„Sie trägt Wuppertals Namen in die Welt“

Wir in Wuppertal:„Sie trägt Wuppertals Namen in die Welt“

Kaum ein Künstler hat je so wie sie die ganze Welt als Inspiration genommen. Und kaum eine Künstlerin wird auch zehn Jahre nach ihrem Tod weltweit so verehrt wie die Wuppertaler Choregraphin Pina Bausch.

Die Intendantin und künstlerische Geschäftsführerin des Tanztheaters Pina Bausch, Bettina Wagner-Bergelt, geht sogar noch weiter: „Sie ist und bleibt eine Ikone der Kunst aus Deutschland.“ Weltweit sei vermutlich keine Künstlerin so bekannt wie sie – und dass über die Grenzen des Tanz-Genres hinaus.

Von Beginn an war die Tänzerin und Choreographin Pina Bausch, die eigentlich eine gebürtige Solingerin ist, in der Welt unterwegs. „Sie ist von Anfang ihrer Karriere an für ihre Projekte und Choreopraphien auf so genannte Research-Reisen in die Städte dieser Welt gegangen“, berichtet Wagner-Bergelt. Dabei wollte die Künstlerin erklärtermaßen das Flair dieser Metropolen, die Lebensart der Menschen dort hautnah kennenlernen und erfahren. „Das Ensemble hat sie dann in der Regel mitgenommen. Im Mittelpunkt stand bei diesen Reisen, so Wagner-Bergelt, stets die Frage: Was macht eine Stadt aus – ob es nun Rom, Los Angeles oder auch Santiago de Chile war. Oder auch Budapest, Palermo oder Sao Paolo. Und auch Japan war ein bevorzugtes Ziel der Choreographin und ihrer Tänzer. Die Reiseerfahrungen flossen dann stets in neue, avantgardistische Chorographien und Inszenierungen.

Stadtsparkasse Wuppertal

„Speziell in Japan pilgerten die Menschen regelrecht zu ihren Stücken. Das ist noch heute so.“
Bettina Wagner-Bergelt, Intendantin und künstlerische Geschäftsführerin des Tanztheaters Pina Bausch


Aber auch bei ihrem Ensemble, der Auswahl ihrer Tänzer legte Pina Bausch stets Wert auf internationale Besetzung, mit dem erklärten Ziel eine größtmöglichen Vielfalt, die sich dann wiederum schöpferisch in ihren Arbeiten niederschlug. Auch hier trieb sie die Frage um: „Was entsteht, wenn Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenarbeiten?“

„Da haben sich manche schon mal beschwert, wenn alle in unterschiedlichen Sprachen redeten“, berichtet Wagner-Bergelt. „Aber das hat Pina Bausch nicht beeindruckt. Das war beabsichtigt. Sie wollte den Blick in die Welt.“

Klar, dass im Gegenzug ihre Freunde aus der ganzen Welt nach Wuppertal kamen, darunter neben Tänzern auch viele Komponisten.

Die Intendantin und künstlerische Geschäftsführerin des Tanztheaters Pina Bausch, Bettina Wagner-Bergelt, schwärmt vom Ruhm, den Pina Bausch auch heute noch weltweit genießt.
Die Intendantin und künstlerische Geschäftsführerin des Tanztheaters Pina Bausch, Bettina Wagner-Bergelt, schwärmt vom Ruhm, den Pina Bausch auch heute noch weltweit genießt.

Dass Pina Bausch Freunde und Anhänger und zudem eine große Reputation nicht zuletzt in Japan hatte, zeigt sich nach den Worten von Wagner-Bergelt nicht zuletzt an der Tatsache, dass sie 2007 den renommierten Kyoto-Preis erhielt. Dieser 400 000 Euro dotierte Preis ist neben dem Nobelpreis die höchste Auszeichnung für Wissenschaft und Kultur weltweit. Weitere Auszeichnungen waren der Goldene Löwe von Venedig und die Aufnahme in den Orden Pour le mérite.

„Speziell in Japan pilgern die Menschen regelrecht zu ihren Stücken. Das ist noch heute so, berichtet Wagner-Bergelt.

