Chance für Wuppertaler Unternehmen

Wir in Wuppertal:Chance für Wuppertaler Unternehmen

Bei den internationalen Wirtschaftsbeziehungen wird der asiatische Markt für Wuppertaler Unternehmen immer interessanter. Wichtigster Handelspartner ist hier sicherlich China.

Die Volkswirtschaft im Land des Lächelns entwickelt sich zunehmend vom reinen Produktionsstandort klassischer Industrieprodukte hin zu einem High-Tech-Standort mit produktionsnahen Dienstleistungen sowie qualifizierter Forschung und Entwicklung. Das sorgt für große Chancen, von denen auch bergische Mittelständler und kleinere Betriebe profitieren können. Unterstützung bekommen diese von der Wuppertaler Wirtschaftsförderung. Das dort angeschlossene China Competence Center (C³) ist die zentrale Service- und Anlaufstelle für die bilaterale wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Volksrepublik. Im Zentrum stehen beratende Dienstleistungen für geschäftliche Aktivitäten in China. Besonders interessant: Als öffentliche Einrichtung ist das C³ Angebot kostenfrei. Auf der anderen Seite betreut die Wirtschaftsförderung die Ansiedelung chinesischer Unternehmen in Wuppertal gemeinsam mit einem Netzwerk institutioneller Partner.

Wuppertaler Bühnen

Das C³ betreut Investoren Schritt für Schritt bei der Unternehmensgründung und unterstützt zielgerichtet eine Vernetzung mit Geschäftspartnern und Kunden. Zum Leistungsspektrum gehören Informationen zum Wirtschaftsstandort Wuppertal, Hilfestellung und Beratung bei amtlichen Verfahren sowie die Vermittlung von Büroräumen. Außerdem hilft die Wirtschaftsförderung bei der Standortsuche für kommunale Lager- und Produktionshallen und unterstützt bei der Suche nach Geschäftspartnern in Wuppertal. Gründungsberatung, Tipps für die Erstellung eines Businessplans, die Begleitung bei Bankterminen, Finanzberatung und Steuerberatung gehören ebenfalls zum Konzept.

„Das Angebot ist sehr vielfältig“, sagt Hanno Rademacher, Projektleiter für die Wirtschaftskooperation mit China. Die Arbeitsschwerpunkte konzentrieren sich derzeit auf die Entwicklung und Unterstützung von Kooperationsprojekten mit der offiziellen Partnerstadt Dongguan. „Es gibt etwa intensiven Kontakt der dortigen Umweltbehörden mit dem Wupperverband und der WSW Energie & Wasser AG. Ziel ist ein Kooperationsprojekt zur Modernisierung der Anlagen zur Abwasserbehandlung und des Kanalnetzsystems in Dongguan“, erläutert Rademacher.

Die Wuppertaler Wirtschaftsförderung hat im vergangenen Jahr ein Kooperationsabkommen mit Dongguan geschlossen. Hier Dr. Cai vom dortigen Gewerbeamt sowie Dr. Rolf Volmerig, Leiter der Wuppertaler Wirtschaftsförderung
Die Wuppertaler Wirtschaftsförderung hat im vergangenen Jahr ein Kooperationsabkommen mit Dongguan geschlossen. Hier Dr. Cai vom dortigen Gewerbeamt sowie Dr. Rolf Volmerig, Leiter der Wuppertaler Wirtschaftsförderung

Darüber hinaus fördert das China Competence Center den direkten unternehmerischen Austausch zwischen kleinen und mittleren Unternehmen aus beiden Städten. „Zuletzt konnten wir dem Wuppertaler Designunternehmen GenerationDesign einen Auftrag eines innovativen LED-Herstellers aus Dongguan vermitteln“, freut sich der Projektleiter. Zudem würden aktuell einige Unternehmen aus Dongguan, aber auch aus anderen Städten, bei der Unternehmensgründung in Wuppertal begleitet.

