Herkunft und Hautfarbe sind egal

Wir in Wuppertal:Herkunft und Hautfarbe sind egal

In den Jugendabteilungen des Heckighauser Fußballvereins spielen junge Kicker aus zahlreichen Ländern und ganz unterschiedlicher Herkunft miteinander. Nationale Grüppchenbildung ist verpönt, die Umgangssprache ausschließlich Deutsch.

Wenn jemand wissen will, wie Integration funktioniert, dann sollte er mal zu uns kommen“, sagt Wolfgang Übergönner, der zweite Vorsitzende des SV Heckinghausen. Der SVH, ein Verein mit lediglich 350 Mitgliedern in einem Stadtteil, der einen sehr hohen ausländischen Bevölkerungsanteil aufweisen kann, leistet seit Jahren hervorragende Integrationsarbeit, die vor allem im Jugendbereich greift.

„Ich weiß gar nicht genau, wie viele Nationen in unseren 13 Jugendmannschaften vertreten sind“, sagt der Grieche Kosta Akritidis (51), der seit rund zehn Jahren Jugendleiter bei den Heckinghausern ist, aber schon als Zwölfjähriger beim Fusionsvorgänger ESV Ost Mitglied wurde.

Und er fügt hinzu: „Wir suchen nicht nach Marokkanern, Syrern, Italienern, Türken, Deutschen oder Griechen, wir suchen Fußballer, egal ob sie eine weiße, schwarze oder braune Hautfarbe haben. Deshalb haben wir auch mit Konflikten, die die Herkunftsländer eventuell miteinander haben, nichts zu tun. Wir wollen hier gemeinsam Sport treiben, ohne Blick auf die Herkunft unserer Jugendlichen.“

Damit hebt sich der SV Heckinghausen auch von Vereinen mit ausländischen, staatenbezogenen Vereinen ab, die sich italienische, türkische, griechische oder Namen aus dem Ex-Jugoslawien gegeben haben. „Kurioserweise wurden diese Vereine früher vom Land Nordrhein- Westfalen speziell unterstützt wegen ihrer Integrationsarbeit. Dabei haben die doch meistens eigene Gruppierungen gebildet und damit eher das Gegenteil von Integration, wie wir sie hier verstehen, bewirkt. Wir sind stattdessen ohne finanzielle Unterstützung geblieben“, berichtet Geschäftsführer Jürgen Staab, der dem Verein, beziehungsweise dessen Fusionsvorgänger Wuppertaler SC, seit 50 Jahren angehört.

Nicht zu viele Spieler aus einem Land in einem Team

Auch, wenn die Herkunft auf der schmucken Anlage an der Widukindstraße mit dem prächtigen Kunstrasenplatz keine Rolle spielt, will man doch vermeiden, dass zu viele Spieler in einem Team aus demselben Land kommen. „Sonst gibt es zu leicht Grüppchenbildung, und es wird möglicherweise in der Landessprache gesprochen, die Außenstehende nicht verstehen. Deshalb legen wir auf eine gute Mischung Wert. Und da ist die Umgangssprache natürlich Deutsch“, stellt Jugendleiter Kosta („so werde ich von allen genannt“) eindeutig klar.

Die 13 Jugendteams zwischen fünf oder sechs und 18 Jahren haben jeweils zwei Trainer. Ehrenamtliche natürlich, und nur selten im Besitz eines Trainerscheins. „Trainer zu bezahlen, können wir uns nicht leisten. Deshalb übernehmen Väter oder Bekannte die Betreuung der Jugendlichen“, so Geschäftsführer Jürgen Staab. „Dass da die Ausbildung der Spieler nicht in allen Bereichen die gewünschte Qualität erreicht, muss man in Kauf nehmen“, weiß Kosta, der selbst allerdings im Besitz des Trainer- C-Scheins, geprüfter Jugendleiter und auch Schiedsrichter ist.

Ja, und dass die größeren Vereine ihnen da oft die Talente abspenstig machen, gehört dann auch zur Realität. „Damit müssen wir leben. Wir wirtschaften solide und geben nur Beträge aus, die wir vorher eingenommen haben“, sagt der Geschäftsführer.

Was auch für Sponsorengelder gilt, für die der Marketingbeauftragte „Hansi“ Nörenberg seit zwei Jahren im nicht mit kapitalkräftigen Mitbürgern gesegneten Quartier sorgt. „Auch die können wir nicht schon nach der Zusage, sondern erst ausgeben, wenn das Geld auf unserem Konto eingegangen ist.“ So ist man sich darüber klar, dass es auch in den beiden, gleichfalls von vielen Nationen besetzten Herrenmannschaften nie viel höher als bis zur Kreisliga A (1. Mannschaft) und Kreisliga B (2. Mannschaft, die übrigens den Aufstieg aus der C-Liga geschafft hat) gehen wird.

Ein pfleglicher Umgang untereinander ist den Rotschwarzen von Heckinghausen wichtig. Und eine angenehme Atmosphäre, die schon beim Jugendtraining herrscht, wenn die Eltern über dem Spielfeld unterhalb einer Holzhütte sitzen, in der Kaffee ausgeschenkt wird.

