Zeitreisen vor der Haustür

Unterwegs:Zeitreisen vor der Haustür

Das Neanderland ist eine Schatztruhe für Ausflügler und Entdecker.

Nur eine kleine Radtour bis zum nächsten Panoramablick. Nur ein paar Haltestellen bis zum nächsten historischen Ortskern mit kulinarischen Genüssen. Nur ein kurzer Fußmarsch bis in eine andere Zeit. Wie das?Weil zwischen Düsseldorf und Wuppertal, dem Ruhrgebiet und Köln eine Entdeckerregion liegt, die ihresgleichen sucht – das „neanderland“ (so die offizielle Schreibweise). Aufgrund seiner ausgezeichneten touristischen Erschließung lockt das Neanderland mit seinem überraschenden Abwechslungsreichtum. Es ist zugleich das älteste sportlich zu erkundende Naturschutzgebiet Deutschlands, traditionsreiche Kultur- und Genusslandschaft und maßstabsetzender Museumsstandort. 

Finden Sie Tipps und Inspiration für den nächsten Wochenendtrip zu zweit, den Erlebnisausflug mit Familie oder die kurze Auszeit für die Seele.

Galoppierende Tarpane im Eiszeitlichen Wildgehege. Foto: Tourismus NRW e.V.
Galoppierende Tarpane im Eiszeitlichen Wildgehege. Foto: Tourismus NRW e.V.

Beste Aussichten für Radler

Neanderland ist Brückenland. 16 Brücken, darunter auch Deutschlands einzigartige Waggonbrücke, und drei Viadukte überquert allein der Panorama Radweg Niederbergbahn. Wer von Norden kommt,für den ist er der perfekte Einstieg ins Niederbergische – leicht zu radeln und doch spektakulär mit seinen weiten Blicken und viel ungezähmter Natur. Das Radwege-Netz „einfach bergisch radeln“ lässt sich von hier aus hervorragend erschließen. Es umfasst nicht weniger als 220 Kilometer gut ausgebaute Strecke mit Verbindungen zu den beliebten Fernrouten an Ruhr, Rhein und Sieg. Im Kalender am besten schon einmal vormerken: die Saisoneröffnung am 26. April auf dem Panorama Radweg Niederbergbahn mit vielen Aktionen für die ganze Familie.

Wandertouren für jeden Geschmack

Apropos Panoramen: Davon bieten sich Wanderern reichlich auf dem „neanderland STEIG“ (so die offizielle Schreibweise). Auf der Strecke von Langenberg bis Essen-Kettwig gleitet der Blick immer wieder über das Ruhrtal auf die ferne Stadtlandschaft der großen Revierstädte. Und von den Höhenzügen bei Erkrath liegt einem das Rheinland zu Füßen.

Dabei müssen es nicht immer alle 17 Etappen sein, die der Neanderland Steig, 240 Kilometer lang, durch die Region führt. Es gibt so viel zu sehen und zu erleben, dass es noch zusätzlicher Neanderland Steig Entdeckerschleifen bedarf, um die Vielfalt von Landschaft und Kultur, Schönheit und kulinarischen Angeboten auch nur annähernd zu erkunden. Sie sind die perfekte Einladung zur Tagestour oder zum verlängerten Spaziergang, ganz nach eigenen Vorlieben.

Radfahren auf dem Panorama Radweg Niederbergbahn. Foto: BSW - Patrick Gawandtka
Radfahren auf dem Panorama Radweg Niederbergbahn. Foto: BSW - Patrick Gawandtka

Schon die Römer fanden es am Rhein sehr schön

Kultur und Traditionen begegnet man im Neanderland auf Schritt und Tritt. Kein Wunder, hat doch allein die Stadt Monheim am Rhein eine rund 2000-jährige Geschichte, anschaulich erzählt im Haus Bürgel. Das römische Kastell, das einst hier stand,ist noch in Teilen zu besichtigen. Darüber hinaus erklärt die dortige Biologische Station auch, wie der große Strom die umgebende Auenlandschaft prägt und stetig verändert. Wie groß die Bedeutung von „Vater Rhein“ auch wirtschaftlich war, lässt sich heute kaum mehr ermessen. Mit seinen reichen Fischbeständen ernährte er die Menschen an seinen Ufern, und der Aalfischfang war ein bedeutender Wirtschaftszweig der Stadt. Davon erzählt das Fischerboot „Fiat Voluntas“,das hier fest vor Anker liegt.

Der Neandertaler fasziniert die ganze Familie. Foto: Stiftung Neanderthal Museum
Der Neandertaler fasziniert die ganze Familie. Foto: Stiftung Neanderthal Museum

Zurück zu den Wurzeln

Die bedeutendste Zeitmaschine der Region steht in ihrem Zentrum und lockt Besucher aus aller Welt. Denn die Menschen, die vor zehntausenden Jahren das Neandertal bewohnten, leben noch heute in den Genen eines jeden von uns fort. Ihre spannende Geschichte, ihre Ausbreitung über die Erde bis zu ihrem Verschwinden erzählt anschaulich das Neanderthal Museum, eines der modernsten Museen in ganz Europa. Im Eiszeitlichen Wildgehege nebenan gibt es sogar Nachzüchtungen jener Zeitgenossen zu bewundern, die mit unseren Vorfahren die frühen Steppenlandschaften durchstreiften: Wisente, Auerochsen und Tarpane. Und wer die Herausforderung sucht, kann sich auch selbst in den steinzeitlichen Kernkompetenzen Bogenschießen und Feuer machen erproben. Gruppen sind herzlich willkommen.

