„Wir sind ein Stück von Wuppertal“

Wir in Wuppertal:„Wir sind ein Stück von Wuppertal“

Die Ditib-Zentralmoschee auf der Gathe zählt rund 450 Mitglieder. Wie der Vorstand betont, bemüht man sich um Offenheit zu allen Nachbarn. Zahlreiche Veranstaltungen belegen das.

Unsere Tür steht für jeden offen“, sagt Ersin Özcan, der ehrenamtliche Vorstand der muslimischen Gemeinde in der Ditib-Zentralmoschee auf der Gathe. Die Straße sei die wohl internationalste in ganz Wuppertal, meint Özcan, der zugleich betont, dass man sich mit den asiatischen, arabischen, nordafrikanischen und den italienischen Nachbarn und natürlich auch den Deutschen bestens verstehe und sich auf keinen Fall von diesen Nachbarn abschotten wolle.

Das gelte natürlich auch für die Geflüchteten, von denen viele Marokkaner, Albaner oder Nordafrikaner am traditionellen Freitagsgebet (gläubige Muslime beten morgens ab 4.30 Uhr insgesamt fünfmal täglich) teilnehmen. Bei diesem Ritual versammeln sich auf dem Vorhof der Moschee, aber auch in den Räumen des mehrstöckigen Gebäudekomplexes mit dem charakteristischen Minarett am Eingang mehr als 500 Gläubige. „Dass die rund 20 Frauen in einem Raum für sich beten, ist ein Teil unserer Kultur“, berichtet Öczan zur Vorschrift der Trennung der Geschlechter beim Gebet. Özcan ist in Deutschland geboren, wuchs wegen eines tragischen Unfalltodes seines Vaters bis zum 14. Lebensjahr in der Türkei auf, sieht sich aber offenbar eher als Deutscher denn als Türken. Der Gemeindevorstand und dreifache Familienvater ist in seinem Hauptberuf Sachbearbeiter bei den Stadtwerken und in Wuppertal verwurzelt: „Wenn wir im Sommer drei oder vier Wochen Urlaub in der Türkei gemacht haben, sehnen wir uns wieder zurück nach Wuppertal.“

Am Eingang zur Moschee wehen symbolträchtig die deutsche und die türkische Flagge auf einer Höhe von den beiden Fahnenmasten, auch als Sinnbild dafür, dass viele der rund 450 Mitglieder zählenden Gemeinde beide Staatsbürgerschaften besitzen.

Karrieretag Wuppertal

Die Offenheit gegenüber ihren Mitbürgern will die muslimische Gemeinde alljährlich beim „ToM“, dem Tag der offenen Moschee beweisen, der in diesem Jahr am 3. Oktober ab 12 Uhr bundesweit stattfindet. Und diese Offenheit soll nicht nur an diesem Tag, sondern unter anderem auch bei den vielen Festen und kulturellen Veranstaltungen gelten, zu denen die Gemeinde sonst einlädt, wie dem Frühlingsfest (Nevruz), dem Ramadan, dem Fastenbrechen oder den Nationalfeiertagen.

„Wir sind seit knapp 40 Jahren hier auf der Gathe beheimatet und sehen uns als ein Stück von Wuppertal“, sagt Özcan, und der junge Student Muhammed Sömnez fügt hinzu: „Diese Heimat möchten wir uns auch nicht von Rechtsradikalen wegnehmen lassen.“ Er weist darauf hin, dass es junge Mitglieder der muslimischen Gemeinde gewesen seien, die vor einiger Zeit in der Yorckstraße in Vohwinkel die Anregung zu einer Menschenkette gegen pöbelnde Nazis gegeben hätten. Dem hätten sich dann die Mitglieder der Jungen Union, der Jusos, der Grünen und anderer Gruppierungen angeschlossen, um ein Zeichen gegen „Rechts“ zu setzen.

Mitarbeit in der Initiative „Gemeinsam Gathe gestalten“

In den fast vier Jahrzehnten an der Gathe haben die Gemeindemitglieder auch registriert, wie es mit der Straße und wichtigen Verkehrsader am Eingang zur Elberfelder City bergab gegangen ist. „Da macht man sich natürlich seine Gedanken, was man da verbessern könnte“, sagt Muhammed Sömnez, der der Initiative „Gemeinsam Gathe gestalten“ (GGG) angehört, für deren erstes Treffen in etwa acht Wochen die Gemeindemitglieder Einladungen an die Nachbarschaft verteilen wollen.

Der Vorstand und die Vorbeter im Gespräch im Gebetsraum
Der Vorstand und die Vorbeter im Gespräch im Gebetsraum

Teil dieser Neugestaltung soll auch die geplante neue Moschee werden, die auf dem Grundstück gegenüber entstehen soll. Ein Grundstück, das derzeit von dem türkischen Ingenieurbüro Erkilic genutzt wird, aber im Eigentum der muslimischen Gemeinde ist.

Diese Moschee soll ein Treffpunkt für alle und nicht nur muslimisch geprägt sein, so erklärt der Vorstand. „Wir sind in der Planungsphase und in Gesprächen mit der Stadt bezüglich des Neubaus und hoffen, bald zu einer Lösung zu kommen“, sagt Ersin Özcan als Vorstand der „Ditib türkisch islamischen Gemeinde Zentralmoschee in Wuppertal-Elberfeld“, wie es offiziell mit vollem Namen heißt.

Er betont, dass die von zwei Imanen betreute Gemeinde ein sehr aktives Miteinander pflege, bei dem sich die Mitglieder auch zu Familienfeiern wie Hochzeiten, dem Beschneidungsfest oder auch Trauerfeiern an der Gathe treffen. Und natürlich täglich zum gemütlichen Gespräch an Tischen und Bänken oder der mit Teppichen ausgelegten orientalischen Sitzecke, in der man stilgerecht den starken türkischen Tee genießen kann.

Özcans Wahlspruch lautet: „Dieses Land ist unsere Heimat, und wir möchten nicht mehr über Integration sprechen, sondern gemeinsam in die Zukunft schauen.“

Und in der will man auch den Wunsch nach einem muslimischen Friedhof in der Varresbeck umsetzen. „Durch die Nachbarschaft zu den christlichen und den jüdischen Friedhöfen bietet sich die einmalige Chance der Integration der drei Weltreligionen”, heißt es in dem Aufruf, in dem um Spenden für das Vorhaben geworben wird, das einmal mehr ausdrücken soll, dass man sich als ein Teil von Wuppertal fühlt.