Auf dem Weg zur Smart City

Starke Wirtschaft am Niederrhein

Auf dem Weg zur Smart City

Ob Corona, die Folgen von demografischem und vom Klimawandel oder die Digitalisierung: In diesen Zeiten ist das Gemeinwesen einem gewaltigen Anpassungsdruck ausgesetzt.

Verschiedene Handlungsfelder gilt es für eine Smart City zu bearbeiten, von der Wirtschaft über die Mobilität und Wohnen bis zu Klima, Umwelt und eine moderne Verwaltung.

Wirtschaftswelt, aber auch die öffentliche Verwaltung stehen vor großen Herausforderungen, wollen sie die sich ändernden Aufgaben der Zukunft bewältigen. In all diesen Bereichen herrscht hoher Veränderungsdruck, schnelle inhaltliche und organisatorische Antworten auf plötzlich auftauchende Fragestellungen werden erwartet.

Die Antwort darauf ist Resilienz – also die Anpassungsfähigkeit, mit der Menschen auf Probleme und Veränderungen mit Anpassung ihres Verhaltens reagieren. Probleme werden mit raschen Prozess- und Verhaltensanpassungen begegnet. In vielen öffentlichen Institutionen ist diese jedoch nicht hinreichend ausgeprägt.

Dabei entscheidet gerade die Leistungsfähigkeit kommunaler Services über die Lebensqualität und die Attraktivität von Städten. Allein mit mehr Personal kann die öffentliche Hand den steigenden Anforderungen nicht begegnen. Angesichts der komplexen Aufgaben sind vernetztes Denken, Innovationsorientierung und Veränderungsbereitschaft nötig.

„Smart“: Vernetzt, sachgetrieben, innovativ

Mit der digitalen Optimierung verwaltungsinterner Prozesse allein ist es nicht getan. Die Verwaltung muss sich fachbereichsübergreifend vernetzen, sich zu einer datengestützt-intelligenten Stadt wandeln: zur „Smart City“. Sie basiert auf gesamtheitlichen Entwicklungskonzepten, die Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver gestalten wollen. Sie beinhalten technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen. Hierfür verschiedene Smart City-Handlungsfelder definiert (siehe Grafik).

Auch in Krefeld beschäftigen sich viele Akteure mit diesen Aspekten oder haben bereits konkrete Lösungen entwickelt. Das Mobilitäts- und das Klimaschutzkonzept oder der Aktionsplan für Wirtschaft geben zum Teile Handlungsleitlinien vor, Sensorprojekte sind in der Erprobung, digitale Bildung wird bereits gelebt und in Hackathons werden Innovationen erarbeitet. Mit dem jetzt gestarteten Smart City-Prozess werden die verfügbaren Kräfte gebündelt und auf die bereits definierten und beschlossenen Ziele ausgerichtet.

Smart bedeutet zugleich auch immer nachhaltiges Handeln

Ein herausragender Entwicklungsaspekt, der sich wie eine Klammer um alle Smart-City-Aktivitäten legt, darf dabei nicht vergessen werden: Nachhaltigkeit. Es kann angesichts des politisch beschlossenen Weges in eine klimaneutrale Zukunftsgesellschaft keine Smart City-Entwicklung geben, die nicht auch nachhaltig ist. Umgekehrt werden erst Smart City-Aktivitäten an vielen Stellen Nachhaltigkeit überhaupt ermöglichen oder sie erleichtern.

Beim Blick auf Nachhaltigkeit hinterlassen selbstverständlich auch Smart City-Aktivitäten einen ökologischen Fußabdruck: Jeder Sensor, jeder Einsatz von IT im weitesten Sinne benötigt Energie und Materialeinsatz. Und dass bei Dateneinsatz in der Smart City ethische Fragestellungen etwa in Bezug auf Datensouveränität und -nutzung unbedingte Berücksichtigung finden, gehört zu den weiteren Herausforderungen, die es zu meistern gilt.

„Smart City“ versteht sich als Innovationsallianz, die eine attraktive, zukunftssichere Stadt gestalten will. Eine Stadt, die als Arbeits-, Wohn- und Lebensstandort anziehend ist. Dabei gibt es aber keinen Standard, der einfach nur übernommen werden kann.

Der Weg zu der „smarten“ Stadt von morgen bleibt individuell und setzt auf den lokalen Ausprägungen auf. Dazu braucht er jeweils passende digitale Werkzeuge und Geschäftsmodelle. Aber ebenso Kreativität und Mut zu Innovationen und Zusammenhalt, um Bürgerinnen und Bürger, Institutionen und Unternehmen in den Prozess einzubinden.


Die Stadt holt auf

Im alljährlichen Ranking des Branchenverbandes bitkom konnte sich Krefeld teilweise wesentlich verbessern. Aber in einigen Bereichen rutschte man auch ab.

Im Oktober 2020 kommentierte die Lokalpresse die Platzierung der Stadt im Städteranking des Branchenverbandes bitkom noch verhalten: „Krefelds langer Weg zur Smart City“, hieß es damals. Kein Wunder, hatte es doch lediglich zu Platz 70 unter den 81 untersuchten Großstädten im gesamten Bundesgebiet gereicht. Insbesondere die Bereiche „IT + Kommunikation“ (Rang 78) sowie „Energie + Umwelt“ (Rang 76) hatten für diesen Abstiegsplatz gesorgt, doch auch der Bereich „Verwaltung“ (Rang 72) lag im hinteren Teil der Liste.

