Qualitätswerkzeug made in Wuppertal

Starke Partner im Bergischen:Qualitätswerkzeug made in Wuppertal

Hidden Champion in der Naturidylle: Rund 10 000 verschiedene Produkte schickt die Firma Stahlwille von Cronenberg aus in mehr als 90 Länder der Welt.

GESA Stiftung

Es begann mit einer Idee: Als Eduard Wille vor mehr als 150 Jahren eine kleine Gesenkschmiede in Wuppertal gründete, da wollte er gemeinsam mit dem Kunden Werkzeug bauen, das sich im Alltag bewährt. Er kam mit den Menschen ins Gespräch, weil er wissen wollte, was sie brauchen. Und er baute. Die Werkzeuge aus Cronenberg machten sich einen Namen im Maschinenbau und Schiffbau,in Schlossereien und Schmieden, im Wagenbau und schließlich in der gesamten Metall- und Maschinenindustrie. 

Heute produziert Stahlwille rund 10 000 verschiedene Produkte – mit Wuppertal, Remscheid und Thüringen aktuell an drei Standorten. Das Wuppertaler Unternehmen versteht sich auch heute als Familien- und Traditionsunternehmen. Und auch die Philosophie ihres Gründers ist lebendig geblieben: „Einen Bedarf im Markt zu erkennen, mit Kunden und Anwendern zu sprechen und auf dieser Basis Lösungen für die Fragen der Zeit zu entwickeln, ist seit jeher ein wesentlicher Grund für den Erfolg unseres Unternehmens“,sagt Winfried Czilwa, Vorsitzender der Geschäftsführung. 

Bekenntnis zum Standort Deutschland 
Der Fokus liegt heute auf Drehmomentschlüsseln, Schraubenschlüsseln und Steckschlüsseln, auf Betätigungswerkzeugen wie Knarren, Verlängerungen und Kardangelenken, Rohrabschneidern, Bolzenschneidern und auf Zangen. Jüngst kündigte das Unternehmen an, die Produktion aus Remscheid auch an die Lindenallee nach Wuppertal zu verlegen – die Logistik zieht nach Radevormwald. „Als eines der wenigen Unternehmen der Werkzeugbranche bekennen wir uns zum Standort Deutschland“, sagt Czilwa. Nur hier lasse sich der hohe Qualitätsanspruch einlösen.

Bekenntnis zum Standort: Geschäftsführer Winfried Czilwa, Vorsitzender der Geschäftsführung von Stahlwille.
Bekenntnis zum Standort: Geschäftsführer Winfried Czilwa, Vorsitzender der Geschäftsführung von Stahlwille.

Zur Qualität gesellt sich Design: Gleich viermal adelte der „iF design Award“ in der Kategorie Industriedesign das Werkzeug aus Wuppertal. Werkzeug für den professionellen Einsatz und Designpreise: Wie passt das zusammen? „Das passt sehr gut zusammen“, betont die Geschäftsführung.

Werkzeug von Stahlwille werde für den professionellen Einsatz in Handwerks- und Industriebetrieben entwickelt. Hier komme es ganz besonders auf Funktionalität und ergonomisches Design an. „Es geht darum, möglichst lange ermüdungsfrei, schnell und problemlos arbeiten zu können“, betonen die Fachleute bei Stahlwille. So sollte etwa ein Schraubenschlüssel gleich beim ersten Versuch exakt sitzen, nicht abrutschen und auch mit schmutzigen Händen oder mit Handschuhen gut zu fassen sein.

Ein weiteres Beispiel aus dem Hightech-Bereich ist der elektronische Drehmomentschraubendreher Torsiotronic. Er findet bei anspruchsvollen Verschraubungen in der Industrie Anwendung, überzeugte die Jury des renommierten German Design Award und wurde zum Gold-Preisträger 2020 gekürt. „Gutes Design bedeutet eben nicht nur gutes Aussehen, sondern bildet eine Einheit aus ästhetischer Gestaltung, Ergonomie und Funktion“, erklärt Czilwa.

