Bäche, Felsen, Eiszeit-Sand

Unterwegs

Bäche, Felsen, Eiszeit-Sand

Wandern im Osnabrücker Land

Wacholderhain in Merzen-Plaggenschale zur Heideblüte. Foto: Hartwig Wachsmann

Wander-Ferien im Osnabrücker Land bieten jetzt noch mehr Vielfalt, denn nach und nach wurden 82 neue Wege im Natur- und UNESCO Global Geopark TERRA.vita angelegt. Da diese TERRA.tracks kurz sind, ist auch die Abwechslung größer denn je.

Denn die Wege erschließen die ganze landschaftliche Vielfalt in Teutoburger Wald und Wiehengebirge, in der fruchtbaren Weite des Artlands und im Osnabrücker Hügelland rund um die Stadt des Westfälischen Friedens. Gemeinsam ist den 82 Rundwegen mit drei bis 19 Kilometern Länge: Sie folgen unterschiedlichen Spuren der Erdgeschichte.

Per Fahrstuhl in die Erdgeschichte

Den kompletten Überblick über die vergangenen 300 Millionen Jahre gibt der Weg um den Osnabrücker Piesberg. Er führt immer wieder an die Abbruchkaten von Europas größtem Hartsteinbruch heran und gibt den Blick frei auf Felswände mit ihren zahlreichen Schichten aus Sandstein, Tonstein und Kohleflözen – je tiefer sie liegen, desto älter sind sie. Wer der Sache auf den Grund gehen will, besucht das Museum Industriekultur am Startpunkt des Rundwegs: Per Fahrstuhl geht’s hinab in den Stollen der alten Steinkohlenzeche. In historischen Gebäuden über Tage sind unter anderem Fossilien zu sehen, darunter sogar komplette Baumstämme.

Gletscher schufen die liebliche Heide

Die Wege im Norden des Osnabrücker Landes führen viel weniger weit in die Vergangenheit und erschließen unter anderem liebliche Heide- und Hügellandschaften, die von den Eiszeiten geformt wurden. Zum Beispiel die Ankumer Höhen, die zweitgrößte erhaltene Endmoräne der Welt. Vor rund 200.000 Jahren schufen Gletscher diesen nach Norden offenen Halbkreis aus unfassbar viel Sand. Einen Eindruck davon vermittelt der TERRA. track Wacholderhain in Merzen-Plaggenschale: Er führt zu einem Aussichtspunkt über einer Sandgrube, deren Tiefe die Urgewalt des Eises erahnen lässt.

Die Sage von der versunkenen Kneipe

Zusätzlich brachten die Gletscher auch tonnenschwere Felsen aus Skandinavien mit. Diese Granitfindlinge nutzten die Menschen der Steinzeit als Baumaterial für „Hünengräber“. Am TERRA.track Alkenkuhle bei Ankum finden sich sechs solcher Megalithanlagen. Die kraterartige, etliche Meter tiefe Alkenkuhle bildete sich zwar ebenfalls durch Gletschereis, viel schöner jedoch ist die Legende zu ihrer Entstehung: Vor Jahrhunderten stand hier die Kneipe von Wirt Alke auf halbem Weg zwischen Alfhausen und der Kirche in Merzen. Wer sonntags bei ihm rastete, den animierte Alke so zum Zechen: „Mein Haus soll im Boden versinken, wenn Ihr nicht Zeit für ein weiteres Bier habt.” Als es einmal nicht stimmte, nahm Gott ihn beim Wort – und aus der Kneipe wurde die Kuhle.

Eine Hexentreppe ins Kerbtal

Durch einen ähnlichen, teils urwüchsigen Wald verläuft das Vosspäddken in Bippen. Hier gruben Bäche tiefe Kerb-Täler in den sandigen Boden. Für deren sichere Querung führt an einer Stelle die „Hexentreppe“ zwei Dutzend Stufen abwärts, dann wieder aufwärts. Kurios daran: Es gibt keine Sage zur Treppe, obwohl sie schon sehr alt sein soll. Gut möglich jedoch, dass im verwunschenen Wald tatsächlich irgendwo ein Hexenhäuschen steht.

Sandstein für den Kirchen-Bau

Weiter im Süden des Osnabrücker Landes hatten die Bäche es viel schwerer, ihr Bett zu graben – sie hatten aber auch mehr Zeit. So schlängelt sich der Zwickenbach bei Melle durch 230 Millionen Jahre alten Schilfsandstein, der wegen seiner schönen graugrünen Farbe als Baumaterial begehrt war. Wer sich nach der kurzen Wanderung durchs Zwickenbachtal die St.-Matthäus-Kirche in Melle anschaut, wird ihn dort wiedererkennen.

Wege zu den Quellen und zur Almhütte

Um die Quellen der zahlreichen Bäche zu entdecken, wandert man in die Höhe. Zum Beispiel auf dem TERRA.track Borgberg in Hagen am Teutoburger Wald, der zur Teufelsquelle in einem verwunschenen Wäldchen führt. Knapp 200 Höhenmeter gilt es hier in Richtung der Duvensteine zu bewältigen, der Ausblick auf Hagen ist entsprechend reizvoll – vor allem im Frühjahr, wenn die zahlreichen Kirschbäume blühen, für die der Ort bekannt ist. Ähnlich schöne Fernblicke eröffnet der TERRA.track Borgloher Schweiz, der auf viereinhalb Kilometern zudem überraschende Entdeckungen ermöglicht, darunter die liebevoll gestaltete Gartenanlage am Renkenörener See und den Gedenkstein für zwei Piloten, die 1914 bei einem Wett-Flug mit ihrem Mercedes-Doppeldecker abstürzten. Eine völlig andere Überraschung erleben Wanderer auf dem TERRA.track Malepartus bei Bad Iburg: Er führt zur nördlichsten Jausenstation Deutschlands. Die Waldgaststätte Malepartus mit ihrem alpenländischen Flair steht kurz hinter der Grenze in Niedersachsen auf dem Kamm des Teutoburger Waldes.

Wanderer auf den Hermannshöhen, dem Qualitätsweg Wanderbares Deutschland über den gesamten Kamm von Teuto und Eggegebirge, kehren hier ebenfalls gerne ein. Auch der regionale, rund 100 Kilometer lange Ahornweg über die Höhen des Teutoburger Waldes führt ganz in der Nähe vorbei. Weitere Beispiele dafür, dass sich die Vielfalt des Osnabrücker Landes auch auf ausgedehnten Wanderungen entdecken lassen, finden sich auch im Wiehengebirge. Mal auf dem waldgrünen Gebirgskamm und mit tollen Fernblicken, mal entlang des Mittellandkanals gelangen Wanderer auf dem DiVa Walk von den versteinerten Saurierfährten bei Bad Essen zum Varusschlacht-Museum in Kalkriese.
  

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