Für die Verwaltung ein Plus um 37 Ranking-Plätze

Das Bild hat sich inzwischen geändert. Das vor wenigen Wochen veröffentlichten Ranking 2021 spricht gerade in dem letztgenannten Bereich eine deutlich andere Sprache: Um satte 37 Plätze und somit auf Rang 35 hat sich die Stadt Krefeld in der Kategorie „Verwaltung“ verbessert – zweifellos ein Lohn der umfangreichen Bemühungen, die in der Zwischenzeit durch den Geschäftsbereich III der Stadtverwaltung sowie dessen enge Zusammenarbeit mit dem neuen Dezernat WDI angeschoben wurden.

Hauptsächlich darauf ist somit auch die Verbesserung der Stadt Krefeld um immerhin acht Plätze (auf Rang 62) im Gesamtranking zurückzuführen, wenngleich auch in den Bereichen „Gesellschaft“ (+ sieben Plätze) sowie „IT + Kommunikation“ (+ sechs) gleich mehrere Vergleichsstädte überflügelt werden konnten.

Energie & Umwelz sowie Mobilität rutschten ab

Interessant zu sehen ist nicht zuletzt aber, dass Krefeld bei „Energie & Umwelt“ trotz höherer Punktzahl gegenüber 2020 einen Platz nach unten gerutscht ist und bei „Mobilität“ trotz gleicher Punktzahl sogar um sechs Plätze.

Es ist also davon auszugehen, dass viele andere Kommunen intensiv in Smart-City-Maßnahmen investieren und an einer Verbesserung arbeiten. Mehr noch als in anderen Städterankings gilt hier also: Stillstand ist Rückschritt!

Insofern sind auch in Krefeld in den nächsten Jahren weitere umfangreiche Aktivitäten und auch Investitionen in die digitale Zukunft der Stadt erforderlich.

Ohne ein klares Gesamtbekenntnis der gesamten Stadtgemeinschaft und insbesondere der Politik und Verwaltung (die städtische Töchter einbezogen) wird die Stadt in diesem wichtigen Ranking schwerlich weiter vorankommen können, sondern eher wieder „nach hinten durchgereicht“.


Unterstützung ist willkommen

Verschiedene Teams arbeiten verstärkt an Ideen für die intelligente und nachhaltige Stadt. Weitere Teilnehmer werden gesucht.

Krefeld hat sich in den letzten Monaten auf den „Smart City-Weg“ gemacht und sich aus dem Stand heraus im ersten Quartal 2021 am Förderwettbewerb des Bundesinnenministeriums beteiligt. Das in diesem März 2021 eingereichte und von zahlreichen Institutionen und Unternehmen durch Kooperationsbekundungen (LoI) unterstützte Konzept wurde Mitte des Jahres leider nicht bei der Auswahl berücksichtigt – was aber keinesfalls das Ende der Krefelder Smart City-Bemühungen eingeläutet hat.

Schon Anfang September kamen die Initiatoren mit den fast drei Dutzend „LoI-Gebern“ im „Campus Circle“ in Fichtenhain zu einem Kick-Off-Workshop zusammen. Wirtschaftsdezernent Eckart Preen und der CDO (Chief Digital Officer) der Stadt Krefeld, Markus Lewitzki, informierten die Teilnehmenden nicht nur über das weiter angedachte Vorgehen, sondern auch über die vielen in Krefeld bereits laufenden Projekte.

Mehrere Partnerunternehmen starteten eigene Projekte

So sind gleich mehrere der Partnerunternehmen im Smart City-Prozess derzeit sehr intensiv in eigenen Initiativen tätig: Die SWK Stadtwerke Krefeld erproben im Rahmen eines Pilotprojekts die Möglichkeiten der LoRaWAN-Funktechnologie, die Currenta arbeitet am „digitalen Zwilling“ als Impuls für die Stadtentwicklung speziell an den CHEMPARK-Standorten Dormagen und Krefeld, und die Canon Deutschland GmbH hat jüngst ein eigenes Positionspapier zu „Smart City“ mit dem besonderen Fokus auf „Smart Security“ herausgegeben.

Zum Ende des Workshops trugen sich die Beteiligten auch für mindestens eines der so genannten „Development Teams“ ein, welche in den nächsten Jahren in den verschiedenen Handlungsfeldern weitere Ideen rund um die intelligente und nachhaltige Stadt verfolgen und in die Umsetzung bringen wollen.

Insbesondere sollen schon in den kommenden Monaten die beiden Themenschwerpunkte „Datenplattform” und „digitale Beteiligung“ angegangen werden. Parallel sollen Leitlinien für die Entwicklung Krefelds zur Smart City erarbeitet werden.

Diese Teams sind übrigens nach wie vor offen für weitere Mitwirkende – schließlich ist Smart City als ganzheitlicher Ansatz mit Beteiligten aus der gesamten Stadtgesellschaft zu verstehen.

Am Prozess Interessierte können sich mit Ideen oder Mitmachwünschen an Markus Lewitzki (markus.lewitzki@krefeld.de beziehungsweise 02151 / 86 10 85) wenden.

Markus Lewitzki

Markus Lewitzki ist Referent für Digitalisierung und Smart City.
Markus Lewitzki ist Referent für Digitalisierung und Smart City.
Als Referent für Digitalisierung und Smart City mit der Funktion des Chief Digital Officers für die Stadt Krefeld betraut, soll Markus Lewitzki relevante Auswirkungen und Chancen der Digitalisierung für das Gemeinwesen erfassen und bei bedeutsamen Digitalthemen gesamtstädtische Impulse und Ressourcen sowie Transparenz über die digitalen Aktivitäten im Konzern Stadt koordinieren.