„Kunden erwarten italienisches Personal“

Wir in Wuppertal:„Kunden erwarten italienisches Personal“

Seit fast 35 Jahren gibt es den italienischen Supermarkt am Hofkamp. Familie Agro verkauft dort Lebensmittel, Drogerieartikel, bietet Catering – und das Lebensgefühl ihrer Heimat.

Es war 1985, als der von Sizilien stammende italienische Gastarbeiter Salvatore Agro nach diversen Jobs sich dann entschied, in Deutschland etwas Dauerhaftes zu beginnnen. Schließlich war seine älteste Tochter Angela gerade geboren worden, und als frisch gebackener Vater wollte er der neuen Verantwortung für seine damals noch kleine Familie besser gerecht werden. Agro hatte die Idee, einen besonders sympathischen Teil seiner schönen Heimat nach Wuppertal zu importieren: Er eröffnete am Hofkamp einen italienischen Supermarkt mit dem Schwerpunkt „Alimentari“, also Lebensmittel. Die Chancen hierfür erschienen ihm gut, schließlich war die Liebe der Deutschen zum Land, wo die Zitronen blühen, hoch entwickelt und damit auch die Liebe zur italienischen Küche.

Ein Geistesblitz, der, so genial er war, bis heute in Wuppertal nicht kopiert wurde. „Gott sei Dank“, sagt Angela, die Älteste von drei Töchtern, die das Geschäft inzwischen führt. Dennoch bedurfte es noch einiger Überzeugungsarbeit, um die deutschen Kunden, die dann in der Folge regelmäßig in den Laden am Hofkamp zu Agro kamen, auch mit den italienischen Essgewohnheiten vertraut zu machen. „Die Deutschen kochten beispielsweise ihre Nudeln meist viel zu weich, nicht al dente, wie bei uns in Italien“, sagt Angela, die diskret darauf hinweist, dass der italienische Supermarkt rund 80 verschiedene Nudelarten führt. Darin unterscheidet er sich von den deutschen Discountern und Lebensmittelgeschäften, die inzwischen auch viele Produkte aus Bella Italia führen, aber nicht diese Vielfalt aufweisen können.

proviel

„Zu jeder Nudelart gehört auch eine bestimmte Sauce“, erfahren wir und schauen auf ein riesiges Arsenal von Tomatenprodukten, die auch von der Kundschaft verlangt werden. „Unsere deutschen Kunden haben inzwischen so viel dazu gelernt, dass sie sich in Italien fast besser auskennen als die Einheimischen.“

Aber, italienische Küche sind natürlich nicht nur Pasta, sondern eine Vielzahl unterschiedlichster Ingredenzien für eine delikate Mahlzeit. So beispielsweise die Salsiccia, die Bratwurst, die mit Fenchel angereichert, ein ungewohntes Erlebnis für die Geschmacksknospen darstellt. Natürlich liegt Salami in unterschiedlicher Form und Schärfe im Kühlregal.

Vor allem die frischen italienischen Wurst- und Käsesorten des Supermarkts locken die Kunden an.
Vor allem die frischen italienischen Wurst- und Käsesorten des Supermarkts locken die Kunden an.

Alles aus Italien importiert, wie auch die vielfältigen Fischsorten und der dazu gehörige Insalata di Mare. Ein optisches Erlebnis ist auch die Käseauswahl mit den großen Kugeln oder Laiben. „Die kaufen unsere deutschen Kunden ebenso gern wie die italienischen“, berichtet Angela, die ausgerechnet hat, dass die Kundschaft zu etwa 70 Prozent einheimisch und nur zu rund 30 Prozent italienisch ist. Zu den italienischen Kunden gehören übrigens auch Restaurants, die sich am Hofkamp mit frischer, original italienischer Ware versorgen. „Nach der deutschen ist die italienische Küche hierzulande wohl die beliebteste“, vermutet die große Tochter des Gründers Salvatore. Aber nicht nur Angela ist eine „Agro“, auch die Eltern sind noch im Geschäft tätig. Das Quintett, das noch von fünf zusätzlichen Kräften verstärkt wird, vervollständigen die beiden Schwestern Sara und Chiara. Alle kommen aus Italien und sind fachkundige Berater an der großen Bedientheke, wo es unter anderem frische Antipasti gibt. „Italienisches Personal erwarten die Kunden“, schmunzelt Angela. „Viele sprechen voller Stolz auch italienisch mit uns.“

Sie weist darauf hin, dass zur guten italienischen Küche natürlich auch die entsprechenden Öle, Weine und Grappa gehören, die in verschiedenen Varianten erhältlich sind. Und natürlich auch „dolce“, die unvergleichlichen Süßigkeiten, die man mit und ohne den starken Kaffee aus Italien genießen kann.