Als Vermittler Verständnisarbeit auf beiden Seiten leisten

All das erfordert allerdings viel Engagement und nicht zuletzt einiges Fingerspitzengefühl. „Die größten Herausforderungen sind wahrscheinlich die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und China sowie die unterschiedlichen Größenverhältnisse beider Länder“, erklärt Hanno Rademacher. Das betreffe etwa die Verbindlichkeit von Terminzusagen, angemessene Zeitfenster zur Vorbereitung von Events und verschiedene Ansichten zur Kategorisierung von Gewerbeflächen. „Hier müssen wir als Vermittler viel Verständnisarbeit auf beiden Seiten leisten“, so Rademacher. Das mache aber letztlich auch den Reiz an der Arbeit im internationalen Projektmanagement mit China aus. Grundsätzlich sei das Interesse an der Entwicklung von gemeinsamen Geschäftsmodellen groß. Bei den deutschen Firmen hänge die Resonanz allerdings vom Projekt ab. „Die großen Wuppertaler Unternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern und jahrelanger Geschäftstätigkeit in China haben andere Präferenzen als innovative Start-Ups, die den dortigen Markt erst neu erschließen wollen“, erläutert der erfahrene Projektleiter.

Insgesamt haben Wuppertals Unternehmen die internationalen Märkte und dabei gerade China längst für sich entdeckt. Das zeigt sich besonders an der hohen Exportquote: „Mehr als jedes zweite in Wuppertal hergestellte Produkt verlässt Deutschland“, sagt Dr. Rolf Volmerig, Vorstand der Wirtschaftsförderung Wuppertal. Er räumt dabei mit dem Vorurteil auf, dass international tätige Unternehmen erst ab einer bestimmten Größe erfolgreich sein könnten. „Der Mittelstand verdient mittlerweile mehr als die Hälfte seines Umsatzes im Ausland“, so Volmerig. Er verweist insbesondere auf die sogenannten „Hidden Champions“, also in der Öffentlichkeit wenig bekannte Unternehmen, die in ihrer speziellen Branche zu den Marktführern zählen.

Der Regierungschef der Wuppertaler Partnerstadt Dongguan, Weidong Liang, war vor einem Jahr zu Besuch im Rathaus. Dort traf er unter anderem Bürgermeisterin Ursula Schulz und Stadtdirektor Dr. Johannes Slawig.
Der Regierungschef der Wuppertaler Partnerstadt Dongguan, Weidong Liang, war vor einem Jahr zu Besuch im Rathaus. Dort traf er unter anderem Bürgermeisterin Ursula Schulz und Stadtdirektor Dr. Johannes Slawig.

Wie wichtig Wuppertaler Produkte sind, zeigt sich besonders stark in der Automobilindustrie. „Die vielzitierte Aussage, dass in Europa nicht ein Auto fährt, in dem nicht mindestens ein Teil aus Wuppertal verbaut ist, macht die internationale Bedeutung dieser Branche deutlich“, betont Volmerig. Ein gutes Beispiel hierfür ist Vorwerk Autotec. Die internationalen Niederlassungen bringen dem Großunternehmen viele Vorteile. Der Spezialist für Fahrwerklager hat neben seinem Hauptsitz in Wuppertal Standorte in fünf weiteren Ländern, darunter auch in China. Aktiv in Asien ist auch Herberts Industrieglas.

Unter der Marke Metaglas produziert das Unternehmen extrem druck- und hitzebeständige Schaugläser. Die runden Glasscheiben werden in großen Anlagen eingebaut und gewähren etwa einen Blick in das Innere von Schmelzöfen. Das Herstellungsverfahren, bei dem das Glas in einen Metallring eingeschmolzen wird, macht die Produkte besonders sicher. Das wiederum macht sie für die chemisch-pharmazeutische Industrie, die Lebensmittelherstellung bis hin zu Hochdruck- und Vakuumanwendungen beliebt.

Zum Risiko für internationale Handelbeziehungen können allerdings politische Konflikte werden. Die DIHK-Studie „Going international 2019“ hat ergeben, dass jedes zweite international tätige Unternehmen zunehmend negative oder erschwerende Auswirkungen durch den Brexit und den Handelsstreit zwischen den USA und China spürt. Besonders die Unsicherheiten über die zukünftigen Rahmenbedingungen bremsen die dynamische Entwicklung.

„Trotzdem sind Wuppertals Unternehmen dank innovativer Kompetenzfelder, wie autonomes Fahren oder Elektromobilität, auch für die Zukunft gut aufgestellt“, betont Rolf Volmerig.