire Handel ist in Wuppertal zu Hause

Die GEPA hat sich zum größten europäischen Importeur fair gehandelter Lebensmittel und Handwerksprodukte entwickelt.

Hinter den rund 8500 Quadratmetern Hochregallager und 2500 Quadratmetern für Büro und Verkauf erstreckt sich die Bergische Idylle: Der größte europäische Importeur fair gehandelter Lebensmittel und Handwerksprodukte aus den südlichen Ländern liegt nur einen Steinwurf von Schloss Lüntenbeck entfernt. Und wer dem schmucken Gebäude in Vohwinkel einen Besuch abstattet, der entdeckt schnell: Hier ist der Straßenname Programm. „Wir sind stolz darauf, dass unser Standort den Namen GEPA-Weg trägt“, sagt Brigitte Frommeyer von der GEPA. Der Name steht übrigens für Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH. Frommeyer erinnert an den Spatenstich 2007, als das neue Zuhause der „Fair Trade Company“ Gestalt annahm. „Damals sind wir im Grunde zu unseren Wurzeln zurückgekehrt, das ist ein starkes Bekenntnis zum Standort Wuppertal“, sagt Brigitte Frommeyer.  

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Die Geschichte hatte 32 Jahre zuvor in zwei Wohnungen an der Wuppertaler Grafenstraße begonnen. Damals hatte das Unternehmen im Erdgeschoss und der ersten Etage 100 Quadratmeter angemietet, bevor es zu wachsen begann und an die Langobardenstraße in die erste Gewerbehalle umzog. „Dann ging es von Ost nach West“, erzählt Pressesprecherin Brigitte Frommeyer – von Schwelm nach Nächstebreck. Aber die GEPA sei aus allen Nähten geplatzt. Deswegen seien die Pläne für Vohwinkel entstanden, mit viel Platz für Büros, Verkauf und ein zwölf Meter hohes Hochregallager. „Das können wir jederzeit aufstocken“, erklärt Brigitte Frommeyer, „ein immenser Standortvorteil“.

Welthandelsstrukturen durch konkrete Alternativen verändern
Ihrer Philosophie ist sich die GEPA in all den Jahren treu geblieben. „Unsere Ziele sind heute so gültig wie 1975“, betont Brigitte Frommeyer. Es gehe erstens darum, benachteiligte Produzentengruppen im Süden des Globus zufördern. Zweitens sollen Verbraucher im Norden zu einem anderen Einkaufsverhalten und einem anderen Lebensstilmotiviert werden. Und drittens will die GEPA Welthandelsstrukturen durch konkrete Alternativen, Lobbyarbeit und politische Arbeit beeinflussen und verändern. „Das haben uns unsere Gesellschafter ins Stammbuch geschrieben“, erinnert Frommeyer und meint kirchliche Hilfswerke und Jugenddachverbände, die das Unternehmen einst gründeten.


„Unser Firmensitz ist ein starkes Bekenntnis zum Standort Wuppertal“

Brigitte Frommeyer, GEPA


Auf der einen Seite steht das politische Engagement wie etwa für ein wirksames und verbindliches Lieferkettengesetz, auf der anderen Seite das eigene wirtschaftliche Handeln: Inzwischen bestehen faire Handelsbeziehungen mit mehr als 131 Partnern in Afrika (31), Amerika (63), Asien (35) und Europa (drei). Lebensmittel wie Kaffee, Tee, Schokolade, Honig, Wein oder Brotaufstrich werden ebenso eingekauft wie handwerkliche Produkte, Korbwaren, Textilien, Kerzen oder Keramik.Die GEPA zahlt faire Preise, sagt verlässliche Handelsbeziehungen zu, fördert biologische Landwirtschaft, berät bei Produktentwicklung und Exportabwicklung und bleibt mit den Handelspartnern im Dialog über Entwicklungsziele – fair für Mensch und Natur.

Die Produkte werden in den rund 900 Weltläden und in Fachgeschäften in Deutschland verkauft. Ehrenamtliche engagieren sich dort sowie in mehr als 6000 Aktionsgruppen, die faire Produkte an mobilen Verkaufsständen anbieten. Mit Erfolg: Im vergangenen Jahr steigerte die GEPA den Umsatz um 9,5 Prozent auf einen Großhandelsumsatz von 80,7 Millionen Euro.

Vor 13 Jahren hat die GEPA ihr neues Gebäude in Vohwinkel bezogen.
Vor 13 Jahren hat die GEPA ihr neues Gebäude in Vohwinkel bezogen.

„2019 gaben die Deutschen rund 1,7 Milliarden Euro für fair gehandelte Produkte aus“, berichtet Frommeyer. Aber es bleibe viel Luft nach oben, denn noch immer würden viele Deutsche den Begriff „Fair Trade“ vor allem mit höheren Preisen und Löhnen in Verbindung bringen.

Auch in diesem Jahr sahen die Zahlen für den Verkauf der GEPA-Produkte gut aus. Dann kam Corona. „In den besonders betroffenen Vertriebsbereichen Weltläden/Gruppen und Außer-Haus-Service gab es im April Umsatzeinbrüche von deutlich über 50 bis zu 70 Prozent“, stellt der Kaufmännische Geschäftsführer Matthias Kroth fest. Durch die guten Anfangsmonate und auch durch die guten Zuwächse im Onlineshop zeige sich im ersten Quartal trotzdem noch ein leichtes Umsatzplus. Um Kosten aufzufangen wurde für rund 50 Prozent der Belegschaft Kurzarbeit angemeldet. „Einen Erfolg würde dieses Jahr bedeuten, wenn wir bei zunehmender Lockerung der Corona-Beschränkungen einen Verlust vermeiden können. Die GEPA ist aber generell gut aufgestellt,um diese wirtschaftlich schwierige Phase ohne Folgeschäden zu überstehen“, erklärt Matthias Kroth. Und dann erinnert er an die Handelspartner im Süden, die ebenso getroffen sind von der Corona-Pandemie. „Jetzt ist faires und partnerschaftliches Handeln besonders wichtig“, betont er.