Ein Stück Italien auf die heimische Tafel

Zwar hat mancher „appetito“ auf die italienischen Köstlichkeiten, aber es hapert zuweilen an der richtigen Verwendung der bei Agro erworbenen Zutaten. „Wir machen natürlich auch Catering und erstellen Büffets“, versichert man, den deutschen „amici“ gern ein Stück Italien auf die heimische Tafel zu zaubern.

Und wer es ganz stilgerecht haben will, der kann bei Agro auch die Küche mit italienischen Reinigungsmitteln wieder in neuem Glanz erstrahlen lassen. „Das haben wir auch. Schließlich sind wir ja ein italienischer Supermarkt.“


proviel feiert Jubiläum

Die Werkstatt für Menschen mit psychischem Handicap wird 25 Jahre alt.

Zum 25-jährigen Bestehen präsentiert sich proviel als vielseitiges Unternehmen und sozialer Arbeitgeber.
Zum 25-jährigen Bestehen präsentiert sich proviel als vielseitiges Unternehmen und sozialer Arbeitgeber.

„Ich bin sehr froh, dass ich bei proviel die Chance bekommen habe, den richtigen Weg zu finden“, sagt Frank Schulz. Für viele Mitarbeiter bedeutet der Arbeitsplatz bei proviel den wichtigsten Lebensinhalt. Die Werkstatt für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung stellt für jeden von ihnen einen passenden Arbeitsplatz bereit. So gibt es neben der Metallverarbeitung und Montage auch Arbeitsplätze in der Küche, Hauswirtschaft oder im Büro sowie diverse Außenarbeitsplätze. Die stetig wachsende Belegschaft und die große Akzeptanz bei den Unternehmern des Bergischen Landes bestätigen das Konzept. Zum 25-jährigen Bestehen präsentiert sich proviel als vielseitiges Unternehmen und sozialer Arbeitgeber.

Entstanden ist proviel 1994 aus der Werkgemeinschaft Alfred Rexroth auf Hof Sondern in Beyenburg. „Der Gedanke, für psychisch beeinträchtigte Menschen eine eigenständige Werkstatt mitten in der Stadt einzurichten, die gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist, war damals völlig neu“, erzählt proviel-Geschäftsführer Christoph Nieder. Die Mitarbeiter erledigten einfache Zuarbeiten für die Industrie. Im Laufe der 25 Jahre wuchs nicht nur die Belegschaft, sondern auch deren Kompetenz: Heute können die Mitarbeiter bohren, fräsen, drehen, beschriften und vieles mehr. Die Hauswirtschaft erledigt auch für externe Kunden die Wäsche.

Arbeitsplätze im CAP-Markt und Okavango

Für Begeisterung sorgt der CAP-Frischemarkt, den proviel 2016 am Eckbusch eröffnete. Hier bekommen psychisch kranke Menschen neue vielfältige Arbeitsmöglichkeiten mit Kundenkontakt, die Anwohner eine Rundumversorgung mit Lebensmitteln. Im Okavango im Zoo kochen, bedienen und waschen die proviel-Mitarbeiter ab, im Schulbistro am Gymnasium Sedanstraße verkaufen sie Snacks an die Schüler, im Kulturkindergarten reinigen sie die Räume und bereiten Frühstück zu. So leisten die provieler einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in Wuppertal!

Doch die proviel-Mitarbeiter gehen auch in Unternehmen: Außenarbeitsplätze bei Ikea, P. Hermann Jung oder Automobilscharniere Hasten sind ein wichtiger Schritt für den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt. „Wir freuen uns immer über neue Kooperationspartner, die Praktikumsplätze für unsere Mitarbeiter anbieten“, betont Christoph Nieder.

Ergänzende Angebote gibt es unter dem Dach des Muttervereins forum e.V., unter anderem im Auftrag des Jobcenters Wuppertal. Hier finden langzeitarbeitslose Menschen mit Vermittlungshemmnissen durch Qualifizierung im Echtbetrieb einen neuen Zugang zur Berufswelt.

Bei der Bewältigung des Alltags helfen bei Bedarf die Fachkräfte des Betreuten Wohnens. Wie gut dieses Konzept funktioniert, zeigen die ständig wachsende Belegschaft und die vielen zufriedenen Kooperationspartner. Ein Gewinn für alle Seiten!