Keine Frage, dass Bauschs Strahlkraft auch auf Wuppertal zurückscheint. „Wenn diese Stadt auch finanziell nicht viele Möglichkeiten hat, so ist es doch enorm, wie sehr die Menschen hier sie nach wie vor lieben und schätzen“, berichtet Wagner-Bergelt. „Kein Taxifahrer, der sie mal gefahren hat und noch heute nicht jedem gern davon berichtet“, sagt Wagner-Bergelt. „Die Menschen in Wuppertal wissen sehr genau, wer Pina Bausch war und welche Bedeutung sie hat. Sie trägt den Namen Wuppertal in die ganze Welt.“

Die Stadt Wuppertal plant, mit dem ehemaligen Schauspielhaus, das derzeit aus Kostengründen nicht bespielt wird, als künftiges Pina-Bausch-Zentrum dem Ensemble eine dauerhafte künstlerische Heimat zu geben.


Wuppertaler Kulturschaffende werben gemeinsam

Wuppertal ist eine Stadt voller Möglichkeiten. Die vielen Nationalitäten, die im Tal der Wupper leben und arbeiten, bringen vielfältige Einflüsse und Traditionen mit.

Davon profitiert nicht zuletzt die lokale Kunst- und Kulturszene, die sich nach wie vor ausgesprochen bunt und reichhaltig präsentiert. Die Bergische Metropole war seit je her ein Anziehungspunkt für Menschen mit besonderen Möglichkeiten, ob sie nun von hier stammen oder zugezogen waren oder sind. Weltbekannte Künstler wie die Dichterin Else Lasker-Schüler, der Dirigent Günter Wand, die Choreografin Pina Bausch, die Freejazz-Legende Peter Kowald oder der Maler Hans von Mareés waren in Wuppertal zu Hause. Bürgerschaftliches Engagement hat hier eine große Tradition und führte zur Gründung des Von der Heydt-Museums, der Historischen Stadthalle, des Skulpturenparks Waldfrieden und zuletzt der Nordbahntrasse.

Die Stadt will aber auch überregional auf ihre Kultur stärker aufmerksam machen. Aus diesem Grund haben sich die großen Kulturinstitute zusammengetan, um gemeinsam zu werben. Schon seit 2012 organisieren das Von der Heydt-Museum, das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, der Skulpturenpark Waldfrieden, die Historische Stadthalle und seit 2017 auch die Wuppertaler Bühnen in Eigenregie und ohne Mittel der Stadt einen gemeinsamen Stand auf der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin, der weltweit größten Reisemesse.

Die Vertreter der Kulturinstitutionen nutzen die Messe als Plattform, um zum Beispiel mit Reiseveranstaltern, Journalisten, Bloggern und anderen Multiplikatoren ins Gespräch zu kommen. Vor allem für Busunternehmer mit dem Schwerpunkt auf Kulturreisen ist Wuppertal ein zunehmend attraktives Ziel.

Denn Wuppertal hat eine bedeutende Kulturszene. Das Von der Heydt-Museum zeigt nicht nur weltbekannte Kunstwerke des Impressionismus, Expressionismus und der klassischen Moderne, sondern wurde in den vergangenen Jahren auch mehrfach für seine herausragenden Wechselausstellungen ausgezeichnet. Das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch steht weltweit für die Revolutionierung des Tanzes und gilt mit seinen regelmäßigen Gastspielen auf allen Kontinenten heute als wichtigster Kulturbotschafter des Tanzlandes Nordrhein-Westfalen. Neues Leben soll demnächst in das denkmalgeschützte Schauspielhaus einziehen, das ab 2024 ein Pina Bausch Zentrum beherbergen soll.

Der Skulpturenpark Waldfrieden, den der international renommierte Bildhauer Tony Cragg in Wuppertal geschaffen hat, bietet einen einzigartigen Ausstellungsraum für moderne Kunst mitten in der Natur. Die Historische Stadthalle ist nicht nur ein architektonisches Schmuckstück, sondern auch einer der besten Konzertsäle Europas, in dem die berühmtesten Musiker der Gegenwart und auch das traditionsreiche Sinfonieorchester Wuppertal immer wieder gern zu Gast sind. Die Wuppertaler Bühnen machen unter neuer künstlerischer Leitung mit überregional beachteten Inszenierungen von sich reden.

Andreas Mucke, Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, besuchte in diesem Jahr zum ersten Mal die Reisemesse und den Stand der Wuppertaler Kultur in der NRW-Halle.