Auf Spuren der Dinosaurier

Was noch davor geschah, erzählt nur ein paar Hügelzüge weiter in Wülfrath der „Zeittunnel“, der seine Besucher ganze 400 Millionen Jahren zurück in die Erdgeschichte schickt – Begegnungen mit Sauriern inklusive. Die familientauglich inszenierte Reise durch die Erdgeschichte endet mit dem Blick auf die beeindruckenden Überreste der umgebenden Steinbrüche. Auch der nahe Schlupkothen war mal ein solcher. Heute liegt hier inmitten eines 31 Hektar großen Naturschutzgebiets ein See, der einen eigenen Spaziergang wert ist. Die Winter- und Modernisierungspause des Zeittunnels in Wülfrath endet passend zu den Osterferien am 5. April.

Wanderer auf dem Neanderland Steig. Foto: Dominik Ketz
Wanderer auf dem Neanderland Steig. Foto: Dominik Ketz

Wo die Industrie ihren Anfang nahm

Das erste Kapitel der Industrie in Deutschland handelt von Spionage. Ende des 18. Jahrhunderts errichtete der Wuppertaler Kaufmann und Verleger Johann Gottfried Brügelmann vor den Toren Ratingens eine mit Wasserkraft betriebene, vollmechanische „Baumwollspinnerei auf englische Art“. Die nach ihrem Vorbild „Cromford“ benannte Fabrik war die erste ihrer Sorte auf dem europäischen Kontinent – und hatte Erfolg. Zwei Jahrhunderte lang wurde dort produziert. Das angrenzende Herrenhaus des Gründers zeugt von Reichtum und steht ebenso unter Denkmalschutz wie der beeindruckende Garten. Das LVR-Industriemuseum bietet hier einen lebendigen Eindruck in die Ursprünge industrieller Fertigung.

Gemütliche Rast: Kaffeepause im Hofcafé.ˆ Foto: Dominik Ketz
Gemütliche Rast: Kaffeepause im Hofcafé.ˆ Foto: Dominik Ketz

Eine gute Tradition

Nachhaltiges Handeln hat in der Region Tradition: Das Windrather Tal, zwischen Neviges und Langenberg gelegen, genießt einen Ruf als Vorreiter für biologische Landwirtschaft. Um gesellschaftliche Projekte und gesunde Lebensmittel ging es den Ersten, die in den 1970er-Jahren hier ihre eigene Vorstellung von bäuerlichem Leben umsetzten. Ein Zwischenstopp auf der Neanderland Steig Entdeckerschleife „Biohöfe im Windrather Tal“ in den dortigen Hofcafés gehört zum Pflichtprogramm.

Typisch Neanderland

Schon einmal von der Bergischen Kaffeetafel gehört? Diese wird an vielen Orten im Neanderland nach traditioneller Art serviert. Wer kulinarische Genüsse sucht, sollte außerdem nach diesem Siegel Ausschau halten: typisch Neanderland. Es steht für regionale Produkte und Gerichte, einzigartige Landerlebnisse, Liebe zur Tradition und Pflege der Umwelt und fairen Erzeugung. Apropos Ausschau halten – was die Natur sonst noch zu bieten hat, erklärt bei einer Landerlebnis-Tour zum Beispiel die Waldpädagogin Astrid Walker. Ob interessante Erzählungen aus der Geschichte der Wildkräuternutzung oder Wissenswertes aus der Welt der Honigbienen – die Touren regen zum Entdecken und Beobachten mit allen Sinnen an.

Sport und Action pur

Wer weiß, dass Langenfeld eine der größten Wasserski-Anlagen weltweit sein Eigen nennt? Action pur für Profis wie Anfänger. Und eine fast perfekte, stehende Welle für Surfer gibt es hier auch. Surf Sessions sind für jedes Level buchbar.

Genauso vielseitig ist der Waldkletterpark in Velbert. Von vier bis 99 Jahren werden alle Altersgruppen angesprochen, und wer sich traut, wagt den Tarzansprung oder den Weg in die Todesschleuder. Eine richtige Felswand lässt sich im Bochumer Bruch klettern, in direkter Nähe des Zeittunnels. Hier ist der Deutsche Alpenverein Ansprechpartner und sorgt für Sicherheit im alten Kalksteinbruch.

Die Zahl der weiteren Angebote ist riesig: Vom Raften auf dem Rhein über Segway-Touren bis zum Golfen im Grünen bietet das Neanderland fast alles, was Sportler suchen – eine Schatztruhe für Entdecker aller Art eben.

SERVICE

INFORMATIONEN
neanderland/Kreis Mettmann
Düsseldorfer Straße 26
40822 Mettmann
Telefon 02104/99 11 99
E-Mail: info@neanderland.de

Weitere Informationen und Inspirationen für einen Ausflug ins neanderland ebenso wie Download und Bestellmöglichkeiten zu kostenlosen Broschüren und Flyern finden Interessierte auf
www.neanderland.de
www.facebook.com/das.neanderland