Lösungen zum Einsatz in Industrie 4.0-Umgebungen
Tradition und Innovation gehen indem Cronenberger Unternehmen also Hand in Hand: Gesenkschmiede mit eigenem Werkzeugbau und Produktentwicklung befinden sich unter einem Dach, ein Kooperationsvertrag mit der Friedrich-Bayer-Realschule begründet eine Lernpartnerschaft zwischen Wirtschaft und Schülern – und umfasst Praktikumsplätze, Betriebsbesichtigungen, Workshops und freiwillige Schulangebote.

Angst vor der Digitalisierung hat das Unternehmen unterdessen nicht – ganz im Gegenteil. „Werkzeuge, Mess- und Prüfgeräte werden sich immer stärker in eine digital integrierte Arbeitswelt einfügen und miteinander kommunizieren“, wissen die Fachleute bei Stahlwille. Das Unternehmen habe sich auf diese Entwicklungen bereits langfristig und strategisch eingestellt. Das Ergebnis heißt „DAPTIQ“ – ein Portfolio für integrationsfähige Lösungen zum Einsatz in Industrie 4.0-Umgebungen. So soll in Echtzeit auf Veränderungen in Prozessen reagiert werden können – in der Produktion ebenso wie in der Instandhaltung.

„Die Effizienz und Prozesssicherheit lässt sich erheblich verbessern, vor allem aber ist die automatische Dokumentationssicherheit gewährleistet“, erklärt die Geschäftsführung. Schon vor Jahren habe Stahlwille damit begonnen, sich zu fragen, wie das Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich sein könne und deshalb die langfristige Unternehmensstrategie „Nordstern“ entwickelt. In der Produktpolitik hat die Geschäftsführung Fokusthemen sowohl beim klassischen Werkzeug als auch bei vernetzten, digitalen Lösungen definiert.

Das besondere an der Strategie des Unternehmens sei aber, betont Czilwa ausdrücklich, etwas anderes: „Von Anfang an waren unsere Mitarbeiter über die Entwicklung nicht nur informiert, sondern auch beteiligt und haben Entscheidungen mitgetragen. Auch das hat Tradition im Hause Stahlwille.“

CRONENBERG

Typisch für Wuppertal ist, dass die ersten Gewerbegebiete der Stadt bis heute noch teilweise keine offiziellen sind. Der Stadtteil Cronenberg etwa mit klangvollen Namen der Werkzeugindustrie wie Knipex, Stahlwille, Wera, Julius Berger oder Picard ist aus kleinen Schmieden in Hinterhöfen hervorgegangen, so dass sich dort eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten entwickelt hat.

Keine Angst vor der Zukunft

Von Wuppertal-Sonnborn bis Langerfeld erstrecken sich wie ein bunter Blumenteppich die rund zehn Standorte und Liegenschaften des GESA-Unternehmensverbunds. In ihrer über 30-jährigen Geschichte ist die GESA eng mit der Stadt verwachsen – und genauso bunt wie eine Blumenwiese gestaltet sich mittlerweile auch das inhaltliche Profil der verschiedenen Unternehmensbereiche.

