Wirtschaft braucht Demokratie

Starke Wirtschaft am Niederrhein

Wirtschaft braucht Demokratie

Die Ära der fürsorglichen Familienunternehmer scheint nur noch musealen Charakter zu haben.

Die IG Metall ruft zur Mitarbeit und zum Engagement auf, zur betrieblichen Mitwirkung und die Unternehmer zu Verhandlungen auf Augenhöhe mit Beschäftigten und Interessensvertretung

Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle: Das war das Credo von Robert Bosch. 
  

Die Idee dahinter: Gute Arbeitsbedingungen - und dazu gehört auch die Bezahlung – sorgen für gute Ergebnisse und somit auch für eine „ordentliche“ Rendite. Bei der Frage der Renditeverteilung haben Tarifverträge eine wichtige Rolle: Kaufkraft, Steuern, fairer Wettbewerb.

Schwindende Tarifbindung ist ökonomisches und demokratisches Gift. Es zwingt Beschäftigte in die Rolle der Bittsteller. Politik soll nicht in die Aufgabe der Tarifvertragsparteien übernehmen. Sie muss bei Fehlentwicklungen politisch steuern: Leiharbeit, Outsourcing, Clickwork, Scheinselbständigkeit …

Kein Steuer-Euro darf in Betriebe fließen, die sich der betrieblichen Mitwirkung verweigern oder ihren Beschäftigten gute tarifvertragliche Arbeitsbedingungen vorenthalten. Wenn ein Arbeitgeberverband die Aufgabe – Tarifverträge abzuschließen – aufgibt, dann hat er seine Existenzberechtigung verloren. Es ist gut, dass gut organisierte Betriebe und Branchen bessere Arbeitsbedingungen durch Tarifverträge im Zweifel erstreiken können.

Es braucht eine Renaissance des Gewerkschaftsgedankens. Es braucht Unternehmer, die bereit sind auf Augenhöhe mit Beschäftigten und ihrer Interessenvertretung zu verhandeln. Es braucht mehr Mitbestimmung. Es braucht mehr Tarifbindung. Vielleicht können Steuerbonus und –malussyteme hier helfen. Mitbestimmung ist gelebte Demokratie in der Wirtschafts- und Arbeitswelt – aus der arbeitsrechtlichen Perspektive sind sie unerlässlich, um individuelle Beschäftigtenrechte durchzusetzen, Arbeitsplätze zu sichern und die Transformation in den Betrieben im Interesse der Beschäftigten zu gestalten.

Mitsprache auf Augenhöhe ist essenziell.

Gute Arbeit – mitbestimmt und tarifvertraglich gesichert ist ein positiver Wettbewerbsfaktor.


Mitmachen, mitgestalten und etwas erreichen

Für gute Arbeit und faire Bedingungen sorgen, Ungerechtigkeiten angehen und für Toleranz eintreten – in den Betrieben und in der Gesellschaft gibt es viel zu tun, sagt die IG Metall. Gemeinsam mit ihr können aktive Mitglieder zupacken und mitgestalten. Und sie können Einfluss nehmen – auch in der Gewerkschaft selbst.

Die IG Metall bietet den Beschäftigten Chancen, die eigenen Vorstellungen an Arbeit und Leben zu entwickeln und in die Tat umzusetzen. Sie unterstützt dabei, selbst aktiv zu werden, Ehrenämter zu übernehmen oder sich im Betrieb engagiert für andere einzusetzen.

Mehr als hunderttausend Betriebsräte, Vertrauensleute sowie Jugend- und Auszubildendenvertreter engagieren sich in den Unternehmen. Mehrere tausend aktive Gewerkschafter auf gesellschaftlicher Ebene durchforsten Gesetzestexte, wälzen Akten, spüren Gesundheitsgefahren auf und arbeiten in Ausschüssen mit.

Den Erfolg dieses Engagements spüren die Beschäftigten an vielen Stellen. So wirken viele Gewerkschafter auch dabei mit, wenn neue Regelungen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz verhandelt werden. Oder sie arbeiten an den Anforderungen für eine moderne Berufsausbildung in den Unternehmen mit. Viele von ihnen beteiligen sich als Sachverständige für eine gute Ausbildung, bei der Aufgabenerstellung und als Prüfer bei Abschlussprüfungen.

Auch in den Gremien der Kranken-, Renten- und Unfallversicherung beteiligen sich Metallerinnen und Metaller als Selbstverwalter. Aus dem Bereich der IG Metall sind mehr als 1600 Frauen und Männer in den Selbstverwaltungsgremien für bürgernahe und bedarfsgerechte soziale Leistungen aktiv. Knapp 4000 Gewerkschafter sitzen in den Arbeits- und Sozialgerichten und bringen in den Verhandlungen die betriebliche Realität mit ein.

Um Toleranz und Respekt in den Betrieben und in der Gesellschaft geht es bei der Initiative Respekt. Viele Gewerkschaftsmitglieder sind hier aktiv, um Benachteiligungen zu verhindern, egal ob sie aufgrund ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung erfolgt. Sie dulden keinen Rassismus und keine Fremdenfeindlichkeit am Arbeitsplatz.

Auch innerhalb der Gewerkschaft können sich Mitglieder engagieren. Beispiel Tarifrunde: Bevor der Vorstand die Forderung beschließt, diskutieren Mitglieder und Beschäftigte in Betrieben und gewerkschaftlichen Gremien über die Art und die Höhe der Forderung. Bei Zukunftsfragen zählt die IG Metall ebenfalls auf die Meinung ihrer Mitglieder. So hat die Gewerkschaft im Vorfeld ihres Gewerkschaftstages eine breite Debatte über wichtige politische Fragen angeregt. Ziel ist es, möglichst viele Mitglieder daran zu beteiligen, was in Zukunft angepackt werden soll.