Das neue Sportplatzhaus mit seinen vier Kabinen und den Gesellschaftsräumen trägt zudem zu einem intakten Vereinsleben bei. Das tun auch die Feste, die man gern feiert. So wie am Samstag, 12. Oktober, wenn es heißt „O’zapft is“, nämlich beim zum zweiten Mal durchgeführten Oktoberfest an der Widukindstraße. „Brezen mögen alle, aber Haxe werden da natürlich unsere Muslime nicht essen“, sagt „Hansi“ Nörenberg in Hinblick auf die Ablehnung von Schweinefleisch bei Menschen moslemischen Glaubens. „Aber, Weißwürste sind ja aus Kalbfleisch, und da hat niemand Bedenken.“


Ein Ort der Vernetzung

Das Café Swane im Luisenviertel gibt Flüchtlingen die Möglichkeit, Grundlagen in der Gastronomie zu erlernen. Der Erlös aus dem Verkauf von Upcylcing-Produkten geht direkt an die afrikanischen Hersteller.

Selly Wane ist nicht nur die Frau, deren zusammengezogener Name dem Café seinen Namen¬ gab. Sie ist auch das Herz des Teams.
Selly Wane ist nicht nur die Frau, deren zusammengezogener Name dem Café seinen Namen¬ gab. Sie ist auch das Herz des Teams.

Wenn man die Luisenstraße entlang schlendert und durch den Torbogen geht, der einst ins Luisencafé führte, dann kommt man zum Café Swane. Vielleicht hört man schon im Hof Livemusik. Zweimal in der Woche spielen Gruppen auf. Mittlerweile nicht nur Bands aus der Region, sondern buchstäblich aus aller Welt. Geht man dann hinein, sieht die Leute, die Tische und Bänke aus derben Holzbohlen oder glattem Metall, das einmal zu irgendwelchen Öltonnen in Afrika gehört hat, dann spürt man, dass es stimmt, was Selly Wane sagt: „Das ist ein Ort, der lebt.“

Wane ist nicht nur die Frau, deren zusammengezogener Name dem Café seinen Namen gab. Sie ist auch das Herz des Teams, das dieses Projekt trägt. Oder besser, diese Vielfalt von Projekten. Denn das Swane ist weit mehr als nur ein Veranstaltungscafé.

Die Öltonnenmöbel sind Produkte aus einem Prozess, den man Upcycling nennt. Wenn aus Müll schöne und funktionale neue Dinge entstehen. Die Möbel, Lampen und Wohnaccessoires, die man über das Swane kaufen kann, oder die Dinge, die Firmen als originelle Giveaways einsetzen können, sind im Senegal entstanden. Von Menschen gebaut, die über diesen Weg eine handwerkliche Ausbildung bekommen. Und eine Möglichkeit, Geld zu verdienen.

Hilfe für Flüchtlinge auf dem Weg in die Selbstständigkeit

In diese Richtung wird auch beim Projekt cookin’ hope gedacht. Wane: „Wir geben Menschen mit Fluchthintergrund die Möglichkeit, Grundlagen im gastronomischen Handwerk zu lernen.“ Sei es, um leichter einen Ausbildungsplätze zu finden, sei es als erster Schritt in die Selbstständigkeit. Wane: „Unsere Kooperationspartner sind dabei die Villa Media und das Unternehmen Stückwerk.“ Im Swane selbst wird auch gekocht, die Küche ist afrikanisch/ arabisch.

Die Küche im Swane ist afrikanisch/arabisch, es gibt regelmäßige Ausstellungen und viele Veranstaltungen.
Die Küche im Swane ist afrikanisch/arabisch, es gibt regelmäßige Ausstellungen und viele Veranstaltungen.

Im Wintergarten hängen Bilder. Alle sechs Wochen gebe es eine neue Ausstellung, so Wane. Aushänge weisen auf die Treffen von Gruppen hin. Selly Wane: „Das Café soll ein Ort der Begegnung sein, für ganz unterschiedliche Menschen.“ Oder anders ausgedrückt: „Es soll ein Vernetzungsort sein.“

So ganz einfach auf einen Punkt zu bringen ist das auch für Selly Wane nicht. Sie überlegt einen Moment. „Es ist ein indifferentes Ding. Wir gucken, in welche Richtung sich das jeweils entwickelt. Es gibt keine festen Pläne. Es ergibt sich etwas.“ Dass das Swane vielem die Möglichkeit gibt zu wachsen, darf man nicht mit Wildwuchs verwechseln.

Es gibt einen Rahmen, den Wane so beschreibt: „Er ist interkulturell, milieuübergreifend. Es geht um innovative Ideen. Um Hilfe für Benachteiligte. Um Kultur in verschiedenen Formen und ihre Präsentation.“ Sie überlegt nochmal. Dann sagt sie: „Dazu braucht man Leidenschaft. Und eine Dosis Optimismus.“

Und eine glückliche Hand. Dabei kann sich ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften, zu dem sie 1996 nach Wuppertal kam, durchaus als nützlich erweisen. Denn der Ort, der lebt, muss ja auch finanziell am Leben gehalten werden. Und das hat Selly Wane schon fünf Jahre lang geschafft. Und Leben ist Wandlung. „Es ergibt sich was.“ Wer weiß, vielleicht ist auch für den einen oder anderen Cafébesucher der Abend, an dem er einfach mal vorbeischaut, der erste Schritt auf einem Weg, auf dem sich etwas Neues ergibt.