Das Ziel der GESA: Menschen durch Arbeit und Ausbildung eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.
Das Ziel der GESA: Menschen durch Arbeit und Ausbildung eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Der Unternehmensverbund der GESA Stiftung hat seinen Ursprung in der Gründung der Gefährdetenhilfe e.V. durch engagierte Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter im Jahr 1985. Ihr Ziel war es, Straffälligen und Gefährdeten durch Arbeit und Ausbildung die Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen. Seitdem hat sich viel getan: Wirtschaftliche und gesellschaftliche Umbrüche, wechselnde politische Rahmenbedingungen und zunehmend ökologische Aspekte verlangten eine stetige Weiterentwicklung. Mittlerweile sind in dem mittelständischen Verbund rund 140 Mitarbeiter beschäftigt. Doch das ursprüngliche und gemeinsame Ziel ist identisch geblieben: Menschen durch Arbeit und Ausbildung eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Die Arbeit mit Menschen birgt große Verantwortung Als Unternehmen der Sozialwirtschaft unterstützt die GESA Menschen dabei, ihren Weg in Ausbildung und Arbeit zu finden. Dabei reicht die Spannbreite der Leistungen von der Vermittlung in Arbeit und Ausbildung über die Qualifizierung von Arbeitssuchenden bis hin zur Beratung von Menschen mit psychischen Belastungen. Eine große Vielfalt von Beschäftigungsmöglichkeiten ergänzt das Beratungs- und Orientierungsangebot: Neben einem Recyclinghof und dem Holzenergiehof betreut die GESA zahlreiche Projekte, in denen die Teilnehmenden passende Arbeitsmöglichkeiten finden. Als Beispiel nennt Ulrich Gensch, Geschäftsführer der GESA, die Cafés „Hier&- Da“ sowie das „Rat&Tat“.

Die GESA betreibt unter anderem einen Recycling- und einen Holzenergiehof.
Die GESA betreibt unter anderem einen Recycling- und einen Holzenergiehof.

Möglichkeiten zur Kommunikation schaffen
„In unseren Cafés bieten wir den Menschen in Wuppertal eine Beratungs- und Begegnungsstätte, ergänzt durch ein kulinarisches Angebot, das ebenfalls im Rahmen einer Integrationsmaßnahme zubereitet wird. Die Cafés sind Treffpunkt, Mittagstisch und Beratung. Für die Menschen im Quartier sind wir ein wichtiger Ankerpunkt.“Das Rat&Tat ist in Barmen ein etablierter Treffpunkt für Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, über ein geringes Einkommen verfügen oder einsam sind. Neben Beratung bietet es auch bei den vermeintlich kleinen Dingen des Alltags Hilfe und hält zum Beispiel eine Waschmöglichkeit für Bekleidung bereit. Ähnlich aufgestellt ist das Hier&Da in Heckinghausen, wo unter anderem eine Erwerbslosenberatung durchgeführt wird.

Investitionen: Nicht von Corona abschrecken lassen
Hinter der deutschen Wirtschaft liegen schwierige Wochen. Viele Unternehmen haben aufgrund der Corona-Krise Investitionen und Projekte pausiert oder vollständig auf Eis gelegt. Die GESA wählt einen anderen Weg und hält an getroffenen Entscheidungen fest. In Sonnborn schreitet der Ausbau des „Nachhaltigkeitszentrum“ weiter voran. Das Projekt vereint verschiedene Unternehmen, Gewerke und Projekte des GESA-Verbunds sowie Partner an einem zusammenhängenden Standort. Alle dort angesiedelten Bereiche ermöglichen als gemeinsames Ziel die gesellschaftliche Teilhabe unter nachhaltigen Rahmenbedingungen. Hierzu zählt auch eine nachhaltige Infrastruktur, die durch eine geplante Umstellung auf E-Mobilität und der Installation einer Photovoltaik-Anlage vorangetrieben wird.

Auch am anderen Ende Wuppertals tut sich etwas: In Oberbarmen wird das Zentrum für Aus- und Weiterbildung modernisiert, das vor allem Projekte der Berufsvorbereitung und -ausbildung für Jugendliche und junge Erwachsene beheimatet.

Obwohl die Projektfinanzierung gerade im Bereich der Jugendarbeit schwierig und mit hohen Hürden versehen ist, zählt es zu den Herzensprojekten der GESA. Denn in kaum einem anderen Bereich ist der Begriff „Investition“ so zutreffend wie hier. Wer nicht in die Jugend investiert, verschenkt viel zukünftiges Potenzial.

Gesaonline.de