Wuppertaler halten in der Not zusammen

Wir in Wuppertal

Wuppertaler halten in der Not zusammen

Erst Corona, dann das Hochwasser: Auf die Krisen folgten beispiellose Hilfsaktionen.

Bruder Dirk verabschiedet Bundeswehr-Soldaten nach ihrem Hilfseinsatz in Beyenburg. Der Stadtteil war vom Juli-Hochwasser besonders betroffen.

Bruder Dirk schüttelt erstaunt den Kopf. Nein, sagt er, die Höhe dieser Spendensumme habe er nicht erwartet. Fast eine Millionen Euro haben die Wuppertaler und viele Freunde der Stadt nach dem Hochwasser gespendet. 940 000 Euro: Das ist die vorläufige Bilanz einer beispiellosen Hilfsaktion. Kaum hatte die Wupper Beyenburg am 15. Juli überschwemmt und die Menschen in überfluteten Wohnungen und Geschäftsräumen zurückgelassen, flossen die ersten Spenden.

„Soforthilfe Beyenburg“ für die Opfer des Hochwassers

„Wir wollten schnell und unbürokratisch helfen“, erzählt Bruder Dirk von der Katholischen Kirchengemeinde St. Maria-Magdalena in Beyenburg, „schließlich ist es unsere Christenpflicht, dem Nächsten zu helfen.“ Es entstand die „Soforthilfe Beyenburg“. Die katholische und die evangelische Kirchengemeinde, Vereine, Initiativen, Unternehmer und Bürger zogen an einem Strang: „Auch viele Menschen von außerhalb wollten helfen und schickten Geld“, erzählt Bruder Dirk. Die Spender seien froh gewesen, eine Initiative direkt in Beyenburg zu finden, die sich um die Vermittlung des Geldes kümmerte. Ein Spendenbeirat mit Mitgliedern der Gemeinden und der Bürgervertretung wurde gebildet, um über die Vergabe der Spenden zu berichten: Versicherte erhielten 2000 Euro, Nicht-Versicherte bekamen 7000 Euro. „Und die Menschen gingen vertrauenswürdig und fair mit dem Geld um“, erzählt Bruder Dirk von seinen guten Erfahrungen.

Auf dem Schützenplatz in Beyenburg hatte die Caritas nach der Flutkatastrophe einen Beratungsstand eingerichtet.
Auf dem Schützenplatz in Beyenburg hatte die Caritas nach der Flutkatastrophe einen Beratungsstand eingerichtet.

Das hat auch die Industrie- und Handelskammer gemacht, die nach der Hochwassernacht schnellstens ein Hilfsprogramm auf die Beine stellte: Die IHK sammelte Spenden von Unternehmen für betroffene Unternehmen und verteilte das Geld. Gleichzeitig stieg sie in die Beratung heimischer Firmen ein, um staatliche Aufbauhilfen zu beantragen. „Und wir haben auch Aktivitäten zur Verbesserung der Vorsorge gegen künftige Hochwasser auf den Weg gebracht“, erzählt IHK-Geschäftsführer Thomas Wängler. Kurzfristig half aber vor allem das Geld aus dem Spendentopf: Schnelle und unbürokratische Hilfe sei dringend notwendig gewesen, um den betroffenen Unternehmen eine Perspektive zu geben, berichtete IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge. Viele hätten gerade erst begonnen, sich von den Folgen der Corona-Lockdowns zu erholen. 502 000 Euro Spendengelder kamen laut Dr. Daria Stottrop von der IHK bisher zusammen. 30 Anträge zur schnellen und unkomplizierten Hilfe nach dem Hochwasser wurden bereits gewährt, 424 000 Euro ausgezahlt. „Die Schäden der Unternehmen liegen bei weit über acht Millionen Euro“, sagt Stottrop. Die ankommenden Anträge wurden einmal wöchentlich einem extra dafür einberufenen IHK-Gremium zur Entscheidung vorgelegt. Die Frist wurde zwischenzeitlich aufgehoben, um Unternehmen nach den Hochwassertagen erstmal die Chance zu geben, die Schäden zu prüfen. Bereits ein Jahr zuvor hatten die Wuppertaler beispiellose Hilfsaktionen auf den Weg gebracht – als der erste Lockdown der Corona-Pandemie vor allem Risikogruppen in die eigenen vier Wände verbannte. Unter dem Stichwort „Nachbarschaftshilfe“ entstanden nicht nur in Mehrfamilienhäusern neue Netzwerke.

Auch Parteien, Vereine, Kirchengemeinden und Organisationen brachten innerhalb von kurzer Zeit Hilfsaktionen auf den Weg. Die Stadt bündelte die Initiativen auf ihrer Internetseite, um sowohl den vielen Ehrenamtlichen, die sich engagieren wollten, als auch den Hilfesuchenden eine Plattform zu geben.

Solidaritätsgemeinschaft „Wuppertal hilft“ gegründet

Die Wuppertaler Tafel begann, Lebensmitteltüten zu verteilen, die Jugendorganisationen der vier großen Parteien gründeten die Solidaritätsgemeinschaft „Wuppertal hilft“ und boten Hilfe an, wo sie gebraucht wurde – beim Einkaufen genauso wie beim Gassigehen. Unzählige Ehrenamtliche aus Vereinen und Gemeinden boten Einkaufsdienste an – in den einzelnen Stadtteilen genauso wie in Aktionen für die Gesamtstadt.

Und gleichzeitig installierten Gemeinden und Beratungsstellen Seelsorge-Angeboten am Telefon – um in schweren Zeiten einen Ansprechpartner zu bieten.