Studierende zeigen die Stadt von morgen

Wir in Wuppertal

Studierende zeigen die Stadt von morgen

Im kommenden Juni findet am Bahnhof Mirke der 20. Solar Decathlon statt. In diesem September musste er wegen Corona ausfallen. Im Mittelpunkt des Wettbewerbs stehen umweltfreundliches Bauen und klimaneutrales Wohnen.

Energieeffizientes Bauen und Wohnen, das zugleich architektonisch ansprechend, leistbar und sozialverträglich sein kann: Das will der Wettbewerb Solar Decathlon (SDE) zeigen, der vom 10. bis 26. Juni 2022 in der Utopiastadt stattfinden wird.

Nachhaltiges Bauen und Wohnen beschäftigt nicht nur die Politik, sondern auch Studenten in aller Welt. In diesem September wollten sich 18 Hochschulteams aus elf Ländern in der Utopiastadt treffen. Jedes Team besteht durchschnittlich aus rund 60 Studierenden sowie mindestens einem Professor. Regionale Kooperationspartner sowie Sponsor ergänzen die Teams. Ihr Ziel: Ausgehend von existierenden Gebäuden in Wuppertal oder in ihren Heimatstädten solar versorgte Wohnhäuser entwerfen, die zeigen, dass energieeffizientes Bauen und Wohnen architektonisch ansprechend, leistbar und sozialverträglich sein kann. Der Name dieses außergewöhnlichen Wettbewerbs: Solar Decathlon (SDE). Doch wie viele andere Veranstaltungen fiel auch er der Coronapandemie zum Opfer. Vom 10. bis 26. Juni 2022 soll er nachgeholt werden. „Momentan folgen wir unserem Zeitplan. Die Planungen sind fast abgeschlossen, die Ausschreibungen laufen. Wir hoffen natürlich auf eine Veranstaltung mit möglichst wenig Covid-19-bedingten Restriktionen, sind aber natürlich mit Hygienekonzepten und notfalls auch virtuellen Formaten vorbereitet“, sagt Dr.-Ing. Katharina Simon, Direktorin für Architektur beim SDE 21/22.

In seinem 20-jährigen Bestehen wird der Wettbewerb das erste Mal in Deutschland stattfinden. Dann werden bis zu 150 000 Besucher und mehr als 800 Studierende erwartet. Führungen durch die Häuser, Workshops, Preisverleihungen, Ländertage und kulturelle Veranstaltungen sollen ein abwechslungsreiches Programm bieten. Der SDE unterstützt das Ziel, bis 2050 in Deutschland einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu haben. Für die wissenschaftliche Begleitung sorgt ein Projektteam der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen der Bergischen Universität Wuppertal.
    

Die Teams des Solar Decathlon werden mit einer von drei typischen Aufgaben des Bauens im Bestand beauftragt: Anbauen, Aufstocken und Baulücken schließen.
Die Teams des Solar Decathlon werden mit einer von drei typischen Aufgaben des Bauens im Bestand beauftragt: Anbauen, Aufstocken und Baulücken schließen.

Idee des solaren Zehnkampfs stammt aus den USA.

Der Solar Decathlon ist ein preisgekrönter internationaler Hochschulwettbewerb für nachhaltiges Bauen und Wohnen. Die Idee des solaren Zehnkampfs, wie der Solar Decathlon übersetzt heißt, stammt aus den USA. Dort fand 2002 in der National Mall in Washington, D.C. der erste Wettbewerb statt. Heutzutage wird der Solar Decathlon regelmäßig auf fünf Kontinenten ausgetragen. Beim SDE 21/22 geht es daher nicht um Entwürfe auf der „grünen Wiese“, sondern um Bestandssanierungen und innovative Nachverdichtungskonzepte für real existierende Gebäude in Wuppertal oder vergleichbaren Quartieren weltweit. Konkret befassen sich die Teams mit einer von drei typischen Aufgaben des Bauens im Bestand: Anbauen, Aufstocken und Baulücken schließen. Die drei vordefinierten Bauaufgaben in Wuppertal befinden sich im Mirker Quartier. Dies sind Sanierung und Erweiterung Höchsten/Ludwigstraße, Sanierung und Aufstockung Café ADA, Wiesenstraße, und die Baulückenschließung Bandstraße.

Dabei sollen konkrete Lösungen für klimaneutrale Quartiere geschaffen werden. Gleichzeitig ist es ein Anliegen, nachhaltige Stadtentwicklung in ihrer Gesamtheit zu fördern. Darum beschäftigen sich die Teams neben Fragen der Energieeffizienz und Klimaneutralität der Gebäude auch mit Aspekten der Urbanisierung und sozialen Vernetzung. Ein weiteres wichtiges Bewertungskriterium ist die Bezahlbarkeit der Ideen. Umweltgerechte Umbauten sind nur dann erfolgreich, wenn sich die Menschen diese auch leisten können. Mit ihren Projekten messen sich die Teams in zehn Disziplinen: Architektur, Gebäudetechnik und Bauphysik, Energieperformance, Realisierbarkeit, Kommunikation und Bildung, Nachhaltigkeit, Komfort, Funktion, urbane Mobilität und Innovation.

Was der Solar Decathlon Europe global anstrebt, hat das Wuppertaler Organisationsteam bereits selbst in Wuppertal vorgemacht: Die Transformation des urbanen Gebäudebestands mit dem Ziel, Städte lebenswerter und nachhaltiger zu machen. Seit 2021 ist das Organisationsteam der Bergischen Universität Wuppertal in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein Publik am Umbau einer alten Industriehalle auf dem zukünftigen Solar Campus beteiligt. 
   

Der Standort des Solar Decathlon am Mirker Bahnhof.
Der Standort des Solar Decathlon am Mirker Bahnhof.

Auseinandersetzung mit Menschen und Natur in Städten

Wo bis Anfang 2020 noch Glas verarbeitet wurde, entstand an der Juliusstraße 12 binnen kürzester Zeit eine neue Location mit vielseitiger Nutzung. Die Alte Glaserei gegenüber des Mirker Bahnhofs versteht sich als Forum, in dem die Auseinandersetzung mit Menschen und Natur in Städten im Vordergrund steht. Träger und Betreiber ist der gemeinnützige Wuppertaler Verein Publik. Ob Architektur, Bildung, Kultur oder Gastronomie: Unter dem Dach der alten Industriehalle kommen viele Wuppertaler Akteure zusammen, um gemeinsam etwas für die Stadt zu tun.

Hauptattraktion ist aktuell die Solar Decathlon Europe 21/22 Vorausstellung. Hier geben Architekturmodelle, die jedes Team selbst angefertigt hat, einen Ausblick auf die Häuser, die 2022 in Wuppertal gebaut werden. Die Ausstellung ist noch bis Ende September 2021 in der Alten Glaserei (Juliusstraße 12) von donnerstags bis sonntags ab 16 Uhr geöffnet. Anschließend gehen die Modelle auf Wanderschaft und werden zur Eventbewerbung bei Kooperationspartner in ganz NRW ausgestellt.

Ein Event für alle, nicht nur für Fachpublikum

Das Gebiet rund um den Bahnhof Mirke ist übrigens nicht durch Zufall für den SDE ausgewählt worden. „Beim SDE 21/22 geht es um das nachhaltige Bauen und Leben in der Stadt. Diese inhaltliche Ausrichtung möchten wir auch mit dem Ort unseres Hauptevents widerspiegeln. Statt auf irgendeinem abgelegenen Industriegebiet sind wir mitten im Herzen Wuppertals und damit nah an den Bürgern. Der SDE 21/22 ist ein Event für alle, nicht nur für Fachpublikum. Gerade in Zeiten von Corona hat das Thema Wohnen, Gemeinschaftsflächen und Mobilität in der Stadt noch einmal an Bedeutung gewonnen. Wir laden alle herzlich ein, im Juni 2022 zu entdecken, wie wir unsere Städte noch lebenswerter machen können“, sagt Dr.-Ing. Katharina Simon.