Uni unterstützt qualifizierte Flüchtlinge

Wir in Wuppertal:Uni unterstützt qualifizierte Flüchtlinge

Die Bergische Universität unterstützt mit ihrem Programm „In Touch“ Geflüchtete auf ihrem Weg (zurück) in die Wissenschaft.

Donata Weinbach und ihr Team nehmen sich Zeit zum Zuhören. Die Projektkoordinatorin des Programms „In Touch“ hat dann keine Eile. Sie will mit ihrem Gegenüber ins Gespräch kommen – über Perspektiven und Wünsche, über Motivation und Vorkenntnisse. „Das sind Menschen, hinter denen eine Flucht liegt“, sagt Donata Weinbach. Junge Erwachsene, die in Syrien, Afghanistan oder im Irak gerade die Schule beendet und sich in schlimmen Zeiten nicht erlaubt haben, an ein Studium zu denken. Oder junge Wissenschaftler, die in ihrem Heimatland bereits ihr Studium aufgenommen hatten, Prüfungen bestanden, vielleicht sogar einen Bachelorabschluss erreicht hatten. „Mit der Flucht haben sie dann keine wissenschaftliche Perspektive mehr“, weiß Donata Weinbach.


„Sie sollen sich zugehörig fühlen und sich mit diesem Ort identifizieren können.“
Donata Weinbach, Projektkoordinatorin des Programms „In Touch“


Donata Weinbach ist die Projektkoordinatorin des Programms „In Touch“.
Donata Weinbach ist die Projektkoordinatorin des Programms „In Touch“.

Und das will die Bergische Universität so nicht hinnehmen. Deswegen wurde vor vier Jahren das Programm „In Touch“ installiert, das international Geflüchteten einen Weg zurück in die Wissenschaft ermöglichen soll. „Das Leben ist für die Menschen nach der Flucht in einem fremden Land ohnehin kompliziert“, sagt die Projektkoordinatorin, „da ist es doch wichtig, dass wir wenigstens die Möglichkeiten der Weiterqualifizierung einfach halten.“ Und diese Botschaft sei dem Projektteam auch als politisches Singal wichtig: „Da kommen qualifizierte Menschen nach Deutschland und wir als Uni öffnen uns – auch damit sich die Geflüchteten angenommen fühlen.“ Hinter „In Touch“ steckt ein ausgeklügeltes Konzept. Schon im Herbst 2014 entstand im Gespräch ganz verschiedener Wuppertaler Akteure der zündende Gedanke, Geflüchteten mit entsprechenden Qualifikationen einen Übergang ins Fachstudium zu ermöglichen. Mit ehrenamtlichem Einsatz wurde das Programm nach dem Vorbild eines Konzepts der Uni Bremen aufgebaut. Im Wintersemester 2015/2016 starteten die ersten Teilnehmer. Das Programm sieht drei Etappen vor. Ganz am Anfang steht das Gespräch der Bewerber mit dem Koordinationsteam. „Dann sprechen wir auch über Erwartungen“, erklärt Donata Weinbach. Von Seiten der Uni gehören dazu gute Deutschkenntnisse. Und dank eines komplexen Systems, zu dem auch die Auswertung von Zeugnissen und Studienbescheinigungen und ein Studienfähigkeitstest gehören, wird der erste Teil des Bewerbungsverfahrens bestritten. Die jungen Wissenschaftler beginnen dann als Gaststudenten an der Uni – begleitet von einem Buddie. „Es gibt viele Studenten an unserer Universität, die sich bereit erklären, einen Programmteilnehmer auf ihrem Weg zu begleiten“, freut sich Donata Weinbach, „so sind schon viele Freundschaften entstanden.“ Das Buddie-Programm habe sich bewährt, weil die Geflüchteten als Gasthörer und auch während der folgenden Etappen nicht alleine gelassen würden. „Das hat natürlich großen Einfluss auf die Abbrecherquote“, erklärt die Projektkoordinatorin.


„Seit ich an der Uni bin, fühle ich mich endlich wieder zu Hause.“
Geflüchteter Teilnehmer des­„In Touch“-Programms


Innerhalb eines Buddie-Programms werden Geflüchtete zunächst als Gasthörer und auch während der folgenden Etappen nicht alleine gelassen. Viele Studenten der Uni haben sich bereit erklärt, einen Programmteilnehmer zu begleiten.
Innerhalb eines Buddie-Programms werden Geflüchtete zunächst als Gasthörer und auch während der folgenden Etappen nicht alleine gelassen. Viele Studenten der Uni haben sich bereit erklärt, einen Programmteilnehmer zu begleiten.

Schon als Gasthörer bekommen die Teilnehmer Studenten- und Bibliotheksausweis und Zugang zum Internet. „Sie sollen sich zugehörig fühlen“, sagt Donata Weinbach, „und sich mit diesem Ort identifizieren können.“ Die Gasthörergebühr entfällt. Mit dem Startschuss für die erste Etappe nehmen die Geflüchteten an einem Mathematik- Kurs auf Deutsch teil, an einem besonderen Sprachkurs und an „In Touch“-Seminaren, in denen es erst um Themen des Ankommens und der Integration geht, dann um Literatur, Sprache und Kultur. Dabei gehe es vor allem um Orientierung. Schon während der Gasthörerzeit entdecken viele Teilnehmer neben dem Pflichtprogramm Vorlesungen und Kurse, die sie interessieren und freiwillig besuchen.

Nach der ersten Etappe steht dann die offizielle Bewerbung um die Zulassung zum Studium an – fällt die erfolgreich aus, besuchen die Geflüchteten ein bis drei Semester lang einen Sprachkurs zum Erlangen des Sprachzertifikats. Danach können die Studenten ins Fachstudium starten.

„Das Programm hat sich bewährt“, sagt Donata Weinbach. Auch wenn Teilnehmer auf den ersten Etappen des Programms merken, dass ein Studium nicht der richtige Weg für sie sei, wertet sie das als Erfolg.

Aber inzwischen stehen auch die ersten Teilnehmer vor ihrem Master. Neulich habe ein „In Touch“-Student von seinem langen Weg erzählt, berichtet Donata Weinbach. Und dann habe er festgestellt: „Seit ich an der Uni bin, fühle ich mich endlich wieder